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Die neueste Entdeckung japanischer Forscher ist zumindest vielversprechend. Das wird auch Zeit, findet unsere Autorin.

Manchmal muss es einfach schnell gehen. Manchmal zerstört das Gefummel an der Kondomhülle die Stimmung. Und auf so ein Kondom kann man sich ja auch nicht immer verlassen.

Millionen Frauen nehmen deshalb jeden Tag die Pille. Auch ich habe das jahrelang gemacht. Weil ich dachte, dass es die einfachste Verhütungsmethode ist – und die sicherste. Ich sah mich in der Verantwortung; für den Mann gibt es schließlich kein vergleichbares Medikament. Noch nicht.

Ein Forscherteam aus Japan hat jetzt eine Möglichkeit entdeckt, Spermien zu lähmen (Fachmagazin "Science"). Daraus könnte eine Anti-Baby-Pille für den Mann werden.

Endlich!

Liegt die Pille bald auch bei Männern auf dem Nachtkästchen?(Bild: pixabay.com/Anqa)

Bevor ich mich entschieden habe, die Pille zu nehmen, habe ich nicht darüber nachgedacht, wie viel sie kostet. Die Krankenkasse übernimmt nur bis zum 20. Geburtstag. Zwischen 28 und 60 Euro für eine Halbjahrespackung – das ist kein Vermögen. Trotzdem musste ich jedes Mal schlucken, wenn ich mit meinem Rezept in der Apotheke stand.

Ich weiß, dass Kondome auch Geld kosten, ich habe schließlich schonmal welche gekauft. Ich habe aber noch nie erlebt, dass ein Mann sich finanziell an der Pille beteiligt.

Jede Frau sollte frei entscheiden können, ob sie so viele Hormone nehmen will

Was aber noch wichtiger ist: Mit jeder Anti-Baby-Pille nimmt eine Frau einen Hormon-Cocktail zu sich, der ihrem Körper vorgaukelt, schwanger zu sein. Das hinterlässt Spuren: Kurz nachdem ich angefangen hatte, die Pille zu nehmen, bekam ich regelmäßig Wadenkrämpfe. Das könne schon von der Pille kommen, sagte meine Frauenärztin. Als ich auf ein anderes Präparat umstellte, hörten die Krämpfe auf, dafür hatte ich an jedem ersten Tag meiner Periode schreckliche Kopfschmerzen. Eine Freundin erzählte mir, dass sie nicht mehr auf dem Bauch schlafen könne, weil ihre Brüste so schmerzten. Eine andere, dass sie durch die Pille mehrere Kilo zugenommen habe.

Es ist kein schönes Gefühl, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren. Jeden Tag zu spüren, wie so eine kleine Tablette alles auf den Kopf stellt. Ob sie sich dem aussetzen will, muss jede Frau selbst wissen.

Wenn man länger mit der gleichen Person zusammen ist, möchte man vielleicht auch mal ohne Kondom miteinander schlafen.(Bild: pixabay.com/Anqa)

Klar, gegen Geschlechtskrankheiten helfen nur Kondome. Und es wird auch weiterhin Frauen geben, die die Pille nehmen (wollen). Aber mit einer Pille für den Mann könnte man zumindest offen über das Thema sprechen und gemeinsam entscheiden, wer sich auf welche Verhütungsmethode einlässt. Das gilt natürlich vor allem für feste Beziehungen, nicht für Affären und One-Night-Stands.

Falls die japanischen Forscher erfolgreich sind, könnte kein Mann mehr von seiner Freundin oder Frau erwarten, dass sie die Pille nimmt – für höhere Sicherheit oder größere Lust. Er könnte es einfach selbst tun.

Die Erkenntnisse des Forscherteams im Überblick

  • Für die Bewegung von Spermien ist das Protein "Calcineurin" verantwortlich.
  • Wenn man ein Medikament zuführt, das dieses Protein blockiert, werden die Spermien gelähmt.
  • Der Effekt ist reversibel: Setzt man das Medikament ab, bewegen sich die Spermien nach kurzer Zeit wieder wie vorher.
  • Der aktuelle Stand: Bisher wurde der Effekt nur an Mäusen getestet - erfolgreich: Die Mäusemännchen waren vorübergehend unfruchtbar, ganz ohne Hormone.
  • Das Problem: Die bei Mäusen getesteten Medikamente werden bei Menschen benutzt, um das Immunsystem zu schwächen – zum Beispiel bei Organtransplantationen. Jetzt muss ein Medikament entwickelt werden, das diesen Nebeneffekt nicht hat.

Quellen: Science-Magazin, Deutschlandfunk, Galileo, Elite Daily

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