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Achtung, Heartbreaking

Nenne drei gute Gründe, warum du mit Sophie befreundet bist.

Sie ist nett. Meistens. Sie schreibt keine passiv aggressiven Nachrichten. Check. Check. Ihr teilt ein Faible für französische Stummfilme. Okay, das sollte reichen. Freundschaft folgt schließlich keiner mathematischen Formel und solange die guten Momente die schlechten aufwiegen, kannst du auch mit ihren Macken leben.

Sophie und du, ihr habt euch vor fünf Jahren im Sportkurs an der Uni kennengelernt und seid danach in die Kneipe ums Eck, weil ihr schon in der Umkleidekabine nicht aufhören konntet, über eure Vorliebe für selbstgemachte Saté-Spieße zu sprechen. Eure Freundschaft hat drei Trennungen und vier Umzüge überstanden und ist trotzdem genauso geblieben, wie sie angefangen hat: unverfänglich. Und ein Stück weit bedeutungslos.

Das Ende einer Langzeit-Liebesbeziehung hat fast jeder schon einmal erlebt. Man hat sich gesellschaftlich darauf geeinigt, ein sorgfältig gewähltes Datum für den Anfang und das Ende von Liebesbeziehungen festzumachen. Anders als bei Freundschaften, deren undankbarer Abschluss oftmals im Sand verläuft – wenn das gegenseitige Interesse abflaut oder man die Eigenheiten des anderen nicht mehr erträgt. Und dabei gleichzeitig zu feige ist, das Problem anzusprechen. Von der Seelenverwandtschaft zum selten besuchten Facebook-Profil.

Wie das Ende einer Liebesbeziehung kommt auch das Ende einer langen Freundschaft nicht plötzlich. Wie kann man abschätzen, ob die Beziehung wirklich nicht mehr zu retten ist?

Was du in deinen Zwanzigern über Freundschaft lernen kannst

Das Gute vorweg: Du bist nicht mehr in der Schule, was zwangsläufig bedeutet, dass du all die narzisstischen und toxischen Menschen aus deinem Leben cutten kannst. Mit jemandem befreundet zu bleiben, weil man ein schlechtes Gewissen hat, ist in deinen Zwanzigern einfach nicht mehr drin. Damit tust du niemandem einen Gefallen. Das Leben ist zu kurz, um sich die immer gleichen Stories über One-Night-Stands von Menschen anzuhören, die man schon vor drei Jahren auf Partys hätte ignorieren müssen.

Los geht's.

Trenne dich von Menschen, die dir nichts gönnen

Mal angenommen, du hast Jahre auf etwas hingearbeitet. In deiner Freizeit an Konzepten geschrieben und sie an unzählige E-Mail Adressen versendet, um deinen Traum der Selbstständigkeit zu verwirklichen. Deine Mühen machen sich schließlich bezahlt, du wirst wahrgenommen. Endlich.

Als du deiner Freundin von der guten Nachricht erzählst, kommentiert sie die bevorstehende Veränderung in deinem Leben höchstens in einem abfälligen Nebensatz. "Das musste doch so kommen", zum Beispiel. Oder: “Das kann doch jeder, wenn er es nur lange genug versucht.”

Lass es gut sein. Es wird immer Menschen geben, die dir oberflächliches Interesse vorgaukeln aber in Wahrheit nur dann für dich da sein wollen, wenn dein Leben in seine Einzelteile zerfällt. Die sich als Erste das missgünstige Maul zerreißen, wenn du dich von deinem Freund trennst oder die Abschlussprüfung vergeigst. Um dir dann vor versammelter Runde Mitleid vorzutäuschen.

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Du darfst glücklich sein. No matter what

Du gewinnst Festivalkarten. Dein Date war schön. Und diese neue Jacke vom Flohmarkt! Alles in Ordnung, solange deine Freundin selbst schon Karten hat, gerade Hals über Kopf verliebt ist oder eine andere, ausgefallenere Jacke gefunden hat. Auf keinen Fall sollst du begehrenswerter, liebenswürdiger oder als erfolgreicher wahrgenommen werden als sie.

Merke: Alles, was du kannst, kann deine Freundin besser. Eure Bekanntschaft basiert auf neidgetriebener Konkurrenz. Wahrscheinlich telefoniert ihr nur, um euch gegenseitig euer ultrageiles Leben unter die Nase zu reiben. Next.

Gnadenloser Egoismus hat nichts mit Interesse an deiner Person zu tun

Deine Freundin ruft dich in den meisten Fällen dann an, wenn irgendetwas in ihrem Leben aus dem Ruder gelaufen ist – nicht, weil sie gerne mit dir sprechen würde. Als Alternative sendet sie auch gerne detaillierte Sprachnachrichten. Da muss besonders wenig auf das Gegenüber eingegangen werden. Nach einem 18-Minuten-Monolog kommt der Höflichkeit halber noch ein halbherzig gemeintes "Und, wie läuft es gerade bei dir so" hintendran, indem nicht das geringste Fünkchen Interesse steckt. Du merkst: Die Gespräche, die ihr führt, drehen sich nur um Probleme – allerdings nie um deine.

Klar, jeder hat mal Phasen, in denen es schlechter läuft. Wenn der Egoismus deiner Freundin allerdings auch in guten Phasen über einem Dialog steht, solltest du genau überlegen, was du dir von einer gesunden Freundschaft erwartest.

Du bist nicht dafür verantwortlich, alle ihre Probleme zu lösen.

Nicht jeder lernt aus Fehlern. Deal with it

Immer einer Meinung zu sein, ist keine Grundvoraussetzung für eine Beziehung. Trotzdem ist ein gewisses Maß an Übereinstimmung nicht unbedingt von Nachteil, wenn man seine Nachmittage nicht wiederholt damit verbringen möchte, abwechselnd über die Notwendigkeit der AfD oder die Sinnhaftigkeit von Monogamie zu diskutieren.

Deine Freundin fordert Ratschläge, um sie danach vehement zu ignorieren. Das nicht vorhandene Verständnis für die Handlungen des anderen, gepaart mit einem ungleichen Wertekosmos kann zu Diskrepanzen führen. Für langfristige Bindung nicht unbedingt das beste Fundament.

Es gibt Menschen, die entwicklen sich weiter – genauso wie es jene gibt, die das nicht tun. Sicherlich liegt es nicht in deiner Verantwortung, deine Freundin in Zukunft auf jede ihrer offen als Fehltritt proklamierten Entscheidungen aufmerksam zu machen. Du musst aber auch nicht dabei zusehen, wie sie ihren Freund zum fünften Mal betrügt und sich danach schlecht fühlt. Menschen beleidigt, ohne über die Konsequenzen nachzudenken oder sich im Alltag generell verhält wie ein egozentrisches Arschloch.

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Du bist keine Notlösung

Der Klassiker. Du bist die beste Freundin, wenn sie gerade Single ist und darfst ihr auch gerne mal die Taschentuchpackung reichen, nachdem sie die Nummer ihres Ex-Freundes zum fünften Mal gelöscht hat. Danach erzählt sie dir im Repeat-Modus von seinem wunderschönen Haar, den Liedern, die er für sie geschrieben hat und wie süß er auf ihr Kissen sabbert, während sie ihn beim Schlafen beobachtet.

Wenn die ansonsten wichtigste Person gerade nicht kann, spielst du ganz plötzlich wieder eine Rolle. Mit wem soll sie sonst ihre Samstagabende verbringen?

Wenn sie dich das nächste Mal anruft, lässt du deinen Lover rangehen. Er wird ihr klarmachen, dass du die nächsten Monate leider "keine Zeit" für "Kaffeetratsch" hast.

Die Vergangenheit alleine ist kein Grund, befreundet zu bleiben

Weißt du noch, damals, als ihr im Park gesessen habt und sie dir nach deiner Prüfung eine Schachtel Chicken McNuggets mitbrachte? Die Reise nach Barcelona 2011? Legendäre Nächte kennt ihr nur noch aus Nacherzählungen.

Heute geht jede ihren eigenen Weg. Ihr trefft euch alle drei Monate zum Nachmittagscafé, um die Eckpunkte eurer Leben zu besprechen. Wo arbeitet sie noch gleich? Eine gemeinsame Vergangenheit ist lediglich eine Komponente und leider keine Garantie dafür, dass ihr euch auch noch in Jahren nahe stehen werdet.

#sorrynotsorry

Es werden neue Menschen kommen. Versprochen

Auf dein gesamtes Leben gerechnet bist du erst seit wenigen Minuten überhaupt aus der Pubertät draußen. Du musst also nicht die nächsten fünfzig Jahre mit deinen Grundschulfreunden befreundet bleiben, wenn sie dich schon 2016 nerven. Selbiges gilt für andere "Lebensabschnittsbekanntschaften", die sich als deiner Freundschaft unwürdig erwiesen haben.

Es gibt jede Menge spannender Menschen da draußen, die eine Freundschaft mit dir schätzen und hegen werden, weil sie nur auf jemanden wie dich gewartet haben. Du verdienst das. Wirklich! Genauso wie du wissen sie, dass eine Freundschaft Zeit braucht, um zu wachsen und werden euer seltenes Pflänzchen gießen, bis sich daraus eine robuste Beziehung entwickelt hat. Dann wirst du lachen, über die Sorgen, die du dir gemacht hast und mit Max, Lara und Ilgen in den Sonnenuntergang reiten. Oder einfach Sekt trinken, auf deinem Balkon. Anyway, many more to come.

Deine eigene psychische Verfassung steht an erster Stelle

Bist du nicht im Besitz deiner psychischen Gesundheit, hast du – sorry, dich hier enttäuschen zu müssen – rein gar nichts. Depressionen fühlen sich an wie Gallensteine im Hirn und kein BFF-Anruf der Welt wird etwas daran ändern, wenn du halbnackt auf dem Flur deiner Eltern heulst.

Jeder, der deine Gesundheit nachhaltig zerstört – egal ob Stück für Stück oder mit einem gezielten Faustschlag in die Magengegend – hat nichts in deinem Leben verloren. Self-Care first lautet das Motto.

Setze dir Grenzen. Genieße die Zeit mit dir selbst, kümmere dich um dein Wohlbefinden, nimm ein Bad (falls du eine Badewanne hast) und denk daran, dass du am Ende immer noch dich selbst haben wirst. Und da kannst du auch froh drüber sein. Sei deine beste Freundin. Für immer.

Freunde fürs Leben oder doch nicht