Wir müssen reden.

Ich klicke auf "Senden" und bereue im gleichen Augenblick, dass ich das gemacht habe. Meine Antwort: "Gut, bei dir?" ist eine Lüge. Und ich weiß, dass Lügen in Freundschaften nichts zu suchen haben. 

Oder?

Meine Freunde sind die wichtigsten Menschen auf der Welt für mich. Das sind sie, wenn es mir gut geht, wenn es mir schlecht geht, wenn ich Single bin oder nicht. Trotzdem sage ich ihnen manchmal nicht die Wahrheit. Weil ich Angst habe. Ich habe Angst, sie zu nerven, zu überfordern, zu stressen, zu langweilen. Und ich weiß, dass das der falsche Weg ist. 

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Aber wie macht man es besser?

Es geht mir oft nicht gut, und das nervt mich selbst am meisten. Immer wieder begebe ich mich in Situationen, die mich belasten und erschöpfen, die mich mitnehmen oder emotional lange beschäftigen. Ich bin chaotisch, laut, anstrengend. Ich bin die Art Freundin, mit der man meistens eine Menge Spaß haben kann, aber die eben auch nicht so super geeignet ist für einen entspannten Abend vor dem Fernseher.

Das liegt vor allem an meinem ADHS, aber nicht nur. Ich bin einfach so: immer ein bisschen überdreht, unkonzentriert, flatterhaft, spontan.

Aber jede und jeder von uns hat diese schlechten Eigenschaften und unsere Freundinnen und Freunde lieben uns trotzdem. Zu erwarten, dass Freunde einen immer lieben für alles, ist ziemlich vermessen und arrogant. Ich glaube an diese Definition von Liebe in Freundschaften nicht und auch nicht in Beziehungen. Für mich geht es vielmehr um das große Ganze: 

Ich muss meine Freundin nicht dafür lieben, dass sie Fast Fashion kauft. Aber ich kann sie trotzdem lieb haben.

Immer wieder ertappe ich mich aber dabei, dass ich meine Freunde belüge. Nicht im Großen, das niemals. Eine richtige Lüge ist für mich wie eine Splitterbombe, die man auf eine zwischenmenschliche Beziehung schmeißt. Danach kann man nur noch die Fetzen nehmen und gehen

Aber ich lüge, wenn es darum geht, zu sagen, wie es mir wirklich geht. Ich sage zu oft "Alles okay", wenn ich gerade voller Panik in meinem Bett liege und nicht weiter weiß. Ich sage "Nö, macht mir nix", wenn jemand absagt. Obwohl es mich traurig macht. Ich sage: "Der ist mir total egal". Obwohl ich das Insta Profil von "der" seit zwei Stunden stalke. Ich verharmlose und beschwichtige. Und ich lüge.

Das mache ich, um meine Freunde nicht zu belasten. Sie müssen nicht alles wissen, sie müssen nicht immer da sein. Denn was löst das in einem aus, wenn die Freundin sagt: "Es geht mir richtig schlecht"? Man möchte helfen und da sein, man möchte irgendwas tun. Und ich? Ich will nicht, dass sie sich sorgen, dass sie sich verpflichtet fühlen, mich zu unterstützen. Denn meistens ist das gar nicht notwendig und meistens kriege ich das auch alleine hin. Oder?

Vor einiger Zeit habe ich dann begonnen, einigen Freundinnen und Freunden die Wahrheit zu sagen. "Ja, ich habe gerade eine Panikattacke, können wir bitte eben telefonieren?" Oder: "Scheiße, ich liege seit drei Tagen im Bett und heule."

Hier könnte jetzt ein cheesy Ende stehen, die Erkenntnis, dass das die Lösung des Problems war. Quasi Yotta, dass ich seitdem so full of energy bin. Aber so läuft das Leben nicht. 

Ihnen zu sagen, wie es mir wirklich geht, ist schwer. Ich habe immer noch Angst, sie zu überfordern. Oft genug werde ich doch schwach und schiebe ein "Ist aber nicht so wild, wird schon" hinterher.

Und zu behaupten, dass es kein Wagnis wäre, so offen zu den Freunden zu sein, wäre fahrlässig. Auch, zu sagen, dass wahre Freunde dann bleiben und alle anderen eben keine wahren Freunde sind, ist nur die halbe Wahrheit. Denn jeder Mensch hat eine individuelle Belastungsgrenze und es ist wichtig, dass man diese markiert und konsequent durchsetzt. Es kann also sein, dass man Freunde auch verliert, wenn man konsequent ehrlich ist.

Was sich aber ändert, ist, dass unser Verhältnis noch enger wurde. Ich muss damit leben, dass ich die Angst aushalten muss. Dass meine Freunde mich vielleicht weniger einfach finden, weniger verlässlich, weniger liebenswert. Aber sie lernen mich dadurch besser kennen. Vielleicht mögen sie mich weniger, vielleicht manchmal und manche auch irgendwann gar nicht mehr. 

Aber in den meisten Fällen reden wir danach über Dinge, über die wir sonst nicht sprechen. Wir reden darüber, wie es uns wirklich geht. Und immer wieder stelle ich fest, dass ich gar nicht so besonders bin mit all meinen Ängsten und Sorgen. Zum Glück.

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Twitter diskutiert, wie sich ein Baguette fortbewegt – wir sagen dir, was die Antwort über dich verrät

Manchmal werden im Netz die ganz großen Fragen diskutiert. Nein, nicht so banale Dinge wie der Sinn des Lebens – sondern die echt harten Brocken. Härter als ein drei Tage altes Baguette.

Der Twitter-Account @sheepfilms hat Donnerstag ein Gif geteilt, in dem ein Baguette auf vier verschiedene Arten animiert ist. Und stellt dazu eine seitdem höchst umstrittene Frage:

Wenn sich ein Baguette bewegen könnte, wie würde es das tun?