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Liebe Oma, liebe (Groß-)Tante E., 

wenn ich euch lachend auf unserer Holzbank im Garten sehe, freue ich mich aufs Älterwerden. Ihr seid Schwestern, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Oma, Du bist früh Mutter geworden und hast den Alltag mit vier Kindern gewuppt. Tante E., Du bist um die Welt gereist und hast mit Mitte 40 geheiratet.

Heute seid ihr alte Damen, 87 und 89 Jahre alt. Verwitwet und lebt alleine. Aber ihr habt eure Familie und einen Kopf voller Erinnerungen.

Uns drei trennt eine ordentliche Distanz: Ihr beide wohnt 500 Kilometer voneinander entfernt. Zu Oma brauche ich von Hamburg aus drei Stunden, zu Tante E. sind es sechs Stunden Zugfahrt. An Ostern, Weihnachten und zum Familientreffen im Sommer schaffen wir es trotzdem, uns zu sehen. 

Ich wünsche mir, dass meine Schwester und ich genauso werden, wenn wir älter sind. Aber ich hoffe, dass meine Enkelin, meine Großnichte mehr Interesse an mir zeigt. 
(Bild: unsplash.com / Eberhard Grossgasteiger)

Heute lese ich die Meldung, dass es in Großbritannien seit dieser Woche einen Regierungsposten gegen Einsamkeit gibt. (bento) Auch deutsche Politiker fordern nun, stärker gegen Vereinsamung zu kämpfen. Ich möchte nicht, dass sich ein Ministerium um euch kümmert. Ich möchte das selbst machen, solange es noch geht.

Ich habe euch noch nie so direkt danach gefragt, ob ihr einsam seid. Aber ich befürchte es.  

Tante E., Du zeigst das deutlich, Deine forsche Ader hast Du nie verloren. Wenn ich Dir bei unseren seltenen Treffen koffeinfreien Kaffee einschenke, wirfst Du mir jedes Mal laut vor: "Du rufst ja auch nie an". Das sagst Du auch zu meiner Schwester, meinen Cousinen, eigentlich zu jedem Familienmitglied. Meist kann ich Dich mit einer Partie Scrabble milde stimmen, aber Deinen Vorwurf vergesse ich nicht.

Oma, Du hältst Deine Enttäuschung meist zurück. Du willst niemandem zur Last fallen, selbst wenn Du Hilfe brauchst, beim Einkaufen zum Beispiel, bittest Du nicht um Hilfe. Du sagst:

Ich weiß ja, dass ihr alle euer Leben habt. So ist das nun mal, wenn alle Kinder erwachsen sind, jeder hat seinen Drasch.

Wir haben Zeit für ellenlange WhatsApp-Sprachnachrichten. Aber bei euch durchklingeln und euer Alleinsein kurz durchbrechen? Schwierig zu integrieren. Dabei ist mein Smartphone quasi an meiner Hand festgeklebt. 

Wenn ich mich doch melde, dann freut ihr euch so sehr, dass ich hinterher ein schlechteres Gewissen habe als vor dem Anruf. Mit einem 20-Minuten-Gespräch mache ich meine ältesten und engsten Familienmitglieder glücklich – und obwohl ich das weiß, schaffe ich es nicht, euch regelmäßig in meinen Alltag einzubinden. 

Dabei interessiere ich mich für euer Leben: Wann der Edeka fertig renoviert, wann der Wasserrohrbruch repariert ist.

(Bild: unsplash.com/ Tiago Muraro)

Wenn ihr mich anruft, gehe ich manchmal sogar nicht ran. Ich will mich nicht von euch aus meinem Alltagsstrudel reißen lassen. Ich will nicht überlegen, was die vergangenen Wochen passiert ist, alles genau durchkauen. Weil ihr älter seid, muss ich manchmal zwei Mal erklären, was genau ich für meine Uni-Hausarbeit recherchiere. Und dass ich nicht Bücher schreibe, sondern bei einem Online-Medium arbeite. 

Wenn ich mit euch spreche, muss ich mir Gedanken machen, über mich selbst und mein Verhalten. Das ist oft unangenehm.

Ich habe euch gegenüber ein schlechtes Gewissen. Und wenn es mich mal wieder besonders plagt, dann überlege ich, wie ich eine bessere Enkelin und Großnichte werde.

Vor ein paar Jahren habe ich euch deswegen zu Weihnachten Briefpapier und Umschläge geschenkt. Ich versprach, euch jeden Monat einen Brief zu schicken, handgeschrieben, so wie ihr früher eure Beziehungen gepflegt habt. 

Es war ein Geschenk an euch, ich wollte mir bewusst Zeit zum Schreiben nehmen.

(Bild: unsplash.com/ Alvaro Serrano)
Drei Monate hat das geklappt. Dann habt ihr beide noch ein paar Mal geschrieben, ich habe nicht mehr geantwortet. Das tut mir heute noch leid.  

Ich werde jetzt ans Telefon gehen, wenn ihr euch meldet, selbst wenn ich euch sagen muss, dass ich später zurückrufe. Ich möchte mich selbst bei euch melden und wissen, wie es euch geht. Ob ihr euch einsam fühlt manchmal. Und was ich dann für euch tun kann. 

Ich hoffe, ihr wisst: Ihr seid nicht alleine.

1000 Küsse

Nadin 

Diese Fragen kennst du, wenn du an Weihnachten deine Familie wieder siehst: 


Fühlen

Wenn Frauen nicht viel anhaben, bekommen sie weniger Mitgefühl

Du hältst dich für sehr aufgeschlossen und beurteilst Menschen nicht nur nach ihrem Äußeren? Das ist toll! Leider macht dein Gehirn trotzdem manchmal, was es will. Ohne, dass du es beeinflussen kannst. 

Genau das haben nun mal wieder einige Forscher gemerkt: In einer Studie wollten sie herausfinden, ob wir Frauen anders wahrnehmen, wenn sie leicht bekleidet sind. 

Das Ergebnis: Wenn Frauen als Sexobjekte dargestellt werden, fühlen wir uns ihnen nicht so verbunden – und nehmen sie als weniger menschlich wahr.