"Als hätten wir einen gemeinsamen Pfad, auf den wir immer wieder zurückkommen"

Eineiige Zwillinge teilen nicht nur die Erbanlagen: Schon im Mutterleib sind sie zusammen, als Kinder werden sie ständig verglichen und verwechselt. Ihre besondere Verbindung hält meist ein Leben lang an.

Für bento blicken vier Zwillingspaare darauf zurück, wie sich ihr Verhältnis seit ihrer Kindheit verändert hat. 

Dafür haben wir ein altes Kinderfoto nachgestellt – und uns von beiden Geschwistern erzählen lassen, was ihre Beziehung ausmacht.

Um zu sehen, wie die Zwillinge sich verändert haben, klicke auf die Pfeiltasten!

Assan und Ousainou, 28

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Assan (links):

In unserer Kindheit haben Ousainou und ich alles zusammen gemacht. Es war kein Zwang, wir hatten einfach Lust auf den gleichen Sport und die gleichen Dinge. Bis wir 15 waren, hatten wir ein gemeinsames Zimmer. Das war cool – aber irgendwann möchte man natürlich etwas mehr Privatsphäre.

Auch jetzt, wo wir in unterschiedlichen Städten wohnen, fühlt es sich nicht so an, als wäre eine Distanz zwischen uns. Wir entwickeln uns sehr ähnlich: Oft stellen wir fest, dass wir gleichzeitig Bücher über ähnliche Themen lesen. Es fühlt sich so an, als hätten wir einen gemeinsamen, festen Pfad, auf den wir immer wieder zurückkommen, auch wenn wir zwischendurch unsere eigenen Wege gehen.

Ousainou (rechts):

Es gab definitiv Momente, in denen ich mir gewünscht hätte, individuell beurteilt und betrachtet zu werden. In meiner Jugend wollte ich phasenweise klarmachen, dass ich anders bin. Viele Menschen gehen davon aus, dass wir, weil wir gleich aussehen, auch die gleichen Menschen sind.

Auch heute gibt es noch solche Situationen. Ein Beispiel: Wir modeln beide. Manchmal hatten wir nur eine Sedcard zusammen, obwohl wir auch allein arbeiten und nicht unbedingt Zwillinge gesucht werden. Bei anderen Buchungen wurde uns gesagt, dass es dem Kunden egal sei, wer von uns beiden den Job macht und wir das untereinander klären sollen.

Wir nehmen uns aber nicht als Konkurrenten wahr. Mittlerweile würde ich sagen, dass wir uns beide als individuelle Charaktere gefunden haben. Deshalb sehe ich es nun als Geschenk, einen Zwillingsbruder zu haben.

Ricarda und Myriam, 25

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Myriam (rechts):

Im Kindergarten waren Ricarda und ich zunächst in getrennten Gruppen. Aber wir haben so lang geweint, bis wir doch zusammen durften. Auch in der Grundschule waren wir in einer Klasse, auf der weiterführenden Schule wurden wir wieder getrennt. Das wollten wir selbst – damit wir nicht ständig aufeinander hängen, uns persönlich weiterentwickeln und eigene Freunde finden. 

In der Oberstufe hatten wir wieder dieselben Leistungskurse und unser Freundeskreis hat sich stark vermischt. Nach dem Abitur sind wir in unterschiedliche Städte gezogen – eine bewusste Entscheidung. Jetzt telefonieren wir alle zwei, drei Tage – Ricarda ruft meist an, wenn sie irgendwo hinläuft und ihr langweilig ist. Eigentlich weiß ich immer, was sie macht und wie es ihr geht.

Ricarda (links):

In der Grundschule trugen wir beide eine Brille, aber in unterschiedlichen Farben. Manchmal haben wir sie vertauscht, um für Verwirrung zu sorgen. Mit 14 habe ich mir einen Pony schneiden lassen und die Haare dunkel getönt, auch, damit wir unterschiedlicher aussehen.

Mittlerweile werden wir nicht mehr verwechselt, häufig sogar nur für Geschwister gehalten. Wir sind sehr unterschiedliche Typen, fühlen uns selbstständig und werden deshalb als eigenständige Personen wahrgenommen. Das liegt wohl auch an der Erziehung: Unsere Eltern haben uns immer individuell behandelt und nicht als "die Zwillinge" gesehen. 

Früher haben wir uns oft gestritten. Seitdem wir nicht mehr in der gleichen Stadt wohnen, ist unser Verhältnis viel besser geworden. Wir schreiben uns täglich, aber sehen uns nicht so häufig –  meist nur an Feiertagen und Geburtstagen. Auf der Geburtstagsparty der anderen sind wir allerdings fast nie dabei, weil wir an dem Tag selbst mit Freunden feiern.

Sarah und Elena, 19

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Sarah (links):

Elena ist der wichtigste Mensch auf der Welt für mich. Wir waren immer in einer Klasse und haben in der Oberstufe gemeinsam entschieden, Deutsch und Mathe als Leistungskurse zu wählen. Dieses Jahr haben wir Abitur gemacht und überlegen nun zusammen, was wir studieren und wo wir wohnen wollen. 

Es ist schön, Zwilling zu sein, aber natürlich nervt es, immer nur gemeinsam wahrgenommen zu werden. Vor Kurzem haben wir als Animateure in der Türkei gearbeitet. Nach einer Show wurde jeder einzeln vorgestellt, nur Elena und ich wurden zusammen aufgerufen – das fühlte sich komisch an.

Elena (rechts):

Die längste Zeit, die wir jemals getrennt waren, waren vier Tage. Wenn eine von uns einen Arzttermin hat, kommt die andere mit und wartet im Wartezimmer, das ist selbstverständlich für uns. Wenn ich allein unterwegs bin, fühle ich mich schwächer und weniger mutig. 

Wir haben einen sehr ähnlichen Männergeschmack, aber Probleme gab es deshalb noch nie. Einmal fanden wir denselben Typen gut, deshalb haben wir uns darauf geeinigt, dass wir beide den Kontakt zu ihm abbrechen.

Richtige Konkurrenz gab es bei uns nur in der Schule, Sarah hatte oft bessere Noten als ich. Das war manchmal hart. Aber einmal war es nützlich: da hat sie hat eine Biologie Klausur für mich geschrieben. Unsere engen Freunde wussten davon, die anderen Mitschüler und die Lehrerin haben es nicht bemerkt – stattdessen lobte sie mich später für meine gute Arbeit.

Andrea und Dorina, 25

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Andrea (rechts):

Als Kinder waren wir in der gleichen Klasse und hatten dieselben Hobbys. Dadurch wurden wir viel verglichen – und sahen uns auch selbst als Konkurrentinnen. Im Nachhinein würde ich das anders machen und jeder Familie raten, ihre Zwillinge in der Schule zu trennen. 

Heute wohnen wir noch immer zusammen, studieren aber unterschiedliche Fächer. Neben unserem gemeinsamen Freundeskreis haben wir nun auch jeweils eigene Studienfreunde – das tut unserem Verhältnis sehr gut.

Ich kann mich auf Dorina immer verlassen. Wenn wir uns sehen, brauchen wir nicht viele Worte, aber wir können über alles reden. Ich bin nie allein. Das ist schön – aber ich denke, ich wäre selbstständiger geworden, wenn ich keine Zwillingsschwester hätte. 

Dorina (links):

Früher waren Andrea und ich ein wenig wie ein altes Ehepaar. Während unsere Freundinnen ihre Freunde dabei hatten, waren wir immer zu zweit. Wir konnten einfach in unserer eigenen, gemeinsamen Welt leben und hatten nicht das Bedürfnis, nach außen Kontakt zu knüpfen. Ich musste nicht rausgehen, um nicht allein zu sein – denn meine Schwester war ja immer zu Hause. 

Es ist schön, dass da jemand ist, der mich versteht. Andererseits habe ich mich oft eingeschränkt und kontrolliert gefühlt, weil ich nie allein war.

Nach dem Abitur bekamen wir die gleichen Zusagen für Unis. Die Entscheidung, unterschiedliche Wege zu gehen, fiel uns schwer. Aber ich bin sehr froh, dass wir es so gemacht haben. Im Studium habe ich meine beste Freundin kennengelernt und bin selbstständiger geworden.

Alle Fotos: Annika Eliane Krause. Besuche ihr Portfolio oder ihre Webseite für Hochzeitsfotografie, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.

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Food

Pils, Weizen, Kölsch – wie viele Kalorien haben die verschiedenen Biersorten?

Ein Bier ist manchmal wie ein Stück Schokolade – es geht einfach um den Genuss, die Kalorien sind egal. Doch jetzt wollen der Deutsche Brauer-Bund und der Verband Privater Brauereien in Deutschland uns verstärkt darauf aufmerksam machen, dass Bier nicht nur Alkohol enthält – sondern auch Kalorien. Sie haben beschlossen, freiwillig ihre Nährwertangaben auf allen Bieren und Biermischgetränken anzugeben.

Die Kennzeichnung soll jetzt schrittweise eingeführt werden. Die EU-Kommission hatte zuvor auf einen solchen Schritt gedrängt (SPIEGEL ONLINE). 

Bis die Angaben also auf den Flaschen auftauchen, dauert es noch ein wenig. Wir haben schon einmal bei den Brauereien nachgefragt. 

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