Bild: Wildering Art
​Marc, 22, steht auf Pornografie mit anthromorphen Wesen: halb Tier, halb Mensch.

Marc, 22, wuchs mit seiner jüngeren Schwester in einem Einfamilienhaus in der Kleinstadt auf. Sein Vater arbeitete als Programmierer bei einer großen IT-Firma. Seine Mutter war Hausfrau und kümmerte sich um die Kinder. Mit seinen besten Freunden spielte er Videogames, machte Klingelstreiche bei den Nachbar und rauchte die ersten Joints.

Es war eine ganz normale Kindheit, sagt Marc. In einem Punkt aber habe er sich recht schnell von den anderen Jungs in seinem Alter unterschieden: im Pornokonsum.

Die allerersten Berührungspunkte mit pornografischem Material beschreibt Marc als "stink normal": Mit 13 habe er angefangen, heterosexuelle Amateurvideos auf sein Smartphone zu laden. Bis er lernte, wie man auf dem Familiencomputer anonym browsen und den Internetverlauf löschen konnte. Später traf er sich nach der Schule bei einem Kumpel, der sturmfrei hatte und gaffte Pornos in der Gruppe. Ab und zu verschwand einer aus der Runde auf Toilette.

Was ist Furry Porn?

"Fur" bedeutet so viel wie Fell oder Pelz. Dabei geht es um gezeichnete oder animierte Figuren, die Mensch und Tier in einem sind. Während Geschlechtsteile meist Menschen nachempfunden sind, tragen Gesichter und andere “sekundäre” Körperteiler tierische Merkmale. Ein Furry ist ein Fan anthropomorpher Darstellungen und Fursona nennt man den Charakter oder Alter Ego des Furry.

Die Phase hat aber nicht lange angedauert. Es ging um vaginalen Sex und Blowjobs und das Krasseste war vielleicht mal, wenn jemand über animierte Sexfilme sprach. Ich fand Standard-Pornografie aber oft einfach nur kitschig oder brutal erniedrigend. Mein Pornogeschmack hat sich schnell in eine extrem andere Richtung entwickelt und ich hab mich dann aus diesen Jungsrunden ausgeklinkt.

Marc entdeckte Furry Porn für sich – durch einen Zufall. Auf einer Website suchte er nach Bildern eines Künstlers, der Pokémon-Comics zeichnet. Und stieß dort das erste Mal auf Furry-Pornografie.

Es ging mit Pin-up-Zeichnungen los. Ich stellte mir dann vor, wie ich Sex mit den Fursonas habe. Ich stehe da besonders auf Kaninchen, oder Kaninchen-ähnliche Wesen, Wölfe und Füchse. Schnell habe ich auch eine eigene Fursona entwickelt: einen Hund. In meinen Fantasien und während ich Pornos gucke, stelle ich mir oft vor, dass ich diese Figur bin. Ich habe auch angefangen, meine Fursona zu zeichnen.
Anthropomorphe Erotik – So sieht Furry Porn aus:
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(Die Zeichnungen in der Bildergalerie haben Adiago und Wildering Art gemacht.)

Gleichzeitig betont Marc, dass diese Fantasien nur beim Masturbieren stattfinden:
Ich stand nie auf Sex in Tierkostümen, habe mir keine Pferde-Dildos oder Plastikmuschis mit Katzenschwanz gekauft. Und denke auch nie an Fursonas, wenn ich Sex mit einer echten Person habe.
Ich merkte, dass es mir bei der Selbstbefriedigung egal war, ob es männliche oder weibliche Wesen waren, solange sie furry waren.
Marc

Und: Es gebe einen erheblichen Unterschied zu Sex mit Tieren.

Mich machen bei den anthromorphen Wesen die menschlichen Geschlechtsteile an: Nippel, Brüste, Penisse… da kommt die sexuelle Erregung her, die tierlichen Gesichter finde ich ästhetisch schön. Aber sie machen mich nicht scharf.

Furry Porn hat auch einen Einfluss auf sein reales Sexleben gehabt: als Inspirationsquelle. Die pornografischen Bilder hätten ihn geöffnet für unterschiedliche Spielarten der Sexualität. Irgendwann hatte er Lust, auch einmal Erfahrungen mit einem Mann zu sammeln, sagt er:

Ich merkte, dass es mir bei der Selbstbefriedigung egal war, ob es männliche oder weibliche Wesen waren, solange sie furry waren. Ich konsumierte dann auch schwulen Fursona-Sex. Und das hat mich neugierig gemacht, es selbst mal mit einem Mann auszuprobieren. Es hat mir auch die Angst davor genommen. Und diesen Sommer ist es dann passiert – Oralsex mit meinem besten Freund aus der Schule.
In der Slideshow sieht du, wie sich Menschen beim Pup Play verkleiden:
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Sein erstes homosexuelles Erlebnis hatte Marc während seiner aktuellen Beziehung zu einer Frau. Mit ihr ist er seit mehr als zwei Jahren zusammen und spricht offen über Fantasien, Bedürfnisse und sexuellen Erfahrungen außerhalb ihrer Beziehung.

Ich bin mit meiner Freundin sexuell und emotional sehr glücklich. Sie ist selbst experimentierfreudig und ermutigt mich, alles auszuprobieren, worauf ich Lust habe – egal welchen Geschlechts die andere Person ist.

Wie entstand Furry Porn?

Die erste bekannte Plastik einer Tier-Mensch-Gestalt stammt von vor mehr als 30.000 Jahren. Danach waren sie unter anderem in den mythischen Erzählungen des alten Ägypten populär. Im Mittelalter hatten Tiere mit menschlichen Eigenschaften vor allem in Märchen einen festen Platz.

Ab dem 19. Jahrhundert wurden Fantasy- und Science-Fiction-Erzählungen mit sprechenden Tieren beliebt, zum Beispiel in "Alice im Wunderland". Später bekamen Tiere in Comics und Animationen immer öfter menschliche Körperteile. Anfang der 80er fingen US-Künstler an, Comics zu sexualisieren. Pioniere aus der Zeit: Reed Waller’s Omaha The Catedance und Joshua Quagmire’s Catey Bunny.

In Zukunft möchte Marc auch noch andere Fantasien ausprobieren, auf die er durch Furry Porn gekommen ist:

Ich möchte gerne mal am Halsband herumgeführt werden. Das ist auch die einzige Form, in der ich mir vorstellen kann, dass Tiermasken beim Sex mit im Spiel sein könnten. Konkret: Pup Play - also mit Hundemaske und Lederharnes oder Latex-Outfit.

Damit will er aber noch warten, bis er in einer größeren Stadt wohnt. Denn das sei der einzige Nachteil, wenn man auf einen Nischenfetisch steht: In einer Kleinstadt wie seiner gebe es dafür nicht genug Gleichgesinnte.


Marc möchte anonym bleiben, deswegen haben wir seinen Namen geändert.

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