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Was würde fehlen, wenn du am Strand oder auf einer weiten Wiese liegen würdest, um dich herum nur ein paar Bienen, und in der Ferne ein duftender Grill?

Wahrscheinlich: ein Buch. Denn wie das mit dem Rumliegen an Stränden oder auf Wiesen ist, Lesen gehört einfach dazu.

Keine schwere Literatur, sondern fesselnde Geschichten. Nichts, wovon du direkt einschläfst, sondern etwas, das dich einen ganzen Sommersonnentag beschäftigt. 

Wir empfehlen Bücher, die du in diesem Sommer unbedingt lesen solltest – und die sich perfekt für einen langen Tag am Strand eignen.
Elena Ferrante – "Meine geniale Freundin"

Ich gehöre zu diesen Menschen, die nach einem Italien-Urlaub ernsthaft darüber nachdenken, auszuwandern. Allein diese melodische Sprache, ständig den Geruch von frischem Espresso in der Nase zu haben und nicht immer auf Sonnenschein warten zu müssen, das ist Italien.

Wirklich?

In diesem Buch wirst du ein anderes Italien kennenlernen. Eines voller Missgunst und mit weniger Romantik. Ein Italien, in dem die Männer über die Frauen bestimmen, in dem Bildung keine Selbstverständlichkeit ist und Menschen aus einem Ort aufeinander losgehen.

Affiliate-Links. Was ist das?

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Trotzdem wird es nichts an der Faszination für das Land ändern – zu verdanken ist das vor allem den zwei starken Frauen und besten Freundinnen Lila und Elena, geboren in den Vierzigerjahren im ärmlichen Viertel von Neapel. In vier Romanen wird die Lebensgeschichte der beiden erzählt, "Meine geniale Freundin" ist der erste Teil.

Hier geht es um die wichtigsten Familien in der Stadt, die teilweise seit Generationen verfeindet sind. Ein Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Und obwohl Lila und Elena beste Freundinnen sind, tobt auch zwischen ihnen ein Machtkampf um Anerkennung.

Katharina Hölter

Juli Zeh – "Schilf"

Hier stimmt was nicht. Das wird schon klar, als Oskar an diesem Abend seit Langem mal wieder zu Besuch ist bei seinem Freund Sebastian. 

Sebastian lebt mit Maike und Sohn Liam in einem Haus mit Garten, nah am Wasser. Vor dem Fenster schnattern Enten, auf dem Herd dampfen Töpfe. Die schöne Maike würzt, im Kinderzimmer kichert Liam.

Hier, in diesem Haus, an diesem Abend, treffen sich zwei Physiker: Sebastian und Oskar.

Hat noch jemand Hunger, wenn die Nudeln endlich gar sind?

Sie kennen sich seit dem ersten Seminar an der Uni. Das ist das Gefährliche an ihrer Beziehung. Denn sie sind keine Freunde, die sich heute endlich wieder sehen, sie sind seit Jahrzehnten Konkurrenten in einem anstrengenden Kampf.

Es geht darum, wer von beiden der bessere Physiker ist: Sebastian, der sich neben dem Beruf eine Familie aufgebaut hat, der dem SPIEGEL zwar ein paar Experten-Texte schreibt, der aber abends auch gern vorm Fernseher sitzt.

Oder Oskar, der glaubt, die echte Liebe zur Physik könne nur empfinden, wer nebenher keine andere Beziehung führt.

Wer hat Recht? Und was, das fragt Geschichtenmeisterin Juli Zeh den Leser unaufhörlich, ist denn nun besser: das Private – oder das Berufliche als vollkommen empfinden?

Wie geht das Gespräch am Tisch weiter, das so unangenehm bissig beginnt? Wieso lächelt Maike manchmal, wenn Oskar sie ansieht? Hat noch jemand Hunger, als die Nudeln auf dem Herd endlich gar sind? 

Erst mit dem Ende dieses Sommers gibt es Gewissheit.

Nike Laurenz

Und falls der Sommer gerade nicht da ist, wo du bist – hier ein paar Tipps für Reiseziele, die dich jetzt glücklich machen:
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Hier geht es zu den Törtchen.
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Margaret Atwood – "Das Herz kommt zuletzt"

Es gibt diese Bücher, die setzen dort an, wo es wehtut. Dieses Buch ist so eins.

Eine Wirtschaftskrise erschüttert die USA. Die Hauptcharaktere Stan und Charmaine sind finanziell am Ende, leben in einem schmuddeligen Auto. Nachts haben sie Angst vor Überfällen von Banden.

Um etwas Geld zu verdienen, kellnert Charmaine in abgerockten Kneipen. Der Sex im Auto hat wenig mit ihrer Vorstellung von Romantik zu tun.

Dann bekommt sie überraschend das Angebot, mit Stan an einem sozialen Projekt teilzunehmen. Es bietet ihr ein sicheres, geregeltes Leben in einem eigenen Haus in der streng abgeschiedenen Stadt Consilience – dafür müssen sie nichts tun, außer im monatlich zwischen dem Status eines Gefangenen und dem eines Freien wechseln. Also mal im Gefängnis, mal draußen leben.

Charmaine und Stan nehmen das Angebot an. 

Es tut weh, das zu lesen

Zuerst genießen die beiden ihr neues Glück. Ausgestattet mit frischen, weißen Laken auf weichen Betten, die sich wie ein Beauty-Insta-Filter über ihr graues Leben legen. Doch schon bald beginnt das Leben im Experiment, an den Nerven der beiden zu zerren.

Im Laufe der Geschichte erzählt uns Atwood auch eine Menge über uns selbst. Über unser Leben. Darüber, wie wir kontrollieren und kontrolliert werden – und es tut weh, das zu lesen.

Marlene Borchardt

Fatma Aydemir – "Ellbogen"

Was ist Heimat? Was ist Identität? Wo gehöre ich hin? Und wie zur Hölle finde ich das heraus?

Fatma Aydemir, 30, erzählt in ihrem Debütroman von einem Mädchen, das zerrissen ist zwischen zwei Kulturen – der einen, mit der sie aufgewachsen ist, und der anderen, auf die sie immer reduziert wird. Hazal Akgündüz wurde in Deutschland geboren, ihre Eltern kommen aus der Türkei.

"Ellbogen" erzählt von dieser Zerrissenheit, von Verzweiflung und Wut.

Als Hazal und ihre Freundinnen an ihrem 18. Geburtstag vom Türsteher eines Berliner Clubs abgewiesen werden, dreht sie durch und begeht ein Verbrechen. Danach sieht Hazal nur einen Ausweg: Sie flieht nach Istanbul, die Stadt, die für sie über Jahre hinweg zu einem Sehnsuchtsort geworden ist.

Sophia Schirmer

Wolfgang Herrndorf – "Bilder deiner großen Liebe"

"Tschick", dieses traumhaft schöne Roadmovie in Schriftform, war wahrscheinlich Wolfgang Herrndorfs größter Erfolg. "Bilder deiner großen Liebe" knüpft daran an. Das Buch ist ein Romanfragment, veröffentlicht nach Herrndorfs Tod. Darin geht es um Isa, das Mädchen, das in "Tschick" auf die beiden Jungs trifft.

In bruchstückhaften Momenten folgt ihr der Leser durch ihre Alltagsfluchten, wie sie aus einer Anstalt ausbricht und sich per Anhalter durch Deutschland arbeitet.

Die Szenen sind mal absurd, mal melancholisch, mal entrückt. Nie weiß man so genau, was Isa wirklich erlebt und wann wir in ihre Traumwelt entschwinden. "Bilder deiner großen Liebe" ist damit genau so wie ein langer Tag am Meer: Beim Blick in die dahinziehenden Wolken wird plötzlich die ganze Welt möglich.

Marc Röhlig

Miranda July – "Der erste fiese Typ"

Alles dreht sich um die Cheryl. 40, klein, birnenförmige Figur, neurotisch.

Sie leidet am Globussyndrom, bei dem sich Menschen einbilden, einen Kloß im Hals zu haben. Auf dem Höhepunkt ihrer Krankheit trägt sie einen Spucknapf mit sich herum, in den sie ihren überlaufenden Speichel absondert.

Außerdem ist Cheryl verliebt in Philip, einen 20 Jahre älteren Kollegen mit Fußpilz. Der aber brennt für eine 16-Jährige und will, dass Cheryl ihm ihren Segen dafür gibt. 

Dann zieht die ungezogene Tochter ihrer Chefs, eine 21-jährige, vollbusige Blondine, zu ihr. Aus Verachtung wird gewalttätige Zuneigung: Sie gründen eine Art privaten Fight-Club, der beide zu neuer Lebensenergie beflügelt – und den Auftakt für eine Reihe sexueller Skurrilität bildet. Die findet zum Teil in Cheryls Kopf statt, zum Teil in der Realität.

Alles an diesem Buch ist überraschend. Es ist eine groteske Geschichte über die Abgründe des Menschseins, die July so gut beschreibt, dass man sich selbst an den Hals greifen will, um diesen Kloß zu erfühlen. Die zu erwartende Beklemmung bleibt trotzdem aus.

Dafür sind die Charaktere zu grotesk, man muss einfach über diesen Wahnsinn laut lachen. Auch, wenn man gerade am Strand liegt – und irritierte Blicke erntet.

Julia Wadhawan


Fühlen

"Ich war beim Tantra dauerhorny, aber glücklich"

Es reichte mir. Die letzten fünf Kolumnen lang hatte ich gedatet. Jedem Typ eine Chance gegeben. Ich wollte nicht mehr. 

Zeit für eine Männerpause. 

Mit diesem Vorsatz flog ich nach Indien. Yoga machen. Denn das hatte ich im letzten Sommer wirklich lieben gelernt. 

Beim Yoga Teacher Training lernte ich John und Patrick kennen. Vom dritten Tag an klebten wir aneinander. Lachten, diskutierten, teilten Weltanschauungen, Muskelkalter und emotionale Erlebnisse.