Bild: Dubai Media Office

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind nicht für ihre Gleichberechtigung bekannt. Die kleine Staatengemeinschaft direkt neben Saudi-Arabien wird von mehreren Männern beherrscht, im Gleichberechtigungsindex der Vereinten Nationen liegt das Land auf Platz 49.

Anscheinend versuchen sich die Herrscher zu bessern – tun es aber trotzdem nicht. 

Dubai, Teil der Emirate, hat jetzt einen Preis für Gleichberechtigung ausgerufen. Einmal jährlich werden Menschen gewürdigt, die die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern im besonderen Maße voranbringen. Aber Frauen spielen dabei keine Rolle.

Die Gewinner des Gender-Gerechtigkeits-Preis in Dubai in diesem Jahr: 4 Männer, 0 Frauen.

Gewürdigt wurde die "Beste Persönlichkeit bei der Unterstützung von Gender-Gerechtigkeit", außerdem gab es zwei Preise. Einen für die beste Regierungsstelle und einen für die beste Initiative zum Thema. (Dubai Government)

Mohammad bin Raschid al-Maktoum, der Emir von Dubai, hat die Preise vergeben und auf Twitter stolz die Gewinner verkündet. Auch das "Dubai Media Center" hat Bilder der Verleihung geteilt. Das sieht dann so aus:

Viele junge Araberinnern und Perserinnen können es einfach nicht fassen:

Dass nur Männer ausgezeichnet wurden, liegt wohl schlicht und einfach daran, dass nur Männer in den Ämtern sitzen, in denen was bewegt werden kann. Ein Preis ging so zum Beispiel an den Innenminister – er wurde dafür gelobt, den Mutterschaftsurlaub beim emiratischen Militär eingeführt zu haben. (Al-Jazeera)

Scheich Raschid al-Maktoum lobte bei der Preisvergabe die Rolle der Frauen – und bemerkte wahrscheinlich nicht mal selbst die Ironie. "Wir sind stolz über die Erfolge emiratischer Frauen [...], Gender-Gerechtigkeit wurde zu einer wichtigen Säule unserer Behörden."

Es waren sogar Frauen bei der Vergabe anwesend: Sie durften die Preise anreichen, die Raschid al-Maktoum dann an die Männer vergab.

Ein Video, dass der Emir auf Instagram geteilt hat, zeigt das ganz gut:

Das Unvermögen der Scheichs, die Schieflage ihres Preises nicht zu erkennen, animierte viele junge Araberinnen und Araber, auf Twitter mit Häme und Memes auf das Dubai-Männerfoto zu reagieren.

Diese Nutzerin hat eine Idee, wie wohl die Jury tagte:

Diese Nutzerin kennt das Problem aus anderen Ecken der islamischen Welt:

Diese Frau regt sich einfach nur auf:

„Das ist so falsch, dass man schon nicht mal mehr die Ironie sieht.“

Dieser Typ dreht es ins Lächerliche:

„Gott sei gesegnet, ein großer Gewinn für Gender-Gerechtigkeit!“

Und diese beiden sind sich einig, dass die emiratischen Scheichs vielleicht auch Frauen sind – immerhin sind Geschlechteridentitäten heute so vielschichtig:

Und diese Nutzerin ist sich sicher: Applaus hat hier keiner verdient.

Auch unabhängig vom Gleichberechtigungs-Index oder vergoldenen Plaketten für Gender-Preise gibt es im Umgang mit Frauen in den Vereinigten Arabischen Emiraten große Probleme. 

Das prominenteste Beispiel ist der Herrscher von Dubai selbst.

Scheich Raschid al-Maktoum soll seine eigenen Tochter entführt haben und zu Hause einsperren. Scheikha Latifa ist 33 Jahre alt und wollte ein selbstbestimmtes Leben führen, irgendwo studieren. So schildert sie es in einem Video, dass sie heimlich aufgenommen hat.

Vor knapp einem Jahr floh sie in einer spektakulären Aktion aus Dubai, mit einer Yacht fuhr sie gen Indien und hoffte dann auf ein US-Visa. Kurz vor der Ankunft wurde die Yacht von Söldnern geentert, Latifa wurde verschleppt. Knapp ein Jahr wussten Menschenrechtler nicht, ob sie noch lebt – dann zeigte die Emir-Familie Bilder, auf denen sie wie unter Drogen wirkt. Sie lebt nun wieder im Palast ihres Vaters, wie in einem goldenen Käfig.


Grün

Darum sind Gurken mit Plastikhülle manchmal nachhaltiger als ohne
Rindfleisch oder Avocado, Glas oder Plastik? Unser großer Nachhaltigkeits-Check

Nachhaltig einkaufen und leben wollen viele. Aber wie es richtig geht, ist umstritten: Sind Verpackungen aus Glas oder Plastik besser? Sollten wir die eingeschweißte Bio-Gurke kaufen oder lieber die konventionelle, die immerhin unverpackt ist? 

Wir haben nachgefragt: Bei Nils Rettenmaier, Experte für Ernährung und Biomasse am Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, und bei Benedikt Kauertz, der sich dort mit der Umweltbewertung von Verpackungen beschäftigt.

Was haben wir in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz eigentlich selbst in der Hand?

Der Planet wird immer wärmer, Brasiliens Präsident will den Regenwald abholzen, Plastik verdreckt die Meere. Können wir da mit unseren kleinen Entscheidungen überhaupt etwas bewirken? Ja – sagt Nils Rettenmaier. "Die Ernährung hat einen relevanten Anteil an den Treibhausgas-Emissionen eines Bundesbürgers: etwa 15 Prozent", erklärt er. "Pro Kopf liegen die Emissionen bei durchschnittlich etwa 11,6 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr – davon macht die Ernährung im Durchschnitt etwa 1,74 Tonnen aus." Natürlich ist die Bandbreite dabei groß: Wer sich extrem fleischlastig ernährt, hat höhere Werte als bewusste (und vielleicht sogar vegane) Bio-Käufer.