Etwa 15 Prozent aller klinischen Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt. Von einer klinischen Schwangerschaft spricht man, sobald die Schwangerschaft im Ultraschall erkennbar ist, also etwa ab der 5. bis 6. Woche. In den Wochen davor ist das Risiko einer Fehlgeburt noch höher – die Medizin geht von bis zu 50 Prozent aus. (Uniklinik Bonn)

Doch obwohl eine Fehlgeburt damit eine Erfahrung ist, die viele Frauen machen, ist es gleichzeitig eine, die zumeist im Verborgenen passiert. 

Viele Frauen halten sich an die Regel, anderen Menschen erst nach der zwölften Woche von der Schwangerschaft zu erzählen, also nach der sogenannten kritischen Phase. Kommt es in dieser Zeit zu einer Fehlgeburt, erzählen viele davon dann ebenfalls nichts. Sie behalten ihre Trauer für sich.

Shawn Johnson, 25, hat sich für einen anderen Weg entschieden. Sie ist eine ehemalige Kunstturnerin aus den USA, gewann Gold bei Olympia und Weltmeisterschaften.

2012 zog sie sich aus dem Leistungssport zurück und ist seitdem durch ihre Teilnahme bei Reality TV-Sendungen und ihren eigenen YouTube-Kanal bekannt. Dort gibt es Videos aus ihrem Alltag, von ihrer Hochzeit und ihrem Fitnessprogramm.

Und nun gibt es hier auch ein Video, das zeigt, wie sie den Verlust ihres ungeborenen Kindes erlebt.

"Das hier wird nicht das fröhlichste Video", beginnt Shawn. "Aber wir glauben, dass viele Menschen so etwas durchmachen. Deshalb wollten wir es trotzdem mit euch teilen." 

Im Folgenden werden alle Schritte ihrer Erfahrung aus nächster Nähe dokumentiert.

Sie beginnt am Anfang: mit einem Schwangerschaftstest.

Genauer gesagt sind es sogar zwei. Und beide sind positiv.

Shawn ist allein, ihr Mann Andrew, ein Footballspieler, ist unterwegs. Sie erzählt, wie chaotisch ihre Gefühle gerade sind. "Ich bin verwirrt, ich habe Angst, bin überwältigt, müde, hungrig." Das Baby sei nicht geplant gewesen. Sie sei trotzdem glücklich.

Vorsichtig nimmt sie zum ersten Mal das Wort "Mom" in den Mund. "Bisher war ich nur eine Hundemutter", sagt sie.

Als nächstes erzählt sie es ihrem Mann. 

Der weiß noch von nichts – ahnt aber, worum es gehen könnte.

Sie überrascht ihn mit der Nachricht in der gemeinsamen Wohnung. Wir sehen auch sein ungläubiges Gesicht, sein Grinsen, seine Sprachlosigkeit. Wie die beiden sich in die Arme nehmen, irgendwo zwischen Angst und Freude.

Dann: Ein Schnitt zum nächsten Morgen – irgendetwas stimmt nicht.

Die beiden sitzen im Auto, sind auf dem Weg zum Arzt, Shawn geht es nicht gut. "Auf einmal hatte ich starke Bauchkrämpfe. Da war sehr viel Blut, was kein gutes Zeichen ist, wenn man schwanger ist", sagt sie. Alles sei im Verlauf von ein oder zwei Stunden passiert.

Im Wartezimmer machen die zwei noch Witze, malen sich aus, wie sich ihr Leben mit Kind verändern würde.

Trotzdem ist den beiden ihre Angst anzumerken. Sie wissen, dass die Möglichkeit besteht, dass Shawn das Kind verloren hat.

Die Untersuchung beginnt. Der Arzt bestätigt: Shawn hatte eine Fehlgeburt.

"Ihre Gebärmutter sieht normal aus – für jemanden, der nicht schwanger ist", erklärt der Gynäkologe ihr am Ultraschallbild. Die abschließenden Routine-Untersuchungen lässt Shawn schweigend über sich ergehen, sie schaut in die Ferne.

Ob so etwas oft passiert, will sie von ihrem Arzt wissen. "Ja, oft. Sehr oft", versichert er ihr.

In der letzten Einstellung sehen wir Shawn und Andrew ein paar Tage danach. 

"Ich bin nicht mehr schwanger", sagt Shawn.

Unter dem Video bekommen Shawn und Andrew viel Zuspruch. Einige Frauen berichten in den Kommentaren von ihrer eigenen Erfahrung mit einer Fehlgeburt. Andere loben ihre Offenheit, wünschen alles Gute.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die ihnen vorwerfen, aus ihrer Situation Kapital schlagen zu wollen oder das Ganze gar gefaket zu haben.

Mit Sicherheit ist ein so offener Umgang mit einer Fehlgeburt nicht das Richtige für jede Frau in einer solchen Situation. Shawn geht nah heran – intimere Momente als die gezeigten gibt es kaum. 

Damit zeigt das Video auch, wie weit Menschen gehen, die ihr Leben mit den Sozialen Netzwerken teilen: Shawn ist auf YouTube zuhause. Und weil man zuhause über alles redet, redet sie auch über die traurigen Seiten des Lebens. 

Das kann man falsch und übertrieben finden – oder einfach nur ehrlich

Und vielleicht kann Shawn damit tatsächlich Frauen helfen, die in einer ähnlichen Situation sind. Ihnen Mut machen, auch über ihre Erlebnisse zu sprechen. Oder eben eine andere Art zu finden, mit ihrer Fehlgeburt umzugehen. Denn jeder sollte trauern dürfen, wie er möchte.

Hier das ganze Video:

*Anmerkung der Redaktion:

In einer früheren Version des Artikels hieß es im ersten Satz, 15 Prozent aller Schwangerschaften endeten in einer Fehlgeburt. Tatsächlich bezieht sich diese Angabe aber nur auf Schwangerschaften ab der 5./6. Woche. Da die Rate von Fehlgeburten davor noch einmal deutlich höher ist, liegt das tatsächliche Risiko für die gesamte Dauer der Schwangerschaft über den genannten 15 Prozent.

Wir haben das im Text korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.


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