Bild: Erika Lust
Die feministische Regisseurin kennt die Antwort.

Wenn Sex die normalste Sache der Welt ist – dann sind Pornos nicht viel mehr als der Snapchat-Filter zur Welt. Eigentlich. Andererseits gilt die Pornobranche immer noch als schmuddelig, viele Filme, die im Netz verfügbar sind, zeigen nur derbe, verwackelte Penetrationsnummern.

Die Regisseurin Erika Lust versucht, das Image der Sexfilme zu verbessern – mit ihrer eigenen Arbeit. In Barcelona hat sie eine Produktionsfirma für das, was viele Nutzer als "feministische Pornos" bezeichnen. Filme, die die Lust der Darsteller und Darstellerinnen ernst nehmen, anstatt sie nur als Objekte abzufilmen.

Mit bento hat Erika über ihre Arbeit gesprochen – und verrät, was genau einen guten Porno ausmacht.

Wer ist eigentich Erika Lust?

Die Schwedin lebt und arbeitet in Barcelona. Dort dreht und produziert sie Pornos – und wurde für ihren feministischen Blick auf die Industrie bekannt. 

"Lust" ist ein Künstlername, eigentlich heißt sie Erika Hallqvist. Ihre Filme bietet sie auf Xconfessions.com an. Mehrere Produktionen haben bereits Preise gewonnen.

So sieht es am Set von Erika Lust aus:
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Was hat dich zuletzt befriedigt?

Kaffee!

So einfach?

Klar, so geht bei mir der Tag los. Manchmal träume ich schon abends vom Kaffee, den ich mir morgens machen kann. Es ist ein ziemlich simples Glück.

Glaubst du, vielen fällt es schwer, sich selbst glücklich zu machen?

Auf jeden Fall. Ich komme ja aus Schweden, lebe aber seit 20 Jahren in Spanien. In meiner Heimat sind alle auf Effektivität getrimmt, nehmen den immer gleichen Weg zur Arbeit, knabbern mittags kurz an einem Brot. Hier in Spanien hingegen nehmen sich die Leute Zeit, die schönen Dinge im Leben zu genießen.

(Bild: Erika Lust)
Zeit – ist das auch das Geheimnis für sexuelle Befriedigung?

Menschen haben im Urlaub mehr Sex. Warum? Weil sie mehr Zeit haben! Also klar, wer gestresst ist und sich in seinem Alltag nicht mehr verzaubern lässt, der verlernt zu lieben. Arbeit versklavt dich, Leben befreit dich.

Nun kommt man aber ums Arbeiten oft nicht herum.

Stimmt – aber man kann sich kleine Fluchten erlauben. Ich nehme gerne mal einen anderen Weg zur Arbeit, einfach um neue Leute kennenzulernen.

Was wir also auf vielen Webseiten sehen, ist einfach nur sexistisch.
Und wenn du dann ankommst, stehst du an einem Pornoset. Wie genau sieht dein Leben als Pornoregisseurin aus? 

Ich war lange Produzentin für Werbefilme – und eigentlich sieht es jetzt am Set kaum anders aus als zuvor. Außer, dass ich explizit Frauen ins Team hole. Ich habe eine Crew mit 15 Frauen, vom Make-up über die Kamerafrau bis zur Tontechnikerin. Bei klassischen Pornodrehs ist die Crew hingegen fast ausschließlich männlich.

Was unterscheidet deine Pornos von "klassischen" Filmen?

Der Blick, mit dem der Porno gemacht wird. Bei klassischen Pornofilmen geht es immer nur um den Mann – seine Lust und seine Befriedigung. Die Frau wird zum Objekt. Was wir also auf vielen Webseiten sehen, ist einfach nur sexistisch.

Was ich versuche: Filme machen, die einfach Paare beim Sex zeigen. Der kann mal lustig, mal hart sein, mal romantisch, mal verspielt. Und ich will mit meiner Kamera beobachten, wie alle beteiligten Personen gemeinsam Lust empfinden – im Geben und Nehmen. Es geht um Menschen, nicht um sich penetrierende Werkzeuge.

Gute Pornos sind wie guter Sex auch: seltsam, lustig, großartig, alles gleichzeitig.
Deine Schauspieler sind meistens Profis. Wie bringst du ihnen das Umdenken bei?

Wir nehmen uns viel Zeit füreinander. Wenn ich ein Drehbuch habe, schaue ich, welche Darsteller gut zueinander passen – und bringe sie schon Wochen vorm Dreh zusammen, damit sie sich beschnuppern können. Ich finde, man sieht dem Film dann an, ob sich zwei Menschen mögen oder einfach nur gestellten Sex haben.

Welche Zuschauer erreicht deine Arbeit?

Wir haben etwa 40 Prozent weibliche und 60 Prozent männliche Zuschauer. Die Kerle freuen sich natürlich: Danke Erika, endlich ein Film, den auch meine Freundin gerne mit anschaut! 

Und die Frauen freuen sich, dass Sex endlich mal normal dargestellt wird – und nicht wieder politisch. Denn nur weil meine Arbeit von vielen als feministisch gelabelt wird, heißt es ja nicht, dass die Darsteller Geschlechterrollen verhandeln müssen. Nö, sie haben einfach nur Spaß im Bett.

Apropos Spaß. Wenn du wissen willst, was dir im Bett gefallen könnte – spiel dieses Quiz:

Also magst du es gar nicht, wenn deine Filme als femistische Pornos bezeichnet werden?

Ich würde ethische Pornos bevorzugen – denn es geht darum, dass sich alle wohlfühlen.

Trotzdem empfinden viele Sexfilme immer noch als eklig. Wie kann man den Blick auf Pornos insgesamt entspannen?

Indem man beschissenen Pornos immer mehr gute Produktionen entgegenstellt. Und die guten Filme dann denen zeigt, die sie sonst ablehnen.

Oft wird von Männern nur 'das Werkzeug' gezeigt – wir zeigen hingegen den ganzen Körper.
Deinen Eltern zum Beispiel?

Ha, leider nein. Meine Mutter ist eine dieser Old-School-Feministinnen, die sich einfach nicht vorstellen kann, dass ein Porno auch ein modernes Frauenbild vermitteln kann. Porno ist der Feind, und so. Na ja, ich drehe jetzt schon seit mehr als zehn Jahren Pornos und so langsam hat sie sich daran gewöhnt. Vielleicht hat sie sich schon mal heimlich einen angesehen, auf Twitter folgt sie mir immerhin sehr aufmerksam.

Du sagst, dein Set ist sehr weiblich. Was macht das mit den männlichen Darstellern?

Oh, sie sind so schüchtern! Plötzlich müssen sie nicht nur eine Frau befriedigen, sondern gleich eine ganze Gruppe. Erstmals interessieren sich alle auch wirklich für sie. Denn wenn sich Männer mit Probematerial bei mir bewerben, haben sie oft kaum Bilder von sich – mehr als ihr Schwanz wird bei klassischen Pornofilmen nicht gefilmt. Es geht tatsächlich nur um "das Werkzeug".

Mehr über die Pornobranche

Über die Ausbeutung junger Frauen in der Amateur-Branche berichtet unter anderem die Doku "Hot Girls Wanted". Sie begleitet mehrere 18- und 19-jährige Mädchen in Hollywood und läuft auf Netflix.

Und die Darstellerinnen?

Die fühlen sich natürlich wohl. Ohne Klamotten vor einer Kamera zu stehen, macht dich extrem verletzlich. Viele klassische Produktionen nutzen das aus – sie zwingen dann gerade junge Darstellerinnen zu Aktionen, die sie vorher nicht besprochen hatten. In Hollywood gibt es eine riesige Pseudo-Amateur-Industrie, die sich darauf spezialisiert, 18-Jährige abzugreifen und in die Branche zu bringen.

Warum bist du nicht auf klassischen Plattformen wie PornHub vertreten? Würde das nicht helfen, das Schmuddelimage vieler Pornoproduktionen aufzuwerten?

Nein, ich glaube nicht. Welchen Anspruch soll schon ein Film haben, dessen Titel mit „Fuck Tiny Teen Ass“ beworben wird? Die meisten Pornos dort sind ziemlich daneben und den Seiten geht es nur darum, Geld mit den geschalteten Anzeigen zu verdienen.

Die, die Penisvergrößerungen bewerben!

Genau. Das ist nur Abzocke und dann sind viele Kerle zu schüchtern, ihren Kreditkartenbetrug zur Anzeige zu bringen. Auf Kooperationen mit solchen Gratis-Plattformen kann ich gerne verzichten. Wer gute Pornofilme sehen will, ist auch bereit, dafür zu zahlen.

Witzig, abgedreht und direkt – das sind die Filme von Erika Lust:

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Und was macht nun einen guten Porno aus?

Er ist wie Sex auch: seltsam, lustig, großartig, alles gleichzeitig. Viele Pornos zeigen genau das nicht, mich macht da nichts an. Die Industrie reproduziert immer nur die gleiche langweilige Idee vom Rein-Raus. Was aber einen Porno wirklich gut macht, ist der Blick der Darsteller – wenn ich in ihren Augen ihre Lust lesen kann, dann funktioniert der Film.

Mehr über Erika Lust erfahren? Hier waren wir bei einem ihrer Dreharbeiten dabei:


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Und im Gegenzug machst du das Gleiche für deine Freunde. Oder? Hier kannst du testen, ob du ein guter Freund bist und man sich wirklich auf dich verlassen kann!