"I really like your penis…", flüsterte Daria mir mit russischen Akzent ins Ohr, als wir das erste Mal Sex hatten. Natürlich fühlte ich mich geschmeichelt, trotzdem musste ich schmunzeln. Ich mochte ihre Vagina auch, keine Frage. Aber ich bin eine etwas subtilere, poetischere Sprache im Bett gewöhnt.

Aber das habe ich davon, wenn ich im Urlaub mit einer hübschen Russin anbändle, die nicht gut Englisch spricht. Dirtytalk mit Sprachbarriere ist nicht sehr blumig.

Wenn ich mich mit einer Person nicht gut unterhalten kann, empfinde ich sie als weniger attraktiv. Einerseits. Andererseits fasziniert es mich, wenn die Person lustig antwortet – trotz Sprachbarriere.

So erinnere ich mich noch an den ersten Kuss mit Daria. Wir waren in einer Bar und ich sagte mit meinem charmantesten Lächeln: "Sorry aber, wärst du jetzt mega-super-unglaublich sauer, wenn ich dich küssen würde?" Darias Antwort: "Nun ja, keine Ahnung. Das müsstest du ausprobieren."

Ich freute mich unglaublich über die Antwort und den folgenden Kuss. Ja, wir haben Verständigungsprobleme, weil manchmal Vokabeln fehlen, trotzdem ist Daria eine witzige und intelligente Person.

Wer ist Hannes Isart?

Sex ist eine ernste Sache. Wegen all der Tabus und Unsicherheiten sind gerade die ersten intimen Momente ein großer Schritt (außer man hat drei Flaschen Wein gemeinsam getrunken). Unser Autor ist Mitte 30, Journalist und Comedian und hat mit der Zeit gelernt, im Bett zu lachen – und so Nähe zu schaffen.

Aus der Urlaubsromanze entwickelte sich eine Fernbeziehung, die eineinhalb Jahre hielt, in der Zeit wurde ihr Englisch viel besser – und trotzdem störte ich mich an Kleinigkeiten. Sie sagte Sachen wie: "We have to leave in an hour, so we need to hurry up, if we want 'to fuck' before."

Kein Drama, aber mir wäre es lieber, wenn meine Freundin nicht von "ficken" sprechen würde. Das ist mir zu vulgär. Daria war das gar nicht bewusst, "fuck" war das Wort, das sie kannte.

Test im Quiz: Bist du bereit für eine Fernbeziehung?

Mein Englisch ist auch nicht perfekt. Gerade beim Sex weiß ich nicht genau, wie ich meine Lust auf Englisch gepflegt zum Ausdruck bringen soll. Den Dirtytalk aus Pornofilmen nachzuplappern à la "you are so wet/oh my god/give it to me" ist mir einfach zu blöd. Dann lieber doch "I like your penis".

Das Gute an Sprachbarrieren: Man muss jederzeit damit rechnen, sich misszuverstehen. Hatte Daria das Gefühl eine, in ihren Augen, pampige Antwort bekommen zu haben, dann haben wir (meist) gleich darüber gesprochen.

Diese Offenheit für Missverständnisse habe ich mir für meine späteren deutsch-deutschen Beziehungen beibehalten. Wenn es ein Problem gibt, ich etwas nicht verstehe, oder wenn es brodelt, dann frage ich erst mal:

  • Wie meinst du das genau?
  • Warum hast du das gerade so gesagt?
  • Warum benutzt du genau diese Worte?

Das versuche ich jedenfalls. Denn nur weil wir die gleiche Sprache sprechen, heißt das noch lange nicht, dass wir uns auch verstehen.

In meinen späteren Beziehungen sollte ich noch oft merken, dass es gerade im Schlafzimmer, wo man am verletzlichsten ist, mehr als genug Klärungsbedarf gibt.

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Zum Hintergrund des Projekts:

Er in Seoul, sie im über 11.000 Kilometer entfernten New York: Ein halbes Jahr lang führten Li Seok und Dan bi Shin eine Fernbeziehung – und machten daraus ein Fotoprojekt.

Sie fragten sich, woran es gemeinsam arbeiten könnte – auch, um sich trotz der großen Distanz nah zu sein. So entstand das Fotoprojekt "half'n'half". Obwohl Li und Dan bi an völlig unterschiedlichen Orten lebten, konnten sie dadurch ihren Alltag teilen. Zumindest auf Instagram waren sie vereint. Hier geht's zum vollständigen Text.


Haha

Germany, we need to talk – und zwar über deine Mittagspausen

Elena Cresci, 27, hat schon mehrmals in Deutschland gelebt. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die sie einfach nicht begreift – und über die sie sich in den ersten Folgen unserer Satire-Kolumne "Germany, we need to talk!" bitterlich beschwert hat. Deutschen Tee zum Beispiel, die Unfähigkeit zu fluchen und die Unart, andere Menschen offen anzustarren.

Inzwischen ist Elena zurück in London – und sie stellt fest: Es gibt ein paar Dinge, die sie vermisst – zum Beispiel die Angewohnheit der Deutschen, eine richtige Mittagspause zu machen. Denn viele Briten essen mittags einfach schnell am Platz (genauso übrigens wie viele Amerikaner).