Zwei Presswehen, dann nimmt die Mutter auch schon das saubere Neugeborene auf den Arm: Etwas verschwitzt, aber perfekt geschminkt. Sie legt das Baby an die Brust, aus der natürlich sofort Milch kommt. So kennen wir Geburten aus Serien und Filmen. 

In der Realität sind Geburten eher: Blut, Schweiß und Tränen. Gerade beim ersten Kind kann eine Geburt lange dauern, richtig darauf vorbereiten kann sich keine Frau. Auch das erste Stillen klappt nicht immer direkt. Viele Frauen sind nicht genügend auf den Kreissaal vorbereitet – immer wieder beschreiben einige die Geburt als traumatisch. Andere hingegen schwärmen vom glücklichsten Moment ihres Lebens.

785.000 Babys sind im Jahr 2017 in Deutschland geboren worden – so viele unterschiedliche Geburtsgeschichten könnten also erzählt werden.

bento hatte deshalb mit drei Frauen ehrlich über ihre Erlebnisse im Kreissaal gesprochen. Sie berichteten von von Überforderung, Schmerzen und kritisierten die schlechte Betreuung durch Ärzte und Hebammen. Das ist der Artikel:

Viele bento-Leserinnen konnten die eher negativen Erlebnisse allerdings nicht nachvollziehen, sie haben viele positive Erfahrungen gemacht. 

Hier erzählen sie davon:

  • Leserin Elke schrieb uns das: "Meine Güte, da wundert es mich, dass ihr überhaupt noch zum Zahnarzt geht. Geburten nehmen doch fast immer ein glückliches Ende und das Glück lässt uns doch die Schmerzen schnell vergessen."
  • Und Sabine schrieb diese Antwort: "Die Geburt meines Sohnes war eines der schönsten Tage in meinem Leben, es gab, ein Glück, keine Komplikationen, und die Schmerzen waren sehr mit positiver Kraft verbunden."
  • Christine schilderte Für und Wider: "Ich habe zwei [Geburten] und sage: es sind verdammt schlimme Schmerzen, aber es ist das schönste, wenn eine Frau Kinder möchte, was es gibt. Für mich immer noch ein Wunder der Natur. Ich erzähle heute noch gerne davon und vergesse es nie."

Gerade bei Geburten mit Komplikationen sind viele Frauen dankbar für die Betreuung im Krankenhaus. Auch die Kritik an Hebammen und Ärzten, die nicht auf die Wünsche der werdenden Mütter eingehen würden, nimmt Christine auf:

  • "Lassen wir alle mal dankbar sein das es solche 'anpackenden' Ärzte gibt. Gäbe es sie nicht, dann wäre mein erstes Kind nicht lebend geboren. Da gab es keine Zeit mehr für nette Gespräche, da war Beeilung angesagt, dann kann es schon mal etwas 'rau' zugehen."

Sind also Geburten viel entspannter als viele behaupten? Ja und nein, sagt die Selbsthilfegruppe "Rosenmütter".

Die Rosenmütter beziehen sich auf die internationale Hebammen-Kampagne "Roses Revolution". Die setzt sich seit einigen Jahren auch in Deutschland gegen "Gewalt in der Geburtshilfe" ein. Der Begriff Gewalt ist allerdings umstritten. Für die Rosenmütter bedeutet er: alles von den harten Sprüchen der Hebammen bis zu unötigen medizinischen Interventionen.

„Es geht nicht um anpackende, beherzte, helfende, engagierte Ärzte. Es geht um Gewalt und Übergriffe, wie sie überall und in jedem Kontext vorkommen auf der Welt. Auch im Kreissaal.“
Rosenmütter

Einmal im Jahr sollen betroffene Frauen eine Rose und einen Brief vor den Orten ablegen, an denen sie als Schwangere Gewalt erfahren hätten. Das solle "ein Zeichen für würdevolle Geburtsbegleitung" setzen. Auch zwei der Frauen, mit denen bento gesprochen hat, hatten sich an der Kampagne beteiligt.

Gynäkologenverbände halten die Kritik der "Roses Revolution" für zu pauschal. Die Arbeit im Kreissaal ist anstrengend und Entscheidungen müssten oft unter Zeitdruck gefällt werden. Wirkliche Gewalt ist Körperverletzung – und damit bereits strafbar. Gleiches gelte für Eingriffe ohne Einverständnis. Da Ärztinnen und Ärzte auch während der Geburt eine Aufklärungspflicht haben, fänden Eingriffe ohne Einverständnis nicht statt – ergo auch keine Gewalt.

Ebenso wie die Hebammen fordern aber auch die Gynäkologenverbände eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Kreissäle.

Du hattest eine schwere Geburt? An wen du dich jetzt wenden kannst:

  • Nach der Geburt kann Einsicht in den Geburtsbericht der Klinik helfen, den Ablauf und die medizinischen Eingriffe zu verstehen. Der kann auch längere Zeit nach der Geburt noch angefordert werden. 
  • Die meisten Kliniken haben außerdem eine Abteilung für Patientenzufriedenheit, die Beschwerden aufnimmt. Manchmal ist ein persönlicher Termin mit einem Vertreter oder einer Vertreterin der Geburtsstation möglich. 
  • Auch an Gynäkologenverbände kannst du dich wenden.
  • In vielen Städten gibt es Selbsthilfegruppen, in denen sich Eltern über ihre Erfahrungen austauschen können. Eine Therapie kann helfen, die Erlebnisse zu verarbeiten.

Die drei Frauen mit denen bento gesprochen hat, raten schwangeren Freundinnen, viele Fragen zu stellen. Der eigenen Mutter, Freunden, Ärztinnen und Hebammen. 

Und: Später ehrlich von den eigenen Erfahrungen zu berichten.


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Gerechtigkeit

Schweden will Briten für ein Jahr "Asyl" geben, falls es zum harten Brexit kommt
Auch Deutschland sorgt schon vor.

Der Brexit kommt, aber keiner weiß, wie hart er wird. Am Dienstag will das britische Parlament über ein neues, von Regierungschefin Theresa May mit der EU ausgehandeltes Brexit-Abkommen abstimmen. 

Der Regierungschefin werden allerdings kaum Chancen eingeräumt, eine Mehrheit dafür zu bekommen. Für viele in der EU lebende Britinnen und Briten heißt das: Bald gehört ihr Heimatland nicht mehr dazu, günstige Arbeits- und Wohnbedingungen fallen dann weg.

Nun hat Schweden allen im Land lebenden Briten eine Art Ein-Jahres-Asyl angeboten – währenddessen sie sich für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bewerben dürfen.

Das Angebot soll für alle Britinnen und Briten gelten, die aktuell bereits in Schweden leben, aber keine schwedische Staatsbürgerschaft haben – was etwa 20.000 sind. Es gilt aber auch für alle, die noch bis zum 30. Dezember 2020 nach Schweden ziehen. (The Local)

Der Brexit, also Großbritanniens Austritt aus der EU, ist zwar für den 29. März angesetzt. Aber bis alle rechtlichen Partnerschaften zwischen Großbritannien und der EU beendet sind, dauert es noch. Diese Übergangsfrist ist bis Ende 2020 angesetzt.

In der Aufenthaltserlaubnis in Schweden unter anderem enthalten:

  • Das Recht, in Schweden zu studieren, ohne Studiengebühren zu zahlen, wie es Bürger von Nicht-EU-Staaten dort müssten.
  • Das Recht, ohne Arbeitserlaubnis trotzdem arbeiten zu dürfen.
  • Und das Recht, Gesundheitszuschüsse auf dem gleichen Niveau zu erhalten wie auch schwedische Staatsbürger.

Die Idee zum Ein-Jahres-Asyl kam von der schwedischen EU-Ministerin Ann Linde. Sie will so Briten im Land behalten, die sich in Schweden bereits gut eingelebt haben. Normalerweise müssen sich Bewerber für zum Beispiel eine Arbeitserlaubnis außerhalb Schwedens aufhalten. (Dagens Nyheter).