Der Händedruck der beiden Männer ist kräftig. Mit ernstem Blick schauen sie mich an. Wir wissen noch nicht so richtig, wie wir miteinander umgehen sollen. Kai und Uwe wollen die beiden genannten werden. Ihre echten Namen möchten sie nicht verraten. Zu groß ist die Angst, nach der Haftstrafe erkannt zu werden. Denn heute bin ich nicht in der Redaktion, sondern im Knast. Im offenen Vollzug der JVA Neuruppin-Wulkow

Kai und Uwe machen "Sound aus dem Knast" wie es auf der Webseite ruppich.net heißt. Ein Podcast, der einen hinter die Gefängnismauern schauen – oder besser gesagt lauschen – lässt. Sechs Männer erzählen in der ersten Folge von "Ruppich" von Beziehungen, dem Gefühl, die Familie im Stich gelassen zu haben und von Hochzeiten hinter Gittern.    

Wir haben mit Kai und Uwe über den Alltag im Knast gesprochen.

Wie ruppig ist der Knast wirklich?  

Uwe: "Wulkow ist nicht so schlimm. Was mich nervt, sind immer die gleichen Leute, die immer gleichen Gesichter. Moabit war schlimmer, da gab es fast täglich Schlägereien."

Was sind in Wulkow die härtesten Momente?  

Kai: "Wenn was draußen mit den Angehörigen passiert und man nicht raus kann. Im offenen Vollzug kann man wenigstens noch ein bisschen was machen und Kontakt halten. Aber im Geschlossenen geht das gar nicht."

Durch den Podcast könnt ihr mit der Welt da draußen Kontakt aufnehmen.  

Uwe: "Damit wollen wir erzählen, wie es hier drinnen wirklich abläuft."       

Kai: "Es gibt ja draußen immer noch Leute, gerade jüngere, die denken, es sei cool im Knast zu sein. So ist es aber nicht. Knast ist immer scheiße. Die 'coolen' Gangster da draußen denken nicht darüber nach, was nach dem Scheißebauen kommt.  

Das hier ist verschenkte Zeit. Und meist setzt man alles aufs Spiel, was man draußen hatte. Frau, Arbeit, Wohnung, einfach alles. Wenn das aber einer von den Sozialdiensten, Lehrern oder Psychologen sagt, denken die doch schnell: 'Was wollen die von mir?'. Die, die so 'cool' sein wollen, hören doch eher auf die, die das hinter sich haben. Kennt man ja selber."

Glaubt ihr, dass ihr mit "Ruppich" was verändern könnt?  

Uwe: "Mit 'Ruppich' erreichen wir Leute draußen. Aber auch der Anstaltsleiter hört dadurch, wie es hier abläuft. Der kriegt auch nicht alles mit, dabei kann er was ändern. Zum Beispiel in Sachen Internet."

Kai: "Man ist hier komplett von der Außenwelt abgeschlossen, das hier ist ein eigener Staat im Staat. Eigene Regeln, eigene Gesetze und so. Hier hinkt alles hinterher. Wie soll ich in der Welt da draußen zurechtkommen, wenn ich mich nicht mehr auskenne? Es wäre schön, wenn wir mal Internet hätten. Wenn wir selbst auf Facebook-Kommentare zu 'Ruppich' antworten könnten."

Und wie stehen die anderen Häftlinge zu "Ruppich"?     

Kai: "Geteilt. Manche denken, wir wollen uns damit Vorteile erschleichen oder sind 'Anscheißer'. Hängt bestimmt auch damit zusammen, dass die – genau wie wir – erst mal gar nicht wussten, worum es geht. Und die Folge können sie hier drinnen ja auch nicht hören."

"Ruppich" war also nicht eure Idee?  

Kai: "Wir hatten irgendwann einen Aushang hier, dass ein Podcast im Knast gemacht werden soll, dass dafür vier bis acht Häftlinge gesucht werden. Der Sozialdienst fragte, ob wir nicht Lust darauf hätten."

Uwe: "Am Anfang wollten wir nicht mitmachen. Wir dachten, wir können das alles nicht so sagen, wie wir wollen. War aber nicht so."

Kai: "Weil es doch ganz interessant war, sind wir dabeigeblieben."  

Ein Gefängnis hat kein Tonstudio. Wie arbeitet ihr hier am Podcast?  

Uwe: "Erst hatten wir nur einen leeren Raum. Dann haben uns andere Insassen in der Holzwerkstatt hier ein Studio gebaut, also einen Kasten über den wir Decken geschmissen haben. Wir haben alles selbst aufgenommen und angefangen zu schneiden. Das hat ewig gedauert, wir haben ja lange keine Technik mehr in der Hand. Ein Mitarbeiter vom Verein Metaversa hat uns das zu Ende geschnitten."

Achtung Spoiler! Gzuz war auch schon mal im Knast...

Der Verein unterstützt euch bei dem Projekt. Könnt ihr die Themen selbst bestimmen?

Kai: "Ja, wir haben uns vorher alle zusammen in einem Raum gesetzt und aufgeschrieben, was man für Beiträge machen könnte. Es ging immer wieder um Beziehungen, aus dem Knast heraus oder eben im Knast. Deswegen war das auch das Thema unserer ersten Folge."

Uwe: "Der Alltag beschäftigt einen und liefert Ideen. Manche sind hier echt aus dem Leben gerissen. Das ist traurig."

Erleichtert euch "Ruppich" die Zeit im Knast?      

Uwe: "Wir haben dadurch nicht mehr Freigang oder so. Aber sonst hat man hier einen tristen Alltag mit Arbeit und ein bisschen Sport. Jetzt ist man beschäftigt und sitzt nicht bloß rum. Über die Straftat hat man ja schon am Anfang seiner Haft genug nachgedacht."

Kai: "Gerade im geschlossenen Vollzug hat man einen strukturierten Tagesablauf. Der Podcast ist eine Möglichkeit, sich nachmittags zu beschäftigen und auch mit anderen Gefangenen zusammen zu sein. Das schafft eine lockerere Atmosphäre. Man ist entspannter. Alles ist besser als den ganzen Tag auf der Zelle zu sitzen."


Today

US-Firmen rufen zum Boykott der Waffenlobby NRA auf

Was ist passiert?

Jahrzehntelang haben diese US-Konzerne die Waffenlobby NRA unterstützt. Doch nach dem Amoklauf an einer Schule in Florida überdenken auch sie ihre Haltung. Sie zeigen sich einsichtig – wenn auch viel zu spät.

So teilen einige Unternehmen mit, dass sie Vergünstigungen für Mitglieder der Organisation streichen werden. Darunter die großen Fluggesellschaften United und Delta Airlines. (Washington Post)