Sie in Deutschland, er in Neuseeland. Hier erzählt Madlin, wie sie und ihr Freund Jack die Beziehung meistern.
"Es wird von Mal zu Mal schwieriger, aufeinander zu verzichten.“(Bild: Jack Verberne)
  • Wer? Madlin Schulte, 21, studiert BWL
    Jack Verberne, 24, Ausbildung im Gartenbau
  • Woher? Köln und Christchurch (Neuseeland)
  • Wie kennengelernt? Beim Backpacken in Vietnam
  • Wie lange zusammen? Knapp eineinhalb Jahre

"Jack und ich haben uns im Juni 2014 in Hanoi kennengelernt. Er hat zu der Zeit in einem Hostel gejobbt; ich habe in eben diesem Hostel eingecheckt. Es hat sofort gefunkt. Nur eine Ferienromanze, dachte ich erst.

Zurück in unseren Heimatländern haben wir aber schnell gemerkt, dass wir uns ziemlich verliebt hatten. Als ich in München durchs Gate kam, habe ich total geheult. Meine Mutter dachte erst, es wäre sonst was passiert. Noch auf dem Weg nach Hause sagte sie: Dann musst du jetzt eben einen Flug nach Neuseeland buchen.

"Das mit der Ferne hätte ich mir mal überlegen sollen, bevor ich mich verliebt habe."(Bild: Jack Verberne)

Ende November 2014 bin ich nach Christchurch geflogen. Als ich gelandet bin, war ich ein Nervenbündel. Jack hat mich abgeholt; er war auch total aufgeregt, hat ganz vergessen, das Parkticket zu bezahlen. Vom ersten Tag an war es richtig, richtig schön. Es fühlte sich an, als hätten wir uns am Vortag zum letzten Mal gesehen.

Ich war insgesamt eineinhalb Monate in Neuseeland. Dann ging das Drama von vorne los: In Vietnam war der Abschied schon schwer, in Neuseeland war es noch schlimmer. Wir wussten noch nicht, wann wir uns wiedersehen würden. Die Wochen danach, die Ungewissheit, das schlaucht.

"Wegen des Erdbebens in Christchurch hat Jacks Internet lange nicht funktioniert. Wenn wir skypen wollten, musste er zu einem öffentlichen Hotspot fahren."(Bild: Jack Verberne)

Im April 2015 haben wir uns noch einmal in Thailand getroffen. Dort sind wir wieder vier Wochen lang gereist. Das ist das Verrückte an einer Fernbeziehung: Man hat immer ein bisschen Urlaub miteinander.

Zurück in Deutschland habe ich mein letztes Semester durchgezogen. Ich hatte noch Prüfungen, musste meine Bachelorarbeit schreiben. Das war stressig. Trotzdem haben wir fast jeden Tag telefoniert, wenn auch nur wenige Minuten. Einfach kurz Hallo sagen, fragen, wie es geht, die Stimme des anderen hören. Beim Schreiben entstehen zu viele Missverständnisse.

Es wird von Mal zu Mal schwieriger, aufeinander zu verzichten. Manchmal denke ich mir: Ist das ein Bockmist, den du dir da eingebrockt hast. Warum suchst du dir nicht in Deutschland einen Freund, oder zumindest in Europa? Und natürlich fällt es auch verdammt schwer, monatelang ohne körperliche Nähe auszukommen.

Aber selbst eine 'halbe' Beziehung mit Jack ist immer noch sehr, sehr schön und den Verzicht definitiv wert. Im Großen und Ganzen kann ich mit der Fernbeziehung gut umgehen. Ich bin kein eifersüchtiger Typ: Ich vertraue Jack zu hundert Prozent. Sonst würde es nicht funktionieren.

Viele unserer Freunde zweifeln an unserer Beziehung. Wir hören oft Sprüche wie: Boah, ich könnte das nicht. Oder: Willst du das wirklich? Und wenn ich mal sage: Hey, ich gehe heute nicht mit ins Kino, weil ich Geld sparen möchte für unser nächstes Wiedersehen, ist das für andere oft schwer nachzuvollziehen. Wenn man es noch nicht selbst erlebt hat, versteht man das einfach nicht.

Das Schöne: Meine Mama steht voll und ganz hinter mir. Sie hat sich total darauf gefreut, Jack endlich kennenzulernen. Seit ein paar Wochen ist er bei mir. Wir verbringen viel Zeit mit meiner Familie, reisen ein bisschen, Jack war noch nie in Europa.

"Das ist mein Lieblingsbild von Jack. Es steht gerahmt in meinem Regal."(Bild: Jack Verberne)

Bald fliegen wir zusammen nach Hanoi und bleiben vier Monate. Back to the roots. Ich mache ein Praktikum, Jack arbeitet als Englischlehrer. Ich bin echt nervös, wie das läuft. Da werden sich Alltagsfragen auftun, mit denen wir uns bisher noch nicht beschäftigen mussten. Wer geht einkaufen? Wer begleicht die Miete für den nächsten Monat? Ob jemand super-pingelig im Bad ist – so was können wir noch nicht voneinander sagen.

Was nach Vietnam wird, wissen wir nicht. Ich werde auf jeden Fall noch einen Master machen. Jack würde gerne in Neuseeland bleiben, ich kann mir Neuseeland auf Dauer nicht vorstellen. Das frustriert, da streiten wir auch manchmal. Aber das können wir jetzt noch nicht lösen. Wir müssen von Wiedersehen zu Wiedersehen leben."