Das erzählen sie hier.
"Wie es weitergeht, wissen wir nicht.“(Bild: Claudio V.)
  • Wer? Anika Z., 22, Journalistin
    Claudio V., 28, Radiologieassistent
  • Woher? Ingolstadt und Quilpué (Chile)
  • Wie kennengelernt? Beim Auslandssemester
  • Wie lange zusammen? Ein Jahr

Anika: "Ich wusste lange nicht, ob ich diese Beziehung will. Ich wollte nach meinem Auslandssemester fertig studieren, mich nicht einschränken. Deshalb war das für mich am Anfang eher etwas Lockeres.“

Claudio: "Kennengelernt haben wir uns auf einer Party. Mir war von Anfang an klar, dass Anika keine Chilenin ist, dass sie nicht ewig da bleiben wird. Aber es hat mich nicht gestört.“

Anika: "Es ist schwierig für mich, ein Datum festzulegen, ab dem wir ein Paar waren.“

Claudio: "Für mich war unsere Beziehung von Anfang an was Ernstes. Ich finde, wir sind seit dem 31. August 2014 zusammen, dem Tag der Party.“

Anika: "Gemeinsam in der Küche stehen, kochen, abwaschen – für mich sind es gerade die einfachen Dinge, auf die ich mich aus der Entfernung wahnsinnig freue.“(Bild: Claudio V. / Anika Z.)

Anika: "Ich war noch bis Ende November in Valparaíso. An den Wochenenden sind Claudio und ich oft weggefahren. Bei meiner Gastfamilie hatten wir wenig Raum – und bei seiner Familie auch. In Chile nimmt man nicht einfach jemandem mit nach Hause. Gegen Ende meines Auslandssemesters hat mich mein Papa besucht. Da hat er auch Claudio kennengelernt.“

Claudio: "Wir waren uns sympathisch, aber Anikas Papa spricht kein Spanisch, ich noch kein Deutsch. Doch es gab ein Thema, über das wir uns immer ohne Probleme verständigen konnten: Anikas Unordnung.“

Anika: "Zurück in Deutschland habe ich ein Praktikum gemacht und nebenbei bei McDonalds gearbeitet. So habe ich genug Geld für einen Flug verdient und bin im April noch einmal nach Chile geflogen. Obwohl wir nur drei Monate getrennt waren, war es am Anfang komisch. Es ist einfach etwas ganz anderes, plötzlich wieder in echt voreinander zu stehen, sich in die Augen zu schauen, durch die Haare zu streifen und in die Arme zu nehmen.“

Claudio: "Wir sind oft rausgefahren aus der Stadt, hier zum Beispiel in einen nahegelegenen Fischerort.“(Bild: Claudio V.)

Claudio: "Wir konnten zwei Wochen lang bei Freunden in Santiago wohnen. Als Gegenleistung haben wir jeden Tag für sie gekocht. Das war mehr Alltag als Urlaub für uns beide.“

Anika: "Schon damals haben wir uns das Ziel gesetzt, dass ich zum Nationalfeiertag im September wieder nach Chile komme und Claudio danach mit mir nach Deutschland fliegt.“

Claudio: "Ich habe in den folgenden Monaten in mehreren Kliniken gleichzeitig gearbeitet – oft auf Abruf, oft Nachtschichten. Zum einen ist es schwieriger, mit nur einem Job das nötige Geld zusammen zu sammeln. Zum anderen bekommt man mit einem festen Arbeitsvertrag nicht mehr als ein paar Wochen frei.“

Anika: "Ich habe in der Zeit fertig studiert und nebenbei gearbeitet. Ich habe durchaus auch das Leben genossen, mich mit Freundinnen getroffen.“

Anika: "Das Foto habe ich Claudio am 14. September geschickt, als ich den ganzen Vormittag darauf gewartet habe, endlich zum Flughafen zu fahren.“(Bild: Anika Z.)

Claudio: "Zwischen all dem haben wir genügend Zeit reserviert, damit wir uns einmal die Woche via Skype sehen konnten. Wenn es mal Streit gab, haben wir versucht, so schnell wie möglich miteinander zu sprechen.

Anika: "Ich bin auch mal länger wach geblieben und habe gewartet, bis Claudio die Möglichkeit hatte, die Probleme mit mir auszudiskutieren.“

Claudio: "Wenn ich von meiner Schicht nach Hause kam, habe ich manchmal einfach nicht mit meiner Familie zu Abend gegessen, sondern in meinem Zimmer.“


Anika: "Bei mir war es nicht anders. Meine Eltern haben das verstanden, glücklicherweise. Manchmal habe ich einfach am Küchentisch mit Claudio geskyped, und sie waren dabei – auch wenn sie nicht so viel verstanden haben. Sie lassen sich darauf ein, sind auch ein Stück weit stolz, dass ich das durchziehe. Claudio wird jetzt drei Monate bei uns wohnen; so lange darf er ohne Visum bleiben. Mein Papa will ihm Deutschland zeigen.“

Claudio: "Die chilenische Nationalmannschaft gemeinsam mit Anika spielen zu sehen, war etwas ganz Besonderes – vor allem, weil Anika mich mit der Idee völlig überrascht hat.“(Bild: Claudio V.)

Claudio: "Wir machen einen Pilotversuch. Hauptsächlich möchte ich natürlich Anika besuchen. Aber ich werde auch einen Deutschkurs machen, die Gegend kennenlernen.“

Anika: "Wie es danach weitergeht, wissen wir nicht. Das kommt darauf an, wie es uns bis dahin geht, wie es Claudio hier gefällt.“

Claudio: "Wenn alles gut läuft, würde ich langfristig versuchen, in Deutschland zu arbeiten.“

Anika: "Radiologieassistent ist einer der Berufe, die hier gesucht werden. Aber erst muss Claudio richtig gut Deutsch lernen, das ist Voraussetzung. Er braucht beglaubigte Übersetzungen sämtlicher Arbeitszeugnisse. Das ist alles ein Riesenaufwand. Leicht wird es nicht.“