Klingt schmerzhaft, soll aber angeblich die Lust steigern.

Besserer Sex – den wünschen sich viele Frauen. Manche ergreifen ungewöhnliche Maßnahmen, um ihn zu bekommen. Sex-Bloggerin Leila Lowfire zum Beispiel: Sie verkündete kürzlich in ihrem Podcast "Besser als Sex", dass sie sich ihren G-Punkt aufspritzen ließ. 

Der G-Punkt gilt als die weibliche erogene Zone schlechthin. Wer diesen Punkt – oder besser gesagt: dieses Areal – stimuliert, bringe die Frau quasi auf Knopfdruck zum Orgasmus, behauptete der deutsche Gynäkologe Ernst Gräfenberg, der den G-Punkt das erste Mal beschrieben hat (Journal of Sexology). Also nur eine Frage der Zeit, bis findige Chirurgen auf die Idee kamen, den Lustpunkt künstlich zu vergrößern. (Ärzteblatt)   

Doch ist der G-Punkt wirklich eine so erogene Zone? Wie funktioniert das Aufspritzen und wie sicher ist der Eingriff? 

Das haben wir Dan mon O'Dey gefragt. O'Dey ist Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie und Handchirurgie am Luisenhospital in Aachen. In seiner Klinik werden zwar keine G-Punkte aufgespritzt, mit der Technik selbst ist er dennoch vertraut. 

Die ewige Frage: Gibt es den G-Punkt überhaupt?

"Das lässt sich bis heute nicht eindeutig sagen", erklärt Chirurg O'Dey. Über den G-Punkt ist in den letzten Jahrzehnten zwar viel geschrieben worden, anatomisch nachgewiesen wurde er jedoch nie. Schon Entdecker Gräfenberg hatte das Areal nicht bei einer repräsentativen Studie, sondern lediglich durch persönliche Beobachtung identifiziert. 

Im Jahr 2012 verkündete der US-amerikanische Arzt Adam Ostrzenski, in der Nähe der Scheide eine sackähnliche, etwa acht Millimeter lange und dreieinhalb Millimeter breite Gewebestruktur gefunden zu haben, die er für den G-Punkt hielt. ("Journal of Sexual Medicine"). Das Problem: Ostrzenskis Befund basiert auf der Obduktion einer 83-jährigen Frauenleiche, die sich nicht mehr dazu äußern konnte, ob die Stelle mit besonderer Lust verbunden war. Und selbst wenn, bliebe es ein Einzelfall

Ein repräsentativer, wissenschaftlich-anatomischer Beweis des G-Punktes ist das nicht
Dan mon O'Dey

2017 untersuchten dann australische und kanadische Forscher die Vaginen von 13 weiteren Frauenleichen – und konnten die von Ostrzenski beschriebene Struktur bei keiner der Frauen finden (Journal of Sexual Medicine). Der Veröffentlichung dieser Studie folgte ein Schlagabtausch im Fachjournal: Ostrzenski warf den Forschern vor, an der falschen Stelle gesucht zu haben, die verteidigten ihre Ergebnisse.

Dass Ostrzenski an seiner Entdeckung festhält, ist dabei wenig überraschend – so hat der Chirurg auch eine eigene Methode zur G-Punkt-Verbesserung entwickelt, die er bereits an Frauen anwendet. (Aesthetic Plastic Surgery; New Scientist)

Wenn nicht klar ist, was der G-Punkt bewirkt – warum sollte man ihn dann aufspritzen?

Völlig aus dem Nichts gegriffen ist die Idee, dass die Region des vermuteten G-Punkts besonders stimulierbar ist, nicht. Das liegt auch am Klitorisorgan. Dieses besteht nämlich nicht nur aus dem erbsengroßen Kitzler, den wir von außen sehen, sondern auch aus einem "Körper" und "Schenkeln". Diese umrahmen den Schlauch der Scheide und verlaufen entsprechend auch seitlich zur vermuteten G-Punkt-Region. 

"Spritzt man dieses Areal nun auf", erklärt Chirurg O'Dey, "kann das den Druck auf das Klitorisorgan erhöhen und damit die Empfindungsfähigkeit steigern." Wissenschaftlich bewiesen sei das jedoch nicht.

Wie wird der G-Punkt aufgespritzt?

"Für das Aufspritzen des G-Punktes werden in Deutschland in der Regel Hyaluronsäure oder körpereigenes Fett eingesetzt", sagt O'Dey. Da der Eingriff fachlich nicht geschützt ist, gibt es bei der Aufspritzung des G-Punktes jedoch keine Standards , weswegen auch nicht ausgeschlossen werden könne, dass Kunststoffe zur Anwendung kommen. Das entsprechende Material wird der Frau dann – meist unter lokaler Betäubung – mit einer feinen Nadel in die vermutete G-Punkt-Region zwischen Harnröhre und Scheidenwand gespritzt.

Technisch ist das Ganze tatsächlich recht simpel.
Dan mon O'Dey

Was kann bei dem Eingriff schiefgehen?

Durch das Einspritzen können beispielsweise dort sitzende Drüsen oder die Harnröhre beschädigt werden. Das Gleiche gilt für die Harnblase. Mögliche Folgen: Entzündungen, Schmerzen beim Urinieren sowie Inkontinenz.

In der Literatur seien zwar bislang noch keine schweren Komplikationen beschrieben worden, sagt O'Dey. Allerdings ist eine G-Punkt-Vergrößerung ein freiwilliger, medizinisch nicht notwendiger Eingriff. Deshalb gibt es auch keine gewichtigen klinischen Studien, die sich mit den Nebenwirkungen und Risiken beschäftigen. 

Reicht einmaliges Aufspritzen aus?

"Das kommt darauf an, welches Material verwendet wird", so O'Dey. Die Hyaluronsäure, die in der Ästhetischen Chirurgie auch zum Glätten von Falten benutzt wird, baut der Körper beispielsweise innerhalb von neun bis zwölf Monaten ab. Eingeheiltes, körpereigenes Fett hält hingegen ein Leben lang. Allerdings kann sich das Gewebe mit der Zeit noch weiter vergrößern oder auch Volumen verlieren.

Wie teuer ist der Eingriff?

Das Aufspritzen mit Hyaluronsäure kostet in Deutschland in der Regel zwischen 1.200 und 1.500 Euro, die Behandlung mit körpereigenen Fettzellen zwischen 2.200 und 3.000 Euro.

Was ist also von der G-Punkt-Vergrößerung zu halten?

Chirurg O’Dey kann der G-Punkt-Vergrößerung nicht viel abgewinnen. Letztlich sei das jedoch eine Entscheidung, die eine Frau für sich selbst treffen muss. Wichtig sei in jedem Fall, sich vorher ausgiebig beraten zu lassen und auf Schmerzen oder Nebenwirkungen gefasst zu sein. Und auch darauf, dass das Lustempfinden genau so bleibe wie bisher.

Denn wie gesagt: 

Wissenschaftlich bewiesen ist der Lustgewinn durch das Aufspritzen des G-Punkts nicht.

Podcasterin Leila Lowfire ist mit dem Ergebnis ihres Aufspritzens übrigens dennoch zufrieden. Der erste Sex nach dem Eingriff war zwar nicht das Feuerwerk, das sie erwartet hatte, trotzdem hat sie das Gefühl, dass die Stelle ihres G-Punktes deutlich sensibler geworden ist. Ob das tatsächlich Ergebnis der anatomischen Veränderung ist oder sich Leila Lowfire das nur einbildet, lässt sich jedoch nicht sagen.

Aktualisierung: In einer vorherigen Version dieses Artikels war zu lesen, dass es Ines Anioli war, die sich den G-Punkt aufspritzen ließ. Tatsächlich war es aber ihre Podcast-Kollegin Leila Lowfire. Wir haben den Artikel entsprechen korrigiert. 


Today

Trump besucht Waldbrand-Orte in Kalifornien – sagt, die Leute hätten mehr Laub fegen sollen
Klimawandel? Katastrophenschutz? Nicht so wichtig.

Im US-Bundesstaat Kalifornien verzehren seit Tagen schwere Waldbrände mehrere Ortschaften. Besonders betroffen ist der Ort Paradise im Norden von Kalifornien. Insgesamt 76 Menschen kamen seit vergangener Woche ums Leben, mehr als Tausend werden vermisst. 

Nun hat US-Präsident Donald Trump die Gegend in Kalifornien besucht. Und mit unangebrachten Ratschlägen die Helfer vor Ort gegen sich aufgebracht.

Trump hatte einen Wohnwagenpark in Paradise besucht, von dem nur noch Trümmer übrig waren. Inmitten ausgebrannter Autos, verkohlter Öfen und Häuserresten sprach er zur Presse. 

Was hat Trump genau gesagt?

Er dankte den Einsatzkräften, sie würden "wie verrückt" gegen die Brände kämpfen. Die Brände hinterließen eine "totale Verwüstung". Gleichzeitig kritisierte er die lokalen Behörden allerdings auch für ihr schlechtes Forstmanagement, das sei ein "sehr großes Problem".

Die Menschen hätten die Waldböden sauber halten und mehr Laub rechen sollen. Er habe sich mit dem finnischen Präsidenten unterhalten, in Finnland gebe es sehr viele Wälder. "Sie verbringen wahnsinnig viel Zeit mit Laubfegen und Saubermachen und die haben solche Probleme nicht."

Hier ist die Szene im Video: