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Wie Fisting funktioniert und wie man keine Schmerzen hat

"Fisting tut weh." Diesen Satz habe ich einmal in einem älteren Ratgeber für lesbischen Sex gelesen. Und lange Zeit dachte ich auch, dass das stimmt. Fisting – also die vaginale oder anale Penetration mit der gesamten Hand – erschien mir lange als ziemlich extreme Sex-Praktik. Nachdem ich mir einige Videos dazu im Internet angeschaut hatte, war ich mir sicher: Das kann doch nur unter Schmerzen funktionieren.

Meine ersten Versuche, gefistet zu werden, waren ziemlich schmerzhaft.

Trotzdem wollte ich es irgendwann versuchenIch war neugierig, denn das Gefühl, meine Partnerin so tief in mir zu haben, sie ganz in mich eindringen zu lassen und ihr zu zeigen, wie sehr ich sie will, stellte ich mir als wunderschönes Erlebnis vor.

Meine ersten Versuche, gefistet zu werden, waren jedoch leider ziemlich schmerzhaft. 

Meine Freundin hatte eher große Hände, ich war ziemlich nervös und angespannt.

Als ich ein paar Jahre nach meinen ersten Versuchen zum ersten Mal erfolgreich gefistet wurde, habe ich es nicht einmal bemerkt.

Meine Partnerin und ich hatten gerade aufregenden Sex. Wir hatten bereits einiges zusammen erlebt, vertrauten einander und waren ein eingespieltes Team. 

Wir hatten eine gute Kommunikation darüber, was wir im Bett zusammen entdecken wollten und uns wünschten. Wir hatten bereits einige Male über dieses Thema gesprochen und uns langsam herangetastet, gemeinsam im Internet recherchiert. Aber wir wollten uns auch keinen Druck machen. Dann geschah es ganz zufällig.

Es gibt diese Tage, an denen möchte man nur kuscheln und gemütlichen Sex haben. Und es gibt diese Tage, an denen man mehr möchte. So ein Tag war das: Ich wollte sie spüren.

Plötzlich wurde ich von Gefühlen überwältigt, die ich bis dahin noch nie in meinem Leben gespürt hatte. Die kleinste Bewegung ihrer Hand löste in mir einen Sturm an Emotionen aus, Endorphine rauschten durch meinen Körper. Ich war nicht mehr im Hier und Jetzt, war ganz entspannt und dabei kurz vorm Explodieren.

Noch Jahre später fällt es mir schwer, dies in Worte zu fassen.

Beim Fisting gibt es einige Dinge zu beachten, damit die Erfahrung für beide angenehm wird

  • Gute Kommunikation ist ein Muss! Diese Praktik ist sehr intim und intensiv und erfordert besonders von der empfangenden Person ein großes Maß an Entspannung und Vertrauen. Bist du nicht wirklich relaxt, wird es höchstwahrscheinlich auch nicht klappen!
  • Gleitgel kann man nicht genug benutzen, es verhindert unangenehme Reibung und macht den ganzen Vorgang geschmeidiger. Kurz geschnittene Fingernägel und Latexhandschuhe schützen vor Verletzungen und Infektionen.
  • Beim Fisting sollte man vorsichtig vorgehen, sich Finger für Finger vorarbeiten und dabei immer darauf achten, welche Signale die empfangende Person von sich gibt. Alle Finger werden nacheinander und ausgestreckt eingeführt, mit einer flüssigen Bewegung sollte dann der Handrücken hineingleiten. Nun wird die Hand innen zu einer Faust geballt. Versuche niemals, deine Hand als Faust einzuführen! 
  • Fisting soll nicht wehtun. Es kann ein kurzes unangenehmes Gefühl verursachen, wenn die Knöchel und der Handrücken den Vaginal- oder Analmuskel passieren, was viele aber auch als eine Art "süßen Schmerz" beschreiben. Man braucht hier vor allem anderen: Geduld und Übung.

Nach der Trennung von meiner damaligen Freundin dachte ich, dass ich niemanden mehr finden würde, mit dem das Fisting so gut klappt. Doch nicht allzu lange später lernte ich eine tolle Frau kennen, die schon jahrelange Erfahrung damit hatte und es genauso liebte, gefistet zu werden wie selbst aktiv zu fisten. So kam es, dass ich zum ersten Mal meine ganze Hand in jemanden hineinsteckte. 

Schon als wir zum ersten Mal miteinander Sex hatten, bat sie mich, das für sie zu tun. Meine anfängliche Unsicherheit ließ schnell nach, da sie mir während des ganzen Vorgangs zeigte, wie sehr sie es wollte. Aus meinen zahlreichen Recherchen und Erlebnissen aus den Jahren davor war ich ja bereits mit der Technik vertraut, doch dies nun zum ersten Mal selbst zu tun, war einfach ein überwältigendes Gefühl.

Mir stiegen sogar die Tränen in die Augen.

Es war nicht nur antörnend zu sehen, wie eine andere Person so viel von mir aufzunehmen bereit war. Es war außerdem so schön warm, so weich und nass. Ihr so nah zu sein, so tief drinnen in ihrem Körper, sie ganz auszufüllen und dabei zu sehen, wie sie sich vor Lust windet, war unglaublich sexy. Ich fühlte mich in dem Moment sehr mit ihr verbunden und mir stiegen sogar die Tränen in die Augen.

Kurze Zeit später haben wir auch schon aufgehört, uns zu treffen, doch ich bin ihr sehr dankbar, mich so gut an die aktive Seite des Fistens herangeführt zu haben. Nach einigen Jahren und vielen Versuchen ist Fisting zu einer meiner liebsten Sexpraktiken geworden. Ich habe dabei auch viel über meinen eigenen Körper gelernt, zum Beispiel, dass ich starke Penetration sehr genieße und dass ich durch Fisting sehr intensive, unvergleichliche Orgasmen bekommen kann.

Viele machen es, doch nur wenige reden darüber.

In meinem Freundeskreis wird ziemlich offen über Sexualität gesprochen, wir tauschen uns aus und berichten von unseren Erfahrungen. So habe ich auch gelernt, dass mehr Menschen fisten, als viele denken.

Bei spannenden Dingen ist es doch oft so: Viele machen es, doch nur wenige reden darüber. Dabei wäre doch gerade ein offener Umgang mit diesem Thema hilfreich. Damit es Fisting endlich aus der Schmuddelecke rausschafft.

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