Und seine Partnerin zur Nummer eins wird.

Als er an diesem Abend in einer Kölner Disco feierte, hätte er nicht damit gerechnet, die Frau fürs Leben kennenzulernen. Erst vor zwei Wochen hatten er und seine Freundin sich voneinander getrennt. Eigentlich wollte er mit seinen Jungs mal wieder ein Bierchen trinken gehen.

Doch dann stand da dieses blonde Mädchen auf der Tanzfläche. "Das ist meine Traumfrau", sagte er mir am Telefon, überrascht von sich selbst, dass er sich so schnell neu verlieben konnte – und so heftig. "Guck dir ihr Profilfoto bei Facebook an. Sie steht auf einem Surfbrett und trinkt dabei Bier." Er lachte.

David ist mein bester Freund. Schon seit immer.

Jeden Tag holte er mich mit seinem Rad zu Hause ab und wir stiegen gemeinsam in den Schulbus, blieben bis zum Abi in einer Klasse. Im Winter liefen wir mit Langlaufski über die zugeschneite Straße, im Sommer versuchten wir das erste Mal zu rauchen. Wir träumten von einer großen Reise nach Kuba, wir teilten unseren Liebeskummer und nölten uns gegenseitig voll.

(Bild: Privat)

In unser Abi-Buch schrieb David über mich: "Sie ist meine große Schwester, auch wenn sie mittlerweile kleiner ist, meine erste weibliche Freundin (sogar schon zur Mädchen-sind-doof-Zeit), meine weltallerliebste und beste Freundin."

Jetzt ist Erwachsensein, weniger Jugend.

Ein großer Teil von David gehörte immer mir. Doch davon musste ich eine immer größere Portion abgeben.

Denn aus Party-Laura wurde Freundin-Laura, wurde Mitbewohnerin-Laura und mit aller Wahrscheinlichkeit wird sie auch einmal Ehefrau-Laura sein. Vier Jahre sind die beiden nun ein Paar. Mein bester Freund hat seine große Liebe gefunden. Und damit geht ein Abschnitt vorbei, in dem dein Freund dein bester Vertrauter ist. Jetzt ist Erwachsensein, weniger Jugend.

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Das macht mich auch traurig – nicht, weil sie nicht ein großartiger Mensch ist, das ist sie. Es macht mich traurig, weil ich lernen muss loszulassen: auch bei Freundinnen, bei meinen Eltern, ja selbst von Hobbys muss ich mich verabschieden.

Wenn es mit dem Job ernst wird, optimiert man die übrig gebliebene Zeit.

Montagabend schnell die Waschmaschine an, einmal kurz bei Mama melden. Dienstagabend Feierabendbier mit den Kollegen. Mittwoch Fitnessstudio. Donnerstag um 21 Uhr auf der Couch einschlafen. Freitagabend in den Zug, das Wochenende gehört dem Partner.

Zwangsläufig verschiebt sich der Fokus: Das eigene Leben auf die Reihe zu bekommen und Zeit mit dem eigenen Freund zu verbringen, ist oft genug. Für Freunde bleibt weniger Zeit. Besonders bei meinem besten Freund fällt mir das auf.

Laura und ich können viel miteinander quatschen, über unsere Jobs, unsere Freizeit und auch über David. Wir lachen über den manchmal schusseligen Kerl, der sich beim Basketball die Nase bricht und im Karneval sein Handy in der Bahn liegen lässt.

(Bild: Privat)

Ich freue mich, wenn er ihr einen Schmatzer auf die Wange gibt und sie seine Bibi nennt. Ich freue mich, wenn sie sich bei ihm auf den Schoß setzt und vom letzten gemeinsamen Urlaub in die USA schwärmt. Sie ist ihm nah, näher als ich, merke ich dann, wenn sie die Anekdoten erzählt, die ich nur noch aus der Ferne mitbekomme.

Heute sehen wir uns, wenn wir in der Heimat die Eltern besuchen oder uns gegenseitig in Köln und Hamburg. Wir schreiben und hören uns mindestens alle zwei Wochen – aber das ist nun mal nicht wie früher jeden Tag. Jeden Tag ist jetzt Laura.

Es geht nicht um Eifersucht, sondern darum, ob es einem der wichtigsten Menschen in deinem Leben immer gut gehen wird.

In der Rolle der besten Freundin fühle ich mich ein wenig wie die böse Schwiegermama. Ist sie auch immer gut zu ihm? Passen die beiden wirklich zusammen? Es geht nicht um Eifersucht, sondern darum, ob es einem der wichtigsten Menschen in deinem Leben immer gut gehen wird. Und ob ich das aus der Ferne und mit weniger Zeit immer noch gut beurteilen kann.

(Bild: Privat)

Ich bin es nicht mehr, die jeden Morgen mitbekommt, ob er gut oder schlecht gelaunt ist oder mit ihm von einer gemeinsamen Reise träumt. Und wenn es zu diesem Erwachsenwerden gehört, das zu akzeptieren, bin ich noch nicht erwachsen genug. Das Abgeben können muss ich immer wieder erst lernen – und es tut manchmal einfach weh.

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