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Warum ich angefangen habe, Facebook-Freunde zu blockieren und zu sperren

Ich habe die Schnauze voll. Endgültig. Von Menschen bei Facebook, die Fake-News teilen, Kommentarspalten vergiften und herumpöbeln. Mir reicht es so sehr, dass mein freundliches, gutmenschen-sozialpädagogisches Ich kapituliert hat und sie alle, alle, alle entfreundet, blockiert und gesperrt hat.

Jaja, ich weiß, es ist richtig und wichtig, dass wir mit Menschen diskutieren, die so ganz anders als wir selber sind. Ein bisschen liberaler, spießiger, aggressiver oder gleichgültiger, ein bisschen netter, arschiger oder diplomatischer. Das lernen wir ja schon im Kindergarten: Sei auch nett zum kleinen Björn, denn vielleicht kann Björn gar nichts dafür, dass er ein Arsch ist, und braucht nur ein bisschen Liebe.

Die Björns begleiten uns natürlich weiter. Das hört nicht einfach auf. Früher konnte man ihnen zwei Tage bis acht Jahre aus dem Weg gehen (wenn man es schlau angestellt hat). Heute gibt es aber Facebook. Und Twitter. Und die Björns sind überall.

Noch vor zwei Jahren hätte ich gesagt, dass wir mit diesen Björns reden müssen. Mal fragen: He, Björn, wieso hasst du Flüchtende so? Hey Björn, wieso behauptest du, Hartz IV Empfänger seien faul? Hey Björn, wieso teilst du was von Ken FM oder Pegida oder den Netzfrauen? Hey Björn, wie geht es dir? Und was ist bei dir so schief gelaufen?

In Kommentarspalten habe ich gekämpft und diskutiert, gestritten und mich bemüht, ich habe erklärt, argumentiert, habe mir viele, viele Jahre wirklich Mühe gegeben, den Björns zuzuhören. Bloß: Es bringt zu wenig.

Mehr Texte von Kathrin Weßling gibt es hier: 
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Es hat eigentlich auch nie so richtig viel gebracht, denn viele Björns sind professionalisiert. Sie wissen genau, wie weit sie gehen können, um noch möglichst krass zu sein, aber nicht im strafbaren Bereich zu landen.

Sie provozieren und nerven, sie stellen Fragen, die keine sind und sie glauben erstmal alles, oder sie tun zumindest so: dass Impfungen nicht retten, sondern töten, dass der Krieg in Syrien auch ausgedacht sein könnte und vor allem, dass die Björn-Meinung existieren darf, weil es eben eine Meinung sei und jeder darf die haben, auch, wenn es keinen einzigen Beweis dafür gibt, keine einzige Studie, nix. 

Dass wir atmen müssen, um am Leben zu bleiben? Da kann man geteilter Meinung sein. Dass Deutschland eine GmbH ist? Da muss erstmal einer das Gegenteil beweisen. 

Meinung ist Meinung.

Und dann gibt es noch die versteckten Björns. Die mit Suggestiv-Fragen und immer kritischen Kommentaren nerven und nerven und nerven. "Und was ist mit den Männern?“ ist zum Beispiel eine davon, wenn es gerade um die Benachteiligung der Frau geht.

Ihre selbsterklärte Aufgabe: zu nerven. Jeden. Und es ist fast unmöglich, nicht genervt zu sein von Leuten, die einen stressen wollen, die nicht am Austausch, sondern an der Provokation interessiert sind.

Weil das aber ihr gutes Recht ist und sie reichlich davon Gebrauch machen, darf man sie auch aus dem eigenen Leben schmeißen. 

Denn egal, wie sehr ich es auch versuche: Manche Kommentare sind so ätzend, gemein oder verletzend, dass ich sie nicht mehr los werde. Egal, wie sehr ich sie kaputtignorieren will, egal, wie oft ich darüber spreche: Ich vergesse sie nicht. Das ist natürlich ihr Ziel und deshalb kann nur eines gelten: dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst die Chance dazu haben, die Björns dieser Welt.

Irgendwann reicht es nämlich. Und das ist bei mir jetzt so. Ich dulde keine Pöbler oder Arschlöcher, keine Frauen mehr, die sich aufspielen als Feministinnen und doch nur passiv-aggressiv schimpfen. Ich dulde keine Menschen mehr, die mir den Tag versauen, die unverschämt sind, die so tun, als sei Beleidigung Meinungsfreiheit.

Ich würde schließlich auch keinem von ihnen in einem Café zuhören, niemandem würde ich erlauben, vis-a-vis so mit meinen Freundinnen zu sprechen, niemandem würde ich die Tür öffnen, der nur klingelt, wenn es mal wieder was zu meckern gibt.

Wer sich nicht benehmen kann, fliegt raus. Denn eine Sache, die sie alle nicht verstehen, die Björns: Meinungsfreiheit bedeutet, dass ich fast alles äußern darf, was ich denke. Aber zum Glück, liebe Björns, bedeutet sie eben nicht, dass euch auch jeder zuhören muss. 

Gleiches Recht für alle eben. 


Today

Warum Maxi gerade lieber den Papst trifft als mit Freunden am Strand zu liegen
"Die Kirche hat viel zu lange geschlafen."

Alle paar Jahre treffen sich Tausende junge Katholikinnen und Katholiken in Rom. Diese Woche findet die sogenannte Ministrantenwallfahrt wieder statt. Papst Franziskus empfing am Dienstag rund 60.000 Menschen zu einer zweistündigen Audienz auf dem Petersplatz – allein 50.000 von ihnen sind Deutsche. (katholisch.de)

Maxi ist einer von ihnen. Der 22-jährige Jurastudent aus der Nähe von München war 2010 das erste Mal mit anderen Katholiken in Rom. 

Wir haben ihn gefragt, warum er lieber mit anderen Gläubigen durch Rom läuft als in den Sommerurlaub zu fahren.