Lieber Sven, hiermit ist unsere Freundschaft beendet

Durch Zufall begegnete ich meinem Freund Sven bei der Party eines gemeinsamen Freundes. Neben ihm stand eine junge Frau. "Ich bin Nina, Svens Freundin", sagte sie. Seit einem Jahr waren die beiden bereits zusammen, doch ich hörte an diesem Abend zum ersten Mal von ihr. 

Drei Jahre zuvor waren Sven und ich noch beste Freunde, teilten alle Gedanken und alle Gefühle. Das hatte sich nun geändert. Sven hatte mich aus seinem engsten Freundeskreis verbannt. Ohne mir jemals darüber Bescheid zu geben

Freundschaft: Was nicht ist, kann nicht mehr werden

(Bild: Unsplash)

Überall finden sich mehr oder weniger schlaue Ratgeber, die einem sagen, wie man in einer Beziehung richtig Schluss macht. Für Freundschaften gibt es das nicht. 

Statt miteinander zu reden, zieht sich man sich offenbar lieber still und heimlich raus. Der Gedanke, den offenbar viele haben, die sich verdrücken: "Irgendwann wird der andere schon merken, was los ist – ich jedenfalls melde mich nicht". Wenn das beide Seiten so sehen, mag diese Taktik noch aufgehen.

Doch spätestens, wenn eine Person an der Freundschaft festhalten möchte, bleiben Narben und viele offene Fragen zurück. So auch bei Sven und mir. 

Früher waren wir unzertrennlich, trafen uns mindestens einmal pro Woche. Meistens häufiger. Natürlich gab es auch mal Streit und gegenseitige Verletzungen, aber am Ende rauften wir uns immer wieder zusammen. 

Enttäuschte Vorstellungen: Hat Freundschaft ein Ablaufdatum?

(Bild: Pixabay )

Dann zogen wir in verschiedene Städte. Wir schrieben und telefonierten und versuchten, uns so häufig wie möglich zu treffen. Doch mit der Zeit spürte ich, wie unsere Freundschaft an Intimität verlor. 

Sven erzählte weniger Persönliches, meldete sich erst seltener und irgendwann nur noch obligatorisch, zum Beispiel an meinem Geburtstag. Wenn ich ihn fragte, ob alles in Ordnung sei, wich er aus. Ich blieb zurück mit dem Gefühl, als Freund nicht mehr erwünscht zu sein und fragte mich, was ich falsch gemacht haben könnte. 

Bald zog auch ich mich verletzt zurück und schrieb ihm nicht mehr. So endete eine innige Freundschaft, ohne jemals wirklich beendet worden zu sein. Dass es so abläuft, ist keine Seltenheit, sagt Wolfgang Krüger, Psychologe und Buchautor. 

Sich nicht mehr zu melden, ist eine übliche Art, Beziehungen zu anderen Menschen zu regulieren.
Wolfgang Krüger

Denn im Gegensatz zu einer Partnerschaft hätten Freundschaften eine eingebaute Distanz, da man sich seltener sieht. 

Deshalb komme man in einer Freundschaft nicht so schnell in Erklärungsnot, wenn Verabredungen seltener werden. Zudem seien die meisten Freundschaften ohnehin nur von begrenzter Dauer, fünf bis sieben Jahre im Schnitt. 

Krüger nennt das "Durchschnittsfreundschaften". Menschen, die man zwar auf seinen Geburtstag einlädt, ihnen dort dann aber wenig Persönliches erzählt. Doch ein stiller Rückzug statt eines dramatischen Endes mit gegenseitigen Vorwürfen hat auch einen Vorteil, sagt Krüger: 

Man hält sich die Option offen, die Freundschaft irgendwann noch einmal aufleben zu lassen.
Wolfgang Krüger

Doch das war bei Sven und mir anders. Wir waren keine lockeren Bekannten, sondern beste Freunde gewesen. Ein Wiederaufleben war keine Möglichkeit, das wurde bei unserem Wiedersehen klar. Dafür hatten wir uns nicht mehr genug zu sagen. 

"Bei Herzensfreundschaften sollte man auf jeden Fall über Probleme reden", sagt Krüger. Entweder um die Freundschaft zu retten, oder um einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

Auch wenn die Freundschaft nun für mich abgehakt ist, wünschte ich mir, wir hätten damals miteinander gesprochen. Er hätte mir erzählen sollen, ob es da etwas gab, das ihn verletzt hatte oder warum er kein Interesse mehr an unserer Freundschaft hatte. 

Ich hätte aber genauso das Gespräch suchen müssen, statt den Kontakt ganz abzubrechen. Dass wir uns für gegenseitiges Ausschweigen entschieden, ist auch eine Frage unserer Kultur: "Die Deutschen sind allgemein sehr konfliktscheu", sagt Krüger. 

Vielleicht ist das zwischen mir und Sven also einfach nur Feigheit? Das wäre schade. 

Also, lieber Sven:

Ich dachte immer, dass wir beide uns alles erzählen können. Damit lag ich offenbar falsch. Lange habe ich über die Gründe deines Rückzugs gegrübelt und mir Vorwürfe gemacht. Warum hast du nicht einfach gesagt, was los war? Dein Schweigen hat mich damals sehr verletzt.

Doch was auch immer der Grund für deinen Kontaktabbruch war: Jetzt ist es zu spät für Erklärungen. Mein Vertrauen in dich ist kaputt. Genauso wie unsere Freundschaft. 


Gerechtigkeit

Mit Nüssen gegen die Regierung: Ben & Jerry's bringt Anti-Trump-Eis raus
Republikaner sind nicht begeistert.

Der Eishersteller Ben & Jerry's ist schon lange dafür bekannt, verschiedene politische Ziele zu unterstützen – die Ehe für alle etwa oder die "Black Lives Matter"-Bewegung in den USA. Dass sie keine Unterstützer von US-Präsident Donald Trump sind, daraus machten die Gründer des Unternehmens noch nie ein Geheimnis. Doch jetzt zeigt Ben & Jerry's so deutlich wie noch nie seine Ablehnung gegenüber Trump – mit der neuen Eissorte "Pecan Resist".

Was will Ben & Jerry's mit der Eissorte erreichen?

Vor allem eines: ein Zeichen setzen. "Wir können der rückwärtsgewandten und diskriminierenden Politik der Trump-Regierung friedlich Widerstand leisten", schreiben die Hersteller. Mit dem Eis wollen sie zudem vier Organisationen unterstützen, darunter der "Women's March" und "Color of Change", eine Interessensvertretung, die sich für die Rechte von Afroamerikanern einsetzt.