Bild: Fabian Bimmer/ dpa, Monatage: bento
"Sexismus in seiner Reinform"

Auf den Sportseiten einer Zeitung geht es ja meist um eines: Sport. Um die Chancen der Mannschaften bei der WM. Um die Stimmung innerhalb eines Teams. Um den besten Spieler, den erfolgreichsten Trainer.

Die Schweizer Tageszeitung "Südostschweiz" entschied sich Ende vergangener Woche aber für ein ganz anderes Thema: Frauen, hübsche Frauen. Beziehungsweise den Mangel an angeblich hübschen Frauen bei der WM.

Wie bitte, was?

(Bild: Giphy )

Der Titel des Textes: "Wo sind die schönen Olgas von der Wolga?"

In den folgenden Zeilen liefert der Sport-Ressortleiter ein Beispiel dafür, gegen was Frauen seit Jahrzehnten – und seit der #MeToo-Debatte verstärkt – kämpfen. Hier werden Frauen völlig selbstverständlich auf Äußerlichkeiten reduziert.

Ein paar Auszüge: 

  • "Russland ist bekannt für schöne Frauen."
  • "Jeder (Mann) hat schon von der Schönheit der russischen Frauen gehört und bestimmt schon einzelne perfekte Exemplare gesehen. Weltweit gelten Russinnen als das Mass aller Dinge. Man spricht schnell einmal von Traumfrauen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, in Russland jeden Tag nur Schönes zu sehen zu bekommen." 
  • "Was ich bisher in der 700 000-Einwohner-Stadt zu sehen bekam, war jedenfalls nicht viel Schönes."
  • "Darum rate ich allen Schweizer WM-Touristen beziehungsweise dem einem Flirt nicht abgeneigten helvetischen Fan, nur mit sportlich hohen Erwartungen in den Osten Europas zu reisen. Die Chancen auf Punkte gegen Brasilien, Serbien und Costa Rica scheinen mir klar grösser als ein russischer Schönheits-Volltreffer." 
  • "Und ich hoffe, dass das Interesse der Schweizer Spieler mehr ihren WM-Einsätzen als russischen Schönheiten gilt. Sorgen darüber muss ich mir, das wird die Frauen und Freundinnen der Nationalspieler beruhigen, eigentlich keine machen. Schöne Olgas sucht man an der Wolga vergeblich." (Watson Schweiz)

Auf diesen Kommentar gab es prompt zahlreiche Reaktionen:

Eine Autorin des Schweizer Tagesanzeigers schrieb: "Vielleicht wird das Schweizer Burebüebli ja bald merken, dass es sich nicht an einer Viehschau befindet, und sich wieder auf die 'sportlich hohen Erwartungen' konzentrieren. Obwohl da die nächste Enttäuschung auch nicht auszuschliessen ist." (Anmerkung der Redaktion: Burebüebli = Bauernjunge)

Und in der "Südostschweiz" selbst antwortete eine Leserin ihm: 

Was Sie da von sich geben, Herr Weber, ist Sexismus in seiner Reinform. Das Ärgerliche daran: Sie wissen das. Ich muss Ihnen nicht erklären, dass Sie sich auf sehr dünnem Eis bewegen, wenn Sie 2018 einen solchen, beinahe lachhaft mysoginistischen Text verfassen. Da stellt sich dann die Frage: Wieso tun Sie es trotzdem? Wollen Sie provozieren? Das ist Ihnen sicherlich gelungen.

Auch bei Twitter gibt es seit Samstag eine lebhafte Diskussion – wobei sich die meisten einig sind.

Da heißt es: "Ist in der Kolumne schon 2018?". Oder provokant: "Also ich weiß ja nicht, warum man jetzt noch Feminismus braucht."

Hier sind noch mehr Reaktionen:

Gut, dass es tatsächlich 2018 ist, und so ein sexistischer Quatsch nicht unkommentiert bleibt. 


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