Bild: imago/Westend61

Unsere Eltern prägen uns. Wie sie miteinander umgehen beeinflusst, wie wir unsere eigenen Beziehungen führen. Das ist ganz normal, erklärt die Psychologin Micaela Peter

"Eltern sind die wichtigsten Vorbilder für ihre Kinder. Ihr Umgang schafft eine erste Vorstellung davon, wie eine Beziehung aussieht. Gleichzeitig findet in der Pubertät eine erste Abgrenzung statt. Die ist wichtig: So entwickeln Jugendliche ihre eigene Identität, ihr eigenes Konzept einer Beziehung". 

Aber was habt ihr aus der Beziehung unserer Eltern gelernt? Was macht ihr genauso wie Mama und Papa, was völlig anders?

Das haben wir sechs Menschen gefragt. Hier sind ihre Antworten.  

Mareike*, 33:

Ich bin die Nachzüglerin in meiner Familie. Meine Eltern sind schon 70 Jahre alt und bald 50 Jahre zusammen. Sie führen eine klassische, eher konservative Beziehung. Papa hat das Sagen, ging arbeiten, und Mama schmiss den Haushalt.

Dadurch habe ich das Gefühl, dass die beiden komplett abhängig voneinander sind. Mein Vater würde ohne meine Mutter wahrscheinlich verhungern und meine Mutter wäre ohne ihn finanziell aufgeschmissen.

Aber ich bewundere sie auch für ihr Durchhaltevermögen und ihre Geduld miteinander. Ihr Verhalten zeigt mir, dass Meinungsverschiedenheiten oder nervige Angewohnheiten zu einer Beziehung dazu gehören. So etwas muss kein Trennungsgrund sein.

Denn beide haben in den 50 Jahren an sich gearbeitet und sind gemeinsame Schritte gegangen. Diesen Willen zur Arbeit am Miteinander nehme ich auch in meine Beziehung mit.

Dabei möchte ich aber eigenständig bleiben und wünsche mir das auch von meinem Partner. Mal putze und koche ich, mal putzt und kocht er. Wir beide haben unser eigenes Einkommen und einen eigenen Freundeskreis.   

Ich möchte einfach niemals das Gefühl haben, dass ich mit meinem Partner zusammenbleibe, weil ich es muss

Simon, 26:

(Bild: bento)

Mein Vater stellte mir alle zwei bis drei Jahre eine neue Freundin vor. Manchmal verpasste ich auch die ein oder andere. So oft sahen wir uns nicht.

Meistens scheiterten seine Beziehungen daran, dass die Frauen mehr wollten als mein Vater. Er hatte keine Lust, sich längerfristig zu binden, monogam zu leben, sie aber schon. Wenn das der Fall war und sie ihn zur Rede stellte, verabschiedete er sich ziemlich schnell.

Das finde ich schade. Meiner Meinung nach lohnt es sich, die eigenen Vorstellungen zu verwerfen und etwas anderes auszuprobieren. Nur so kann man sich im Leben entwickeln.   

Deswegen versuche ich, es anders zu machen. Es schadet nie, seine Beziehung aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. 

Ein wenig bewundere ich meinen Vater aber auch. Er weiß für sich, dass er es nicht anders möchte. Egal, ob er andere dadurch verliert – er bleibt sich treu. Das ist auch eine Leistung.

Marlene*, 31:

Wie sieht Liebe nach 36 Jahre Ehe aus? Neulich schickte mein Vater fälschlicherweise eine WhatsApp-Nachricht an mich: "Stell schon mal einen Rotwein raus, bin um 17 Uhr zu Hause, gehe noch baden." "Süß", dachte ich, "Mama und Papa machen sich einen schönen Abend zu zweit."

Nach so vielen Jahren noch so viel Romantik? Nicht immer. Einzelkind zu sein macht einen manchmal auch zur Paartherapeutin. "Papa ist schon wieder um 20 Uhr ins Bett gegangen, mit dem ist nix mehr los", höre ich von der einen Seite. "Mama macht sich so viele Sorgen, nörgelt nur rum", heißt es von der anderen. Ich sage dann immer: "Ach, ihr zwei. Das sind doch alles nur Kleinigkeiten. Ein anderer Partner lohnt sich jetzt auch nicht mehr."

Klingt rabiat, soll aber heißen: Genießt eure Zeit zu zweit und regt euch weniger auf. Und die meiste Zeit tun sie das auch.

Denn eigentlich weiß ich das von ihnen selbst: Egal, welche kleinen Schwächen der Partner oder die Partnerin hat, am Ende geht es darum, dass man sich aufeinander verlassen kann. Einfach so sein kann, wie man will, ohne sich verstellen zu müssen. 

Und dass man viele Sachen miteinander teilt: Sei es, die gleiche Platte aufzulegen, den gleichen Berg zu erklimmen, den gleichen Rotwein zu trinken oder gemeinsam neben dem halbvollen Glas auf dem Sofa einzuschlafen.

Paul, 27: 

Meine Eltern haben sich getrennt, als ich drei war. Seitdem war bei uns Patchwork angesagt. Beide haben wieder Partner gefunden, weitere Kinder bekommen. Ich bewundere die beiden bis heute, wie entspannt sie das mit uns Kindern hingekriegt haben. Wir hatten nie Probleme, weil die beiden getrennt waren.

Bei meinem Vater sehe ich aber oft, wie ihm sein Ego im Weg steht. Er hat immer gewisse Vorstellungen, wie etwas zu laufen hat. Wenn das nicht passiert, kommt es oft zum Streit. Auch mit seiner Freundin. Trotzdem, die beiden raufen sich immer wieder zusammen.

Manchmal funktioniert es aber einfach nicht mehr. So wie bei meiner Mama. Sie und der Vater meiner Halbschwester kämpften sich ewig ab, obwohl beide nicht mehr glücklich waren. Irgendwann war dann Schluss, danach ging es ihr viel besser. 

Mittlerweile hat sie einen neuen Mann, mit dem es sehr gut läuft. Die beiden gehen sehr entspannt miteinander um und geben sich gegenseitig viel Raum.

Das alles zeigt mir immer: Es ist wichtig, sich und sein Ego zu ignorieren und den anderen nach seinen Vorstellungen machen zu lassen. Dadurch entsteht eine Leichtigkeit – und beide sind glücklich.   

Carolina, 27: 

(Bild: bento)

Eltern sind nur Menschen und Menschen sind nicht perfekt. Meine sind es auch nicht. Weder für sich, noch als Paar. Sie stritten und trennten sich irgendwann. Aber gerade deswegen bewundere ich umso mehr, dass sie immer wohlwollend übereinander sprachen und es noch tun.

Als sie sich kennenlernten, ermutigte mein Vater meine Mutter dazu, mehr aus sich herauszuholen. Noch eine Ausbildung zu machen. Du kannst das, du kannst mehr. Lass dich nicht klein machen. Ich glaube an dich. 

Meine Mutter unterstützte meinen Vater bei seinen beruflichen Projekten. Sie kümmerte sich um mich und meine Schwester, während er zwei Unternehmen aufbaute und wieder einstampfte. Sie verlor nach der Trennung keine bösen Worte über ihn, machte ihn nie schlecht. 

Gut zueinander sein, aufeinander aufpassen, einander unterstützen, unabhängig von den Problemen, die man miteinander haben mag – das ist heute auch für mich wichtig.

Alex, 21: 

(Bild: bento)

Meine Mutter war 19, als sie meinen Vater kennenlernte, er damals 25. Sie waren mal kurz getrennt, dann sagten sie endgültig "Ja" zueinander. Und das funktioniert seitdem auch – in meinen Augen – fast problemlos

Ich habe meine Eltern nie wirklich streiten sehen. Klar, hier und da gab es immer wieder Knatsch, aber einen wirklich heftigen Streit habe ich zwischen meinen Eltern nie erlebt. 

Die beiden haben mir gezeigt, dass Liebe nur ein Teil einer funktionierenden Beziehung ist. Denn eine Beziehung ist auch Arbeit und benötigt immer wieder eine neue Willensentscheidung. Denn wir müssen in Beziehungen zurückstecken, auf den Anderen achten – ohne dabei uns selbst zu vergessen. 

Trotzdem müssen wir manchmal standhaft bleiben. Erst wenn wir wirklich lieben, sind wir auch in schwierigen Zeiten dazu bereit, an der Beziehung festzuhalten und füreinander da zu sein.

News und Storys von bento per WhatsApp oder Telegram!

*Mareike und Marlene heißen eigentlich anders. Für den Text wollten sie lieber anonym bleiben. 


Grün

Trump friert in Florida – also leugnet er mal wieder den Klimawandel
Drei Momente, die ihn eigentlich erleuchten sollten.

Der wahrscheinlich verlässlichste Beweis dafür, dass der Klimawandel real ist: Donald Trump. Kaum einer zweifelt die Erderwärmung derart ausdauernd an wie der seit seinem Amtsantritt mittlerweile mehr als 6400 Mal des Lügens überführte US-Präsident. Nichts macht die Sorge um das Klima daher ernster.

Trump glaubt nicht an die globale Erderwärmung – und er glaubt erst recht nicht, dass Menschen daran schuld seien sollen. Mit launigen Tweets torpediert er immer wieder die Meinung Tausender Klimaforscher.

Was hat Donald Trump dieses Mal getan? – Den Unterschied zwischen Klima und Wetter nicht so ganz verstanden.

In den USA steht Thanksgiving bevor. Und die Wetterberichte warnen vor ungewöhnlich kalten Feiertagen. Trump nahm das zum Anlass, die Erderwärmung mal wieder infrage zu stellen. Von seiner Wochenendresidenz Mar-A-Lago in Florida aus twitterte er: