Bild: Deva Darshan on Unsplash

Wenn ich früher Tiere aß, fühlte ich mit ihnen. Ich litt unter ihrem Leid im Stall, auf Tiertransportern, im Schlachthof. Es schmeckte mir nicht mehr.

Ich bin Vegetarierin, aber ich fange keinen Streit mit denen an, die Fleisch mögen. 

Es gab schon immer die, die gern Fleisch aßen – und die, die das nicht taten. Aber ich habe das Gefühl, dass es noch immer cool ist, mit seinem Fleischkonsum anzugeben, ihn abzufeiern.

Wenn im Fernsehen Kochsendungen laufen, gehört es dazu, sich über Fleisch zu freuen. Beim "Perfekten Dinner" wird gejubelt, wenn kein Vegetarier in der Runde sitzt: "Geil, dann gibt’s ordentlich Fleisch!" Wenn bei "Grill den Henssler" Fleisch ausgepackt wird, raunen die Anwesenden: "Das ist ein derbe gutes Stück."

Die Zeitschrift "Beef" feiert Fleisch seit Jahren mit großem Erfolg, die Hefte mit triefenden Buletten auf dem Cover finden reißenden Absatz. Sie titeln: "Rohkost für Männer", "Pimp your Steak", oder allen Ernstes: "Leider lecker!", dazu das Foto eines (lebendigen!) Lamms.

Autorin Lena Seiferlin: "Macht bitte keine Party aus Fleisch"(Bild: privat)

Auch meine Freunde singen Lobeshymnen auf Fleisch. Eine Bekannte postet ständig Bilder von ihren Schnitzeln und Burgern auf Facebook, zusammen mit Fleisch-Emojis und Ausrufezeichen. Nach einer durchzechten Nacht rufen die Leute im Auto: "Bitte noch zu McDonald's, auf die Drinks brauch ich ein totes Tier im Bauch!" Allgemeines Gelächter. 

Und wenn es in der Kantine Fleisch gibt, betonen die Kollegen: "Heute muss ich zulangen, lecker Fleisch!"

Warum ist es geil, ständig ein Ding daraus zu machen, dass man Fleisch konsumiert?

Die Menschen lieben Tiere – lebendig, aber eben auch tot. Damit komme ich zurecht. Ich versuche nicht, Leute dazu zu zwingen, meinen vegetarischen Lebensstil zu übernehmen. Meinetwegen, esst Tiere. Aber macht bitte keine Party daraus!

Kann man machen, kann man auch lassen.(Bild: Unsplash)

Würde sich eigentlich etwas ändern, wenn all die Fleischfeierer mal kurz innehielten und den Weg dessen zurückverfolgten, über das sie sich da freuen?

Ich habe Leuten schon öfter Vorwürfe gemacht. Denn es fällt mir sehr schwer, und ja, das entspricht dem Vegetarier-Klischee, bei diesem Thema ruhig zu bleiben.

"Wisst ihr eigentlich, wie viele der armen Tiere leiden, ihr habt ja keine Ahnung, was ihr da abfeiert", habe ich schon oft gesagt. Ich gebe zu: Ich werde dann mindestens genauso laut, wie die, die sich kurz vor dem McDonald’s-Besuch in ihre Fleischlust reinsteigern.

Wenn ich Leute bitte, damit aufzuhören, sind sie schnell eingeschnappt – weil es die, die die Vorträge halten, meist eben auch sind.

Wahrscheinlich wird es nur so besser: Die Fleischfeierer müssten selbst zu der Erkenntnis kommen, dass nichts zelebriert gehört, was vielleicht Tage, Monate oder sogar Jahre Schmerzen hatte und bis zur Schlachtung ein furchtbares Dasein fristete.

Stattdessen würde es womöglich helfen, für sich allein zu recherchieren: Zum Beispiel die jüngsten Aktionen von "Soko Tierschutz", die gruselige Aufnahmen auf einem Schlachthof in Baden-Württemberg gemacht hat. (bento)

Und dann?

Vielleicht werden die, die sich bewusst machen, woher ihr Fleisch kommt, es künftig auch bewusster konsumieren – anstatt mit dem größten Steak in der Kantine zu prahlen.


Gerechtigkeit

So gut stellt eine Schülerin die verlogene Waffenpolitik der NRA bloß

In den USA hat sich eine Jugendbewegung gegründet, die erstmals die Chance hat, schärfere Waffengesetze durchzusetzen. 

Seit dem Amoklauf von Parkland in Florida organisieren Schüler von dort regelmäßig Events, Demos und Social-Media-Aktionen, um die USA aufzurütteln. Sie wollen den Verkauf von Waffen strenger regeln und so Schulen und Universitäten sicherer machen.

Allerdings haben sie einen mächtigen Gegner: die Waffenlobby NRA. Der Verein sieht den Gebrauch von Waffen als Grundrecht, mit Millionenspenden sichert er sich Stimmrechte von Politikern. Im Netz arbeitet die NRA mit Schmutzkampagnen und verdreht auch gerne Fakten.