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"Dieses Geräusch und das Gefühl der Schere..."

Wie läuft eine Geburt wirklich ab? Was erleben Gebärende in Kranken– und Geburtshäusern? Darüber zu sprechen, ist für viele Frauen nicht selbstverständlich. Ist der Ton im Kreißsaal so hart, wie manche erzählen? Findet genügend Aufklärung über Eingriffe wie Schmerztropf und Kaiserschnitt statt?

bento hat drei Frauen nach ihren ehrlichen Geburtsberichten gefragt. 

Julia, 28, Leipzig: "Dieses Geräusch und das Gefühl der Schere haben sich krass bei mir eingebrannt"

Schon bevor ich schwanger war, habe ich mich sehr ehrlich mit meiner Mutter über die Geburt unterhalten. Im eigenen Umfeld traut man sich ja eher zu fragen. Wenn man ein gutes Verhältnis zur eigenen Mutter hat, ist das eine gute Anlaufstelle.

Ich hab mir in Leipzig drei Krankenhäuser angeschaut und zwei weitere in der Umgebung. Ich war immer bei den öffentlichen Terminen, da gibt es einen Veranstaltungsteil, bei dem man Fragen stellen kann. Ich hatte eine richtige Liste: Wie viele Kaiserschnitte gibt es? Wie hoch ist die Dammschnittrate? Gibt es eine Stillberatung?

„Das war schon eher ungewöhnlich.“

Ich glaube, viele andere trauten sich einfach nicht, zu fragen.

Meine Mutter hatte einen Dammschnitt und war davon traumatisiert. Deshalb hatte ich Angst, dass es auch bei mir nötig sein würde. Ich stellte mir das so schrecklich vor: Weil ein anderer über die Unversehrtheit meines Körpers entscheiden würde.

Ich entschied mich dann für die Klinik mit den niedrigsten Interventionsraten. Ich hatte ein gutes Gefühl. Aber Statistik ist halt Statistik: Wenn man selbst betroffen ist, ist das immernoch etwas ganz anderes.

Mein Kind kam einen Tag nach dem errechneten Termin. Als die Wehen einsetzten, ging es mir zunächst echt gut. Ich fühlte mich stark und dachte: Das kriegst du hin. Dann wurde es anstrengender. Ich bin in die Geburtswanne, das war sehr angenehm. Im warmen Wasser waren die Schmerzen viel besser zu ertragen.

Irgendwann bin ich raus aus der Wanne, ich bekam einen Wehenverstärker. Als es trotzdem nicht schneller ging, machte die Hebamme ein sogenanntes Kristeller-Manöver. Dabei legte sie sich auf den Bauch. Das war ziemlich schmerzhaft. Der Kreißsaal war plötzlich voller Menschen und alle hatten Anweisungen: Wann ich pressen, stillhalten, die Luft anhalten sollte. Das war mir zu viel. Irgendwann sagte mein Mann: Jetzt spricht bitte nur einer!

Und dann wurde doch ein Dammschnitt gemacht.

„Dieses Geräusch und das Gefühl der Schere haben sich krass bei mir eingebrannt.“

Ich war wütend, weil ich mich so fremdbestimmt fühlte. Mein Kind wurde dann mit einer Saugglocke geholt.

Das war kein guter Auftakt für das Elternsein: Ich hatte Schwierigkeiten, mich auf die neue Situation einzustellen. Später machte ich einen Termin im Krankenhaus, um noch einmal mit der Oberärztin zu sprechen. Nach dem Gespräch holte ich mir noch therapeutische Unterstützung.

Bei Freunden sage ich immer: Meine Erfahrung war nicht so gut. Willst du das wirklich hören? Manchmal lasse ich Sachen aus, oder relativiere etwas. Denn das ist ja eine individuelle Erfahrung, bei anderen kann das ganz anders sein. In einem anderen Krankenhaus, mit anderen Hebammen. Es hat mir aber immer geholfen, von der Geburt zu erzählen. 

bento hat Sätze gesammelt, die Ärzte, Hebammen und Schwestern sagen – auch die Hebammenkampagne "Roses Revolution" hat das getan:

Diese Sprüche könntest du kennen, wenn du schonmal ein Kind bekommen hast:

Im Kreissaal: Jetzt stellen Sie sich mal nicht so an.

Sie sind ja nicht die erste Frau, die ein Kind bekommt.

Und bis jetzt ist noch keins drin geblieben.

Weinen hilft Ihnen jetzt auch nicht

Sie sind wohl eine von den Hysterischen?

Nicht bewegen! Wir müssen jetzt die Anästhesienadel einführen.

Und hinterher:

Also bei mir war das damals alles gar kein Problem.

Freu dich doch, dass du jetzt ein gesundes Kind hast!

Vielleicht war die Hebamme einfach überarbeitet.

Mit deinen Geschichten machst du denen Angst, die noch keine Kinder bekommen haben.

Was hast du denn erwartet?

Beim zweiten Kind hast du das alles wieder vergessen.

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Laura, 29, Berlin: "Ohne Kitsch: Das war der schönste Tag in meinem Leben"

Ich hätte vorher nie gedacht, dass eine Geburt so schön sein kann. Ohne Kitsch und ohne Übertreibung: Das war der schönste Tag in meinem Leben. Der Moment, wo sie aus dem Wasser aufgetaucht ist und mir auf die Brust gelegt wurde: Der war so schön, den kann ich gar nicht beschreiben. 

Von der ersten Wehe bis zur Geburt dauerte es vier Stunden. Das war sehr schnell und ziemlich überwältigend. Aber ich hatte eine gute Betreuung und habe viel probiert: Einen Hocker, einen Gymnastikball, darauf wippte ich und mein Mann massierte dabei meinen Rücken. Es gab ein Tuch, das von der Decke hing, da konnte ich die Wehen veratmen. Es war sehr selbstbestimmt: Ich durfte machen, womit ich mich wohlfühlte.

Dann tastete die Hebamme kurz nach dem Muttermund und meinte: Fünf Zentimeter, aber sie sei sich nicht ganz sicher.

Ich konnte gerade noch einmal zur Toilette gehen und sie ließ in der Zeit das Wasser in die Geburtswanne ein. Ich musste mich festhalten und hörte, wie sie ihre Kollegin rief: Es gehe los. Ich zog mich schnell aus und schaffte es gerade noch zur Wanne.

„Dann gab es zwei Presswehen und meine Tochter war da.“

Dass es schmerzhaft werden würde, wusste ich. Aber ich sagte mir, dass der Schmerz etwas Gutes sei und den Weg freimache für das Baby. Das half sehr: die Einstellung, der positive Blick auf die Geburt. 

Natürlich hatte ich Angst, aber ich versuchte eben, damit umzugehen. Das würde ich auch anderen raten: Sich vorher mit dem Schmerz zu beschäftigen – und damit, ihn positiver wahrzunehmen. Und dass man jemanden dabeihat, der sich im Notfall für die eigenen Interessen einsetzt.

Das war aber auch schon meine zweite Geburt. Ich war im Geburtshaus, weil die erste Geburt, im Krankenhaus, nicht so gut verlaufen war. Ich war anschließend viel in sozialen Netzwerken und Müttergruppen unterwegs und habe auch positive Geburtsberichte gelesen und gesehen: Es geht anders. Vor der zweiten Geburt wurden mir die Risiken einer Geburt im Geburtshaus erklärt. Es gibt da ja keine Intensivstation.

Im Wochenbett mit meinem zweiten Kind musste ich noch oft an die Geburt denken – und dabei lächeln. Ich wusste: Ich habe das allein geleistet.

(Bild: Unsplash)

Nele, 28, Hamburg: "Die Hebammen nahmen mich nicht ernst"

Die Schwangerschaft war nicht geplant und passte auch gar nicht. Ich war gerade dabei, mich selbständig zu machen. Ich bin 1,85 groß und echt keine zierliche Erscheinung. Aber in der Schwangerschaft und während der Geburt merkte ich, dass ich trotzdem wie ein dummes Mädchen behandelt werde. 

Eigentlich war ich gut vorbereitet und hatte mich mit allem beschäftigt, was schiefgehen kann. Die Geburt setzte vor dem errechneten Termin ein. Ich hatte komisch geträumt, meine Fruchtblase wäre geplatzt. Ich wachte auf – das Bett war nass. Mein Mann sollte dann die Hebamme anrufen und war schon ganz panisch. Aber ich meinte: Chill mal, ich gehe erstmal auf Toilette.

Ich wollte eigentlich ins Geburtshaus. Aber weil keine Wehen kamen und die Fruchtblase geplatzt war, schickte man mich zur Sicherheit ins Krankenhaus. Eigentlich wird man dort gleich untersucht: wie groß das Kind ist, wie schwer. Ich sagte: Das will ich nicht, weil ich das unnötig finde. Damit konnten die Ärzte und Hebammen wohl nicht umgehen.

Ich bekam dann doch Wehen. Das war, als ob jemand ein Messer genommen hätte und mir in den Unterleib gestochen und darin rumgerührt hätte. Und es war sehr heiß. Ich bekam einen Schmerztropf, weil ich es nicht mehr aushielt.

Ich sah ein, dass eine PDA gesetzt werden musste. Zwei Krankenschwestern drückten meinen Kopf und die Schultern nach unten, damit ich einen runden Rücken hatte. Aber die Nadel war nicht richtig gesetzt und ich hatte einen einseitigen Wehensturm.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass man größeren Schmerz fühlen kann.“

Die Hebammen nahmen mich erst nicht ernst. Daran denke ich jetzt immernoch oft. Irgendwann gab der Arzt dann noch einmal Medikamente, dann wirkte die Betäubung plötzlich.

Irgendwann musste ich auf Toilette und merkte: Das ist der Kopf! Um zwei Uhr morgens war mein Sohn da. Danach entließ ich mich selbst aus dem Krankenhaus. Meine Hebamme meinte später: Du hast alles richtig gemacht. 

Ich rede viel über meine Erlebnisse – und höre auch meinen Freundinnen zu, wenn sie von ihren Geburten erzählen. Ich finde das wichtig. Ich würde anderen raten: Fragt ehrlich nach. Besteht darauf, ehrliche Berichte zu hören.

Mir hat es geholfen, mein Kind wachsen zu sehen. Es ist die Zeit, die dann diese Wunden heilt. Außerdem weiß ich jetzt, was ich leisten kann: Mein Körper ist stark. 

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Elektrische Zahnbürste oder herkömmliche: Was ist besser?

Es gibt sie mit Sensoren, roten Warnlichtern, passender App: Überall sieht man Werbung für Hightech-Zahnbürsten. Aber braucht man wirklich eine? Ist die elektrische Zahnbürste überhaupt besser als eine herkömmliche? 

Wir haben nachgefragt und uns die Vor- und Nachteile erklären lassen: von Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. 

Reinigen elektrische Zahnbürste gründlicher? 

"Es gibt dazu unterschiedliche wissenschaftliche Aussagen", sagt Oesterreich. "Im Grunde kommt es aber auf Technik und Gründlichkeit an – und darauf, wie viel Zeit man sich für die Zahnreinigung nimmt. Man kann eine gute Mundhygiene auch mit einer normalen Zahnbürste erreichen." 

Eine elektrische Zahnbürste kann aber dazu führen, dass man länger – und damit gründlicher – die Zähne putzt. Denn viele von ihnen haben eine integrierte Zeitmessung. Wer sich daran hält, putzt je nach Modell mindestens zwei Minuten und wischt nicht nur schnell mit der herkömmlichen Zahnbürste durch den Mund.  

Welche Vorteile können elektrische Zahnbürsten haben? 

Die Zeiterfassung ist also ein Pluspunkt – aber die ist nicht unbedingt nötig. "Als empfohlene Zeitangabe werden häufig drei Minuten genannt. Jedoch ist es individuell sehr unterschiedlich, welcher Zeitrahmen notwendig ist", sagt Oesterreich. "Wer manuell sehr geschickt ist, keine individuellen Probleme aufweist und die Zähne systematisch reinigt, kommt mit dieser Zeit gut zurecht. Andere brauchen dagegen mehr Zeit." Außerdem könnte man sich zur Orientierung natürlich einfach eine Uhr ins Bad stellen, oder am Handy die Zeit stoppen.  

Einige elektrischen Zahnbürsten reagieren auch auf zu hohen Druck. Sie leuchten auf, wenn die Borsten zu fest auf die Zähne gedrückt werden. Ein sinnvolles Feature: "Wir beobachten häufig, dass mit zu hohem Putzdruck gearbeitet wird", sagt der Experte. Und weiter: