"Stört's dich, wenn ich dich Schamhaarbart nenne?"

Mit 18 hat man noch Träume – und geht damit Älteren gerne auf die Nerven. Warum haben sie ihr Leben so vergeudet, warum sind sie so engstirnig? Warum zur Hölle glauben sie, dass man es selber auch nicht besser hinkriegen wird? Lebenserfahrung, pff, die macht man mit ungestümer Energie wett. Vehemenz ist immer besser als Dezenz.

Peter Emshwiller muss geahnt, dass er seine Träume nicht alle einfach so leben würde. 1977 setzte sich der 18-Jährige vor eine Kamera und stellte Fragen, gemeine, bohrende Fragen. Nicht an ein Gegenüber, sondern an sein älteres Ich.

38 Jahre später will Emshwiller dem 18-Jährigen mit der braunen Haarmatte und dem ungleichmäßigen Vollbart Rede und Antwort stehen. "I didn't expect you to look like you look", beginnt der junge Emshwiller, mit einem zweideutigen Grinsen und bekommt ein entwaffnend selbstironisches "I'm old, I'm fat and in your mind, I'm a failure" zurückgefeuert.

"You're not...", versucht der Junge die Situation zu retten – keine Chance: "I know that. Why do you think I've been avoiding talking to you for 38 years."

So changiert der Clip in seinen vier Minuten zwischen lustigen und anrührenden Stellen, manchen Gag hat der 18-Jährige dem 56-Jährigen ganz hübsch vorgelegt. Doch Emshwiller will mit seiner "Zeitreisen-Talkshow" die großen Fragen des Lebens berühren: "What is success? What is failure?", schreibt er auf der Website zu dem Film. Und: "Who decides how to judge a life?"

Der 18-Jährige oder der 56-Jährige?

Emshwiller will aus dem alten und neuen Material einen längeren Film machen. Ein Experiment, das ein wenig an "Boyhood" erinnert, das 2014 abgeschlossene Opus Magnum unter den Coming-of-Age-Filmen. Weil er aber nicht Richard Linklater ist, sammelt Emshwiller für sein "Later That Same Life" getaufte Projekt derzeit Spenden.

(Bild: Screenshot)

Erkenntnis über sein früheres Ich habe ihm das Vorhaben bereits gebracht. Dem Radiosender NPR sagte Emshwiller in einem Interview:

"I thought of myself as hideous. I grew a horrible, scruffy beard trying to cover up my acne. And I looked at the footage of myself, and I thought, "You're adorable!" It was eye-opening."


Leicht sei es trotzdem nicht, sich den Fragen des hoffnungsvollen Teenagers auszusetzen. Er habe ein Alter und Gewicht erreicht, in dem er spiegelnde Flächen vermeide und musste nun, beim Sichten des Materials, die ganze Zeit sein jüngeres Ich betrachten.

Dennoch wolle er das Projekt unbedingt abschließen, für sich und für – sich:

I needed him to be OK with how I led his life.