Stimmen die Vorurteile?

Wer als junger Mensch ein Kind bekommt, muss sich viel anhören. Viel zu früh, viel zu unsicher und viel zu krass!

So sehen es vor allem diejenigen, die selbst noch kein Kind haben oder schon längst wieder ohne Kinder im Haus leben. Wenn es um Erziehung geht, gibt es in Deutschland offenbar etliche Experten. Doch stimmen die Vorurteile? Kann es je zu früh sein für ein Kind? 

Was sagen junge Menschen, die selbst eins haben? Wie sieht ihr Familienleben wirklich aus? 

Caro, 27 – hat eine zweijährige Tochter und lebt mit ihrem Freund in Hamburg. Sie arbeitet als Angestellte in einem Patentbüro

"Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen und hatte viele Cousins und Cousinen. Deshalb kümmerte ich mich schon früh um andere Kinder. Das war aber etwas ganz anderes. Wenn ein fremdes Kind hinfällt und weint, gibt man es eben der Mutter. Ich war nie allein verantwortlich. Das ist bei meiner Tochter anders, jetzt bin ich diejenige, die sich kümmert. 

Natürlich habe ich als Mutter weniger Freiheit als früher. Das heißt, ich gehe weniger mit Freunden ins Kino und sitze abends öfter zuhause. Im Zweifel auch mal allein. Ich muss viel planen, um jeden Tag alles hinzubekommen. Wenn ich koche, ist es immer für mindestens zwei Personen, nicht mehr nur für mich. 

Ich muss viel planen, um jeden Tag alles hinzubekommen
Caro

Ich war in der Vergangenheit mehrmals allein in Neuseeland und England und habe diese Freiheit sehr genossen. Auch später, in meiner ersten Wohnung, musste ich nur für mich sorgen und war zufrieden damit. Das gibt es in meinem jetzigen Leben kaum noch.

Für meinen Freund und mich war es eine Herausforderung, als unsere Tochter auf die Welt kam. Wir sind jetzt immer zu dritt. Das Kind kommt immer zuerst, weil es eben nicht für sich sorgen kann. Dazu kommt, dass ich schon seit meiner Ausbildung arbeiten gehe und mein Freund immer noch studiert. 

Das hat uns beide erstmal auf eine Probe gestellt, weil wir schauen mussten, wie wir uns die gemeinsamen Aufgaben einteilen. Gerade verdiene ich allein das Geld für uns drei. Das reicht, aber ich bin froh, wenn er irgendwann fertig ist. 

Das Kind kommt immer zuerst
Caro

Früher war ich eher eine Stubenhockerin, die gern ihr eigenes Ding machte. Heute gehe ich viel mehr raus, weil durch meine Tochter immer was los ist. Für mich ist das sehr gut. Ich habe durch den Geburtsvorbereitungskurs, die Gymnastik und den Kindergarten inzwischen viele neue Leute kennengelernt. Viele davon wurden Freunde, die ich auch unabhängig von unserer Tochter oft sehe. 

Auch meine Familie unterstützt uns sehr, obwohl viele am Anfang skeptisch waren. Wenn man mit 25 schwanger wird, ist das ja mittlerweile die Ausnahme. Ich wurde oft gefragt, ob das Kind gewollt war. 

Ja, das war es. Wenn ich abends meine Tochter von der Kita abhole, rennt sie sofort auf mich zu und ruft nach mir. Das sind die Momente, in denen ich viel zurückbekomme und weiß, dass es sich gelohnt hat, ein Kind zu bekommen."

Michel, 26 – studiert und lebt mit Frau und seinem zweijährigen Kind in Hamburg

(Bild: privat)

"Die Geburt meines Kindes hat echt alles verändert. Es gibt nichts mehr aus meinem alten Leben, außer meiner besten Freunde. Wir sind umgezogen, haben neue Leute kennengelernt und ich habe einen anderen Rhythmus in meinem Alltag. Viele Kumpels konnten am Anfang nicht verstehen, was es für mich bedeutet, Vater zu sein. Früher ging es um Kinofilme, Klamotten oder Computerspiele. Dafür interessiere ich mich heute kaum noch. 

Früher ging es um Kinofilme, Klamotten oder Computerspiele
Michel

Ich war noch nie so ungern krank wie heute, weil ich weiß, dass meine Frau dann alle meine Aufgaben im Haushalt zusätzlich übernehmen muss. Wenn ich etwas für unsere Familie nicht mache, fällt das sofort auf sie zurück, das will ich nicht. Ich habe durch unseren Sohn gelernt, mich besser zu organisieren, Termine einzuhalten und Sachen einfach mal durchzuziehen. Aufschieben kommt nicht infrage. 

Kinder sind viel direkter. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie sich ein Kind über die kleinen Dinge ärgern oder freuen kann. Viele Erwachsene behalten ihre Gefühle ja eher für sich. Meine Frau und ich haben beide schon gesagt, dass das ohne unseren Sohn bei uns vielleicht auch so wäre. In vielen Situationen hätte sich vielleicht einer von uns zurückgezogen, weil er sich im Streit nicht offenbart und weglaufen möchte.

Kinder sind viel direkter
Michel

Ab dem Moment, in dem wir das Kind zwischen uns hatten, war das gar nicht mehr möglich. Es ist jetzt zwingend nötig, dass wir uns absprechen und die Verantwortung teilen. Diese Nähe verbindet mich auch mit meinen Eltern und dem Rest der Familie. Durch das Kind gehen wir weniger oberflächlich miteinander um. 

Unser Sohn gibt mir Selbstsicherheit, ich muss anderen Leuten nichts mehr beweisen. Der Kleine gibt mir Bestätigung und sagt mir, dass ich toll bin und er mich lieb hat. Was ich toll finde, ist die körperliche Nähe, das Umarmen, Tschüss sagen und Begrüßen. Die Freude, die man da teilt, ist einfach unbeschreiblich. Für mich als Mann war das neu."

Martina, 27 – studiert und lebt mit ihrer zehnjährigen Tochter in der Nähe von Heidelberg

(Bild: Malte Hellfritz)

"Als Jugendliche habe ich die Schule geschwänzt, mit meinen Eltern gestritten und rebelliert. Mit 17 wurde ich schwanger. Natürlich ungewollt. Ich musste mich als junge Mutter oft rechtfertigen. Wenn ich mit dem Kind unterwegs war, dachten viele, ich sei ihre große Schwester. Als alleinerziehende Studentin musste ich oft kämpfen. Zehn Jahre später weiß ich aber, dass es sich gelohnt hat.

Meine eigenen Eltern haben mir oft vorgegeben, wie die Dinge zu sein haben. Ich durfte nur wenig selbst entscheiden. Ich möchte meiner Tochter nichts vorgeben. Natürlich möchte ich, dass es meinem Kind einmal gut geht. Ich weiß, dass ein guter Schulabschluss viele Türen öffnen kann. Sie soll selbst entscheiden können, was in ihrem Leben wichtig sein soll.

Zehn Jahre später weiß ich, dass es sich gelohnt hat
Martina

Als mein Kind auf die Welt kam, habe ich erst einmal aufgehört mich zu schminken. Für wen oder was hätte ich das tun sollen? Das war einfach von heute auf morgen kein Thema mehr für mich. Auch sonst hat sich viel verändert. Ich habe mir nicht mehr einfach so mal eine Pizza reingeschoben, weil ich ein Vorbild sein wollte. Mit dem Rauchen hörte ich auf, obwohl mir das davor immer schwer fiel.

Viele Dinge, die mir wichtig wurden, konnten meine damaligen Freunde nicht verstehen. Irgendwann gehen die Lebenswege auseinander. Ich pflege meine Freundschaften jetzt bewusst und telefoniere mit Menschen, die mir wichtig sind.

Mit dem Rauchen hörte ich auf, obwohl mir das immer schwer fiel
Martina

Mir ist erst in letzter Zeit klar geworden, wieviel in den zehn Jahren seit der Geburt meiner Tochter passiert ist. Inzwischen studiere ich Architektur und mache bald meinen Abschluss. Meine Tochter geht auf eine weiterführende Schule. Sie ist oft zickig, gibt mir Kontra und streitet auch mal. Für mich ist das ein tolles Zeichen, dass sie schon so groß ist. Da merkt man erst, was man schon vollbracht hat.

Das schönste Gefühl ist aber, wenn ich sehe, wie sie mir hilft. Gerade bin ich zum zweiten Mal schwanger. Meine Tochter nimmt Rücksicht auf mich und ist sehr fürsorglich. Sie räumt die Küche auf, wenn sie weiß, dass ich Rückenschmerzen habe und nimmt sich zurück, wenn sie weiß, dass ich einen schlechten Tag habe.

Uns beide verbindet ein tiefes Gefühl von Geborgenheit. Wenn wir miteinander kuscheln und meine Tochter von ihren Freunden erzählt, bin ich glücklich. Ich glaube, nichts ist erfüllender als Familie."


Gerechtigkeit

US-Schülerin muss Nippel abkleben – weil sie "die Jungs ablenkt"
Angeblich können die männlichen Schüler nicht mehr klar denken.

Eine Jeans, ein dunkelgraues Oberteil – eigentlich ein angemessenes Schuloutfit. Das dachte sich Lizzy Martinez, eine 17-jährige Schülerin aus Florida. Um das Outfit angenehmer zu gestalten, entschied sie sich dazu, den BH wegzulassen. Eigentlich ihr gutes Recht. 

Ihre Schule war da aber anderer Meinung.

Noch am selben Tag wurde sie von der Schuldekanin in ihr Büro zitiert. Sie sollte unter dem langärmligen Shirt noch ein T-Shirt anziehen, um ihre Nippel zu verdecken. Nachdem Lizzy dem Wunsch der Dekanin Folge geleistet hatte, war die mit dem Ergebnis aber alles andere als zufrieden und schickte sie deshalb kurzerhand in das Büro der Schulkrankenschwester, wo sie sich Pflaster zum Überkleben ihrer Nippel abholen sollte. (New York Post)