Dr. Mark Benecke erklärt.

Du feierst mit Freunden, jemand bietet dir eine Pille an, du schluckst sie und siehst unheimliche Dinge, selbst in den Tagen danach verfolgt dich der Horror.

So geht es Hauptfigur Tina in "Der Nachtmahr". Der neue Kinofilm zeichnet ein unheimliches Bild der Berliner Clubszene.

Viele Filme vermitteln den Eindruck, dass Partygänger auf Drogen regelmäßig Psychotrips erleben, mit Halluzinationen und Verfolgungswahn. Auch in "Berlin Calling" und "Das weiße Rauschen" verlieren junge Menschen unter Drogeneinfluss die Kontrolle über ihren Verstand.

Wie viel hat dieser Film-Horror mit der Realität gemein?

Darüber haben wir mit Mark Benecke gesprochen, einem der bekanntesten Kriminalbiologen in Deutschland. Er ist, wie er sagt, mit “ziemlich vielen verrückten Leuten” befreundet. Was auch erklären könnte, warum er Drogen gegenüber sehr liberal eingestellt ist. Er findet: Wenn man ein paar Regeln beachtet, könne man durchaus interessante Erfahrungen machen. Zu seinen Regeln gehört auch, ausschließlich mit "psychotropen Drogen" zu experimentieren, wie zum Beispiel MDMA, LSD oder Pilzen.

Information: Psychotrope Drogen

Es gibt unzählige Drogen, unterschiedlich zusammengesetzt, unterschiedlich verpackt. "Psychotrop" bedeutet auf die Psyche wirkend, und das sind per Definition eigentlich alle Drogen – auch Koffein.

Wenn Mark Benecke hier über psychotrope Drogen spricht, meint er aber Substanzen, die die Wahrnehmung stark verändern können, jedoch nicht so schnell abhängig machen. Also kein Crystal Meth, und schon gar kein Heroin.

Unter bestimmten Umständen hält er den (seltenen!) Konsum von solchen psychotropen Drogen für unbedenklich. Es gibt viele Mediziner und Therapeuten, die diese liberale Einstellung nicht teilen, sie sogar heftig kritisieren. Denn längst ist noch nicht alles über die Langzeitfolgen bekannt. Auch befürchten Kritiker einer liberalen Drogenpolitik, dass gelegentliche Partykonsumenten schneller auf härtere Drogen umsteigen könnten.

Grundsätzlich gilt: Alle Drogen können schaden. Deshalb wollen wir mit diesem Artikel auch niemanden zum Experimentieren animieren. Wir wollen nur all jene informieren, die es ohnehin schon tun.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Trip mit psychotropen Drogen im Albtraum endet?

Die typischen Partydrogen wie MDMA führen zu einem Gefühl der Leichtigkeit. "Außerdem macht MDMA dich empathischer. Du hast jeden lieb und am Ende des Abends 20.000 neue Telefonnummern auf deinem Handy", sagt Benecke. Richtig fiese Psychotrips seien bei reinem MDMA unwahrscheinlich – gefürchtet sei hier vielmehr das Stimmungstief, das auf die Euphorie folgt.

Filmreife Halluzinationen sind zwar möglich – aber selten. "Mit sehr hohen Dosen von LSD kann es beispielsweise durchaus vorkommen, dass auf einmal die Schlümpfe an dir vorbei hüpfen." Aber: "Wenn du so weit bist, kannst du nicht mehr tanzen oder mit deinen Freunden labern."

In der Fotostrecke: Szenen aus dem neuen Kinofilm
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Wie kann eine Substanz überhaupt meine Psyche beeinflussen?

Drogen wirken auf die Neurotransmitter, die in unserem Gehirn Informationen übermitteln. Einfach gesagt können sie dadurch beeinflussen, was wir fühlen und wie wir unsere Umwelt wahrnehmen. "Drogen können die Gesamtverschaltung unseres Gehirns verändern und Erinnerungen, Ängste und Emotionen neu verknüpfen", sagt Benecke.

Kann ich auch Tage nach dem Trip noch Wirkungen spüren?

"Dass die psychischen Effekte anhalten, ist bei psychotropen Drogen unwahrscheinlich," sagt Benecke. "Der Durchnittsmensch wird von einem Trip vor allem Erinnerungen behalten." So hat er schon öfter Menschen erlebt, die auf Pilzen "eine Art Einheit von Menschen, Tieren, Pflanzen, Steinen und Wolken" gefühlt haben – und danach unter anderem kein Fleisch mehr essen wollten.

Was macht einen fiesen Psychotrip wahrscheinlicher?

Grundsätzlich sollten Menschen mit psychischen Problemen die Finger von Drogen lassen, empfiehlt Benecke: "Wenn du zum Beispiel eine Neigung zu Psychosen hast, kannst du leichter auf dem Trip kleben bleiben."

Es kann auch passieren, dass während eines Trips unangenehme Erlebnisse aus der Vergangenheit hoch kommen. "Mit manchen psychotropen Drogen kannst du auf dein Leben gucken und wie mit Vor- und Zurück-Tasten zu bestimmten Ereignissen spulen." Ohne einen Therapeuten sollten traumatisierte Menschen das nicht erleben, sagt Benecke. Auch sollte man sich nie von Freunden überreden lassen.

(Bild: Koch Films)

Eine Regel gelte außerdem immer: Bleib bei einer Substanz. Die Kombination verschiedener Drogen kann zu unerwarteten und gefährlichen Wirkungen führen. Deshalb rät Benecke: "Nicht mischen! Auch nicht mit Alkohol."

Und wenn ich doch mal auf einen gruseligen Trip komme?

Benecke empfiehlt: Wenn du das Gefühl hast, die Kontrolle über deine Gedanken zu verlieren, solltest du dir vorstellen, du wärst ein 'Psychonaut' – also ein Forschungsreisender in der eigenen Psyche. "Du bist zwar nicht auf deinem normalen Terrain, aber hast trotzdem noch deine Ausrüstung dabei." Das soll helfen, die Distanz zum Geschehen zu bewahren und sich weiterhin als Herrscher der Situation zu fühlen.

Am wichtigsten sind in jedem Fall aber Freunde, die ein Auge auf dich haben: "Kümmert euch umeinander!", sagt er.

Woher weiß ich, dass ein Freund Hilfe braucht?

Benecke sagt: "Freunde merken das." Wenn jemand einen verstörten Eindruck macht und auf Zureden nicht mehr reagiert, helfe die Technik des "Runterlaberns":

"Psychotrips sind vor allem Aufmerksamkeits-Veränderungstrips." Deshalb solltest du versuchen, die Aufmerksamkeit des Betroffenen auf etwas anderes zu lenken als die Vorgänge in seinem Kopf. "Geh zu deinem Freund, nimm seine Hand, sag: 'Hörst du mich? Wenn es dir gut geht, drück meine Hand einmal – wenn nicht, drück zweimal.'"

Sobald jemand aber den Eindruck macht, bewusstlos zu werden: Nicht zögern und professionelle Hilfe zu rufen! "Keine Angst, im Krankenhaus oder in der Psychiatrie wird euch niemand wegen illegaler Drogen im Blut verpfeifen. Ärzte und Ärztinnen haben schließlich Schweigepflicht."

Kinofilm: "Der Nachtmahr"

Tina ist 17 und lebt in Berlin. Ihr Leben findet irgendwo zwischen Klassenraum, Vorstadtvilla und Berghain statt. Diese Routine gerät aus den Fugen, als sie eines Nachts im Drogenrausch eine verstörende Erfahrung macht – und sich von nun an von einem albtraumhaften Wesen verfolgt fühlt, das nur sie sehen kann.

Regisseur Akiz hat "Der Nachtmahr" als ersten Teil einer "Geburt-Liebe-Tod"-Trilogie geplant. Mit dem Flair der Berliner Clubszene versucht er, das Genre des deutschen Horrorkinos neu zu beleben. Tatsächlich trösten Techno-Soundtrack und Strobo-Effekte weitestgehend über logische Schwächen und Wilson Gonzalez Ochsenknecht auf der Besatzungsliste hinweg. Sehenswert!

Ab 26.05.2016 im Kino.


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