Unsere Psychologin Kathrin weiß, was zu tun ist.

Madeleine, 28, fragt: 

Vor einigen Monaten lernte ich einen Mann kennen – der eine Freundin hat. Zuerst hat er es mir nicht gesagt. Dann beichtete er mir, dass er in einer offenen Beziehung sei. Wir trafen uns weiter, doch ich bekam immer mehr das Gefühl, die heimliche Affäre zu sein

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Seine Freundin weiß nichts von mir, und er bricht die Abmachungen, die sie gemeinsam verhandelt haben. Sie dürfen zum Beispiel nur One Night Stands treffen, wir sehen uns aber regelmäßig, ich übernachte dort, oder wir treffen uns zum Kaffee. Ich bin ganz offensichtlich die heimliche Affäre. Sollte ich ihn auf meine Vermutung ansprechen? Und muss ich ein schlechtes Gewissen haben?  

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Madeleine, 

du befindest dich in einer wirklich undurchsichtigen Situation und fragst dich zurecht, ob das alles so in Ordnung ist. Du hast dich auf einen Mann eingelassen, ohne zu wissen, dass er vergeben ist – er hat also schon von Anfang an nicht mit offenen Karten gespielt. Das sollte dir zu denken geben. Und nun kommst du immer mehr dahinter, dass er auch seiner Freundin gegenüber unehrlich ist und sich nicht an die Regeln der offenen Beziehung hält. 

Nun könntest du dir zwar denken: Was geht mich das an?, und die Verantwortung ganz bei ihm lassen. Doch so einfach würde ich es mir nicht machen. Zunächst solltest du dir klar darüber werden, was du eigentlich von ihm willst – Beziehung oder nur Affäre? 

Wenn du dir eine Beziehung wünschst, wäre es für dich emotional das Beste, es zu beenden, wenn er keine Trennungsabsichten hat. Auf Dauer ist es zermürbend, immer nur die Affäre zu sein.

Mehr Notfälle? Hier entlang: 

"Oft fühle ich mich erfolglos und allein. Was kann ich tun?"
"Meine Schwiegereltern mögen mich nicht – soll ich sie dennoch besuchen?"
"Meine Oma kommt auch nach zehn Jahren noch immer nicht mit meiner Homosexualität zurecht. Auf Familienfeiern geraten wir immer wieder aneinander – was kann ich tun?"
"Ich liebe meine Tante, aber sie geht an Weihnachten immer total herzlos mit meiner Cousine, um. Was kann ich tun?"
"Jedes Jahr an Weihnachten findet ein Klassentreffen statt. Was kann ich gegen Gefühl tun, dass alle anderen viel mehr erreicht haben als ich?"
"Ich bin überzeugter Vegetarier, will aber den Familienfrieden beim Weihnachtsessen nicht stören. Lasse ich mich auf die Diskussion mit meinen Eltern ein?"
"Meine Mutter sieht nicht ein, dass ich erwachsen bin. –Was soll ich tun?"
"Warum fürchten wir uns so vor einem Terroranschlag, aber nicht vor einem Fahrradunfall?"
"Ich habe Panik, keinen Job zu kriegen – Ist meine Angst berechtigt?"
"Ich verliebe mich zu schnell – was kann ich dagegen tun?"
Mein Studium überfordert mich und lässt mich jeden Tag leiden. Wo sind nur meine Träume und Ziele hin?"
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Wenn du nur eine Affäre willst, solltest du dich fragen, ob er der Richtige dafür ist. Es gibt schließlich auch Männer, die nicht vergeben sind. Und wenn das Ganze dann auch noch heimlich und in gewisser Weise verboten ist, könnte ich mir vorstellen, dass du mit der Zeit immer angespannter wirst und das schlechte Gewissen immer mehr an dir nagt.

Ob du ihn auf deine Vermutungen ansprechen solltest? Definitiv! Ob er ehrlich ist, ist natürlich fraglich, aber zumindest musst du dir dann nicht vorwerfen, einfach die Augen verschlossen zu haben. Sollte er zugeben, dass er ein falsches Spiel spielt, musst du dich entscheiden, ob du es mitspielst oder bewusst aussteigst. Schließlich gibt es bei dem Spiel besonders einen Verlierer – seine Freundin, die hintergangen wird. Willst du dafür mitverantwortlich sein?

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin

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Gerechtigkeit

Anne Will diskutiert über Abtreibungen. Und der einzige Mann in der Runde merkt, wie sich Frauen immer fühlen
Philipp Amthor redet von einer "nicht ganz einfachen Situation".

Der Paragraf 219a ist seit längerem umstritten. Er verbietet Ärztinnen und Ärzten, über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren, viele Frauen fühlen sich daher in einer wichtigen Frage allein gelassen. 

Damit sich das ändert, hat die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD einen Kompromiss erarbeitet: Der Paragraf bleibt, aber Infos sollen künftig erlaubt werden (bento). Ist das genug? Diese Frage wollte Anne Will in ihrer ARD-Talkshow am Sonntagabend klären.

Geladen waren bei "Anne Will" vier Frauen und ein Mann – und schnell wurde deutlich, dass der Streit um 219a noch lange nicht vorbei ist.

Das waren die Gäste:

  1. Die Familienministerin Franziska Giffey
  2. Die Ärztin und 219a-Aktivistin Kristina Hänel
  3. Die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
  4. Die Journalistin Teresa Bücker
  5. Und der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor

Die Frauen waren sich weitestgehend einig, dass der Paragraf 219a so nicht existieren kann. Er sei schon immer umstritten gewesen, merkt die frühere Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger an, er kriminialisiere Ärztinnen, sagt Kristina Hänel.

Die Fachärztin ist selbst betroffen und der Grund, warum 219a seit gut einem Jahr so scharf diskutiert wird. Sie hatte auf ihrer Praxis-Homepage erwähnt, Abtreibungen anzubieten und wurde daraufhin zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt. Aus Sicht der Richter hatte sie für Schwangerschaftsabtreibungen Werbung betrieben – ein Verstoß gegen eben jenen Paragrafen 219a. Hänel kämpft jedoch weiter und hat mittlerweile eine Kampagne gestartet. 

Das Ziel von Kristina Hänel: Das Bundesverfassungsgericht soll den Paragrafen 219a kippen. 

Der CDU-Politiker Philipp Amthor will ihr das nicht durchgehen lassen. Sie verstoße "wissentlich und willentlich" gegen das Gesetz, um eine Debatte auszulösen. Was Hänel mache, sei das Gleiche, wie absichtlich bei Rot über die Ampel zu fahren.

Sie widerspricht ihm. Sie engagiere sich nicht für Abtreibungen, sie engagiere sich im Gegenteil für das Leben: