Bild: Plan International; Montage: bento

Das Perioden-Emoji kommt!

Das Unicode-Konsortium hat die endgültige Emoji-Liste für 2019 genehmigt. Im Laufe des Jahres 2019 werden wir insgesamt 230 neue Emojis auf unsere Smartphones bekommen. (Unicode.orgbento und bento)

Auch dabei: ein Perioden-Emoji! Ein Tropfen Blut, der unter anderem für die Menstruation stehen soll. 

Aber eben nur "unter anderem". Denn wenn man sich die Beschreibung der neuen Emojis auf der Unicode-Seite ansieht, dann sieht man, dass der Bluttropfen für "Blutspende", "Medizin" und zuletzt auch für "Menstruation" stehen soll.

Das Menstruations-Emoji war eine Initiative von Plan International

Die Organisation startete 2017 eine Kampagne für ein Menstruations-Emoji, weil das Thema Menstruation noch immer stark tabuisiert ist (Plan International) und Mädchen und Frauen aus vielen Bereichen des Lebens ausschließt – nicht nur in Entwicklungsländern. Das Emoji soll helfen, Gespräche darüber zu erleichtern und so mit dem Tabu zu brechen.

Denn bisher gibt es Emojis mit Kopftuch und Emojis von Zombies, jemand plant rothaarige Emojis und jemand anderes geschlechtsneutrale Emojis. Und bei Grindr gibt es auch schwule Emojis. Aber eben keine Emojis, die die weibliche Periode darstellen.

Diese fünf Vorschläge hatte "Plan International" für das Menstruations-Emoji gestaltet:

(Bild: Plan International)

Auf Facebook konnten Nutzerinnen und Nutzer darüber abstimmen, welches Emoji ihnen am besten gefällt. Erst lag das Terminblatt in Führung, gefolgt vom Höschen:

Today is World Menstruation Day. To raise awareness for menstrual hygiene issues impacting girls and women around the...

Posted by Plan International Australia on Samstag, 27. Mai 2017

Was denkst du über die Idee?

Wie soll aus einer Facebook-Kampagne denn ein Emoji werden?

Was offiziell Emoji wird, entscheidet das Unicode Consortium – ein Zusammenschluss der größten Techfirmen der Welt, unter anderem Apple und Google sind vertreten. 

Im Netz kann jeder Anträge beim Konsortium stellen und begründen, warum ein Symbol in das offizielle Emoji-Alphabet aufgenommen werden sollte. Die Gruppe entscheidet dann und fügt dann gegebenenfalls die neuen Emojis hinzu. Dann liegt es an den einzelnen Firmen, die Designs umzusetzen.

Das ist nun tatsächlich passiert. Geworden ist es allerdings "nur" ein mehrdeutiger roter Tropfen.

Das Emoji heißt "Drop of Blood" und stehe gleichsam für Blutspenden wie Menstruation:


Gerechtigkeit

Wir haben junge Arbeitslose gefragt, wie sehr sie unter Hartz-IV-Sanktionen leiden
"Wir konnten unserem Sohn keine Anziehsachen kaufen."

Wer nicht arbeitet, bekommt Geld vom Staat. Aber nicht bedingungslos: Das Arbeitslosengeld II ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Doch das könnte sich bald ändern. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles erklärte gerade in einem Interview, sie wolle Hartz IV abschaffen und durch ein "Bürgergeld" ersetzen. (Tagesspiegel)

Fallen sollen auch die sehr scharfen Sanktionen für Arbeitslose unter 25 Jahren, denen gleich beim ersten Verstoß das gesamte Arbeitslosengeld gestrichen wird.

Der heutige Sozialstaat sei zu bürokratisch und schwer verständlich, sagte Nahles. Der SPD-Vorstand will das Konzept "Sozialstaat 2025" am Sonntag beschließen.

Wir erklären, was der neue Vorschlag beinhaltet– und sprechen mit drei jungen Hartz-IV-Empfängern darüber, wie es sich anfühlt, sanktioniert zu werden.

Wie sieht es momentan aus? 

Derzeit ist das Sanktionssystem so simpel, wie erbarmungslos: Arbeitslose haben Pflichten, denen sie nachkommen müssen. Tun sie dies nicht, werden sie sanktioniert. Meist bedeutet dies, dass ihnen ihre ohnehin schon geringe Unterstützung teilweise oder ganz gestrichen wird.

Denn die Sanktionen führen dazu, dass Arbeitslose teilweise unter dem Existenzminimum leben müssen. 

Wenn etwa ein Hartz-IV-Empfänger nicht zu einem vereinbarten Termin im Jobcenter kommt, wird das Geld um zehn Prozent gekürzt. Bei "gröberen" Verstößen, wie zum Beispiel einer Ablehnung eines Jobs können sogar 30 Prozent des Geldes gestrichen werden – pro Fehlverhalten und für jeweils drei Monate. So kann schnell die Hälfte oder mehr der eigentlichen Grundsicherung wegbrechen.

Viele sehen dadurch das Grundrecht auf die Sicherung einer menschenwürdigen Existenz verletzt.

Was hat die SPD vor?

  • Die Dauer der Zahlung von Arbeitslosengeld I soll für bestimmte Arbeitslose verlängert werden – von 12 auf 33 Monate
  • Es soll einen Rechtsanspruch auf Weiterbildungen geben
  • Sanktionen für Arbeitslose unter 25 sollen abgeschafft werden
  • Die Kosten für Wohnraum sollen bei Sanktionen garantiert werden
  • Statt finanzieller Sanktionen soll es zunächst "gelbe Karten" geben

Auch das Bundesverfassungsgericht berät derzeit, ob die Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger abgeschafft werden müssen. 

Aber wie beeinträchtigen die Sanktionen das Leben von Betroffenen? 

Wir haben mit drei jungen Hartz IV-Empfängerinnen gesprochen. Alle sagen, sie wurden von ihren jeweiligen Behörden abgestraft. Ob und in welcher Form das passierte, können wir nicht unabhängig überprüfen.

Clara*, 23, aus Bremen

Ich beziehe seit zweieinhalb Jahren Hartz IV und bin in dieser Zeit zwei Mal sanktioniert worden. Einmal wurden mir 20 Prozent der Unterstützung gestrichen, ein anderes Mal wurde mir sogar der komplette Hartz IV-Satz versagt.

Ich war damals frisch getrennt, bin in eine neue Wohnung gezogen und habe eine Ausbildung als Fachlageristin begonnen. Bis ich an einem Tag einen Brief erhielt, mit der Mitteilung, meine Leistungen würden eingestellt werden. Den Grund kenne ich bis heute nicht.