Unsere Autorin berichtet von ihrem Ersten Mal zu dritt.

Die Vorbereitung

"Was hältst du eigentlich… von einem Dreier?" Ich druckste herum, als ich meinem Freund Paul diese Frage stellte, an einem kuscheligen Sonntag im Bett.

Neun Monate nach unserem Kennenlernen sprachen wir zwar offen miteinander – aber ging diese Frage zu weit?

Offensichtlich nicht: "Ehrlich gesagt… stelle ich mir das ziemlich heiß vor", antwortete er.

Eine sexuelle Erfahrung mit einer dritten Person, gemeinsam, als Paar – das stellten wir uns aufregend und gleichzeitig verbindend vor. Naiv? Oder realistisch?

Zur Vorbereitung taten wir erst mal vor allem eines: reden. Über No-Gos. "Ich möchte nicht, dass ein anderer Mann dich leckt", sagte er. "Doppelpenetration stelle ich mir zu krass vor", sagte ich. Genau wie über Wünsche von ihm: "Ein Blowjob von zwei Frauen gleichzeitig, davon habe ich schon immer geträumt." Und mir: "Einen Mann zu reiten, während du mich leckst, wäre unglaublich."

Auch Ängste teilten wir: Dass wir unsere Offenheit überschätzten und es in einem Eifersuchtsfiasko enden könnte. Oder, dass es mit der dritten Person im Bett nicht harmoniert und peinlich berührt endet.

Das Geschlecht möglicher Mitspieler interessierte uns dabei weniger: Als Bisexuelle stellte ich mir beide Varianten erregend vor. Paul ist zwar hetero, doch ihn machte schon die Vorstellung an, mich gemeinsam mit einem anderen Mann zur Ekstase zu bringen.

Vor allen Dingen wollten wir, dass wir uns mit der dritten Person gut verstehen. Doch wie findet man jemanden, der passt?

Wir versuchten es zunächst mit einer gemeinsamen Freundin, die dann aber übers Knutschen nicht hinausgehen wollte. Und bei einem bis dato unbekannten Partygast fehlte Paul die Vertrauensbasis.

Dann erinnerte ich mich an Victor.

Einige Jahre zuvor hatten wir eine kurze, leidenschaftliche Affäre; seit er einige hundert Kilometer weit weg wohnte, hatten wir nur noch selten Kontakt. Victor hatte mir mal erzählt, dass auch er Lust auf einen Dreier hatte.

Vier Monate später, es waren gerade Semesterferien, rief ich ihn eines Abends an.

"Paul und ich möchten einen Trip machen. Und außerdem, diese Idee damals, zu dritt… bist du noch interessiert?"
Kurz Stille.
"Kommt doch einfach vorbei."

Die Ankunft

Eine Woche später standen wir mit unseren Rucksäcken in Victors Studentenbude. Auf dem Herd kochte Hühnchen in Sahnesoße. Nach einer Weile Smalltalk hüpfte ich unter die Dusche und ließ die Jungs allein.

Erst aßen wir gemeinsam und tranken etwas Wodka-Cranberry, um uns locker zu machen – aber ohne die Kontrolle zu verlieren. Dann zogen wir los in eine Bar. Während wir Bier tranken, flüsterte Paul mir Anweisungen ins Ohr: "Flirte mit Victor. Fass ihm an den Hintern." Ich verspürte den dringenden Wunsch, Victor zu küssen. Aber ich traute mich nicht. Noch nicht.

Nach zwei Drinks machten wir uns auf den Rückweg. Die Jungs unterhielten sich über Studium, Beruf, Lieblingsbands. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Kein Druck, nur freudige Erwartung.

Die Nacht

Zurück in der Wohnung setzten wir uns aufs Bett. "Entspann dich einfach", sagte Paul. "Wenn es dir zu viel wird, sag bitte Bescheid", antwortete ich. Doch er lächelte nur, strich mir das Haar aus dem Gesicht, gab mir einen Kuss und zog mir das Shirt aus. "Victor, hat sie nicht wunderschöne Brüste?", fragte Paul.

Das Gehirn ist das größte Sexualorgan, sagt Sexologin Ann-Marlene Henning. Das spürte ich jetzt ganz deutlich: Wie die beiden Männer über mich sprachen, erregte mich mindestens so sehr wie ihre Berührungen.

Ist es nicht stressig, zwei Männer gleichzeitig zu befriedigen?

Ich blickte zu Paul, flüsterte: "Alles okay?" Er lächelte und ich entspannte mich. Später erzählte er: "In dem Moment habe ich dich rein sexuell betrachtet. Deshalb hat es mich erregt, nicht eifersüchtig gemacht."

Wenn ich mit engen Freunden und Freundinnen über unseren Plan und später dann über das Erlebnis sprach, hatten – vor allem Frauen – immer die gleiche Frage: "Ist es nicht stressig, zwei Männer gleichzeitig zu befriedigen?"

Stressen ließen wir uns einfach nicht. Wir wollten in dieser Nacht vor allem die Dynamik zu Dritt genießen, sich gegenseitig beobachten und beobachtet werden, herausfinden, wem was gefällt. Morgens um 4 Uhr sagten wir uns erschöpft Gute Nacht. Ich lag in der Mitte.

Nachts wurde ich wach, weil Paul den Arm um mich legte. Dann stieß er mich wieder weg. Als ich gerade halbwegs bequem bei Victor lag, spürte ich, wie Paul an mir zerrte. Ich war nervös: Folgte auf die Nacht Katerstimmung und Reue?

Der nächste Morgen

Doch dann spürte ich Pauls Hände auf mir. "Wie, nochmal?" fragte ich verwirrt. "Wenn du noch kannst", sagte Paul und lachte.

Doch als ich Paul nach dieser zweiten Runde zufrieden anlächelte, schaute ich in ein ernstes Gesicht voller Anspannung. Victor hingegen schien bester Stimmung zu sein: "Wollen wir was essen gehen?"

Leicht verkatert und völlig erschöpft saßen wir schließlich in einer Pizzeria. Die Stimmung war okay, aber Paul gab sich recht wortkarg, deswegen verabschiedeten wir uns bald und stiegen in den Zug.

War es doch zu viel?

Der Paar- und Sexualtherapeut Tobias Ruland sagt, natürlich bestehe bei so einem Experiment die Gefahr, sich zu überfordern und die Eifersucht nicht mehr kontrollieren zu können.

"Man sollte während und nach so einer Erfahrung offen miteinander sprechen und sich nicht scheuen, auch schwierige Gefühle zu kommunizieren. Die Grundregel ist Ehrlichkeit und Respekt."
Erotik lebt auch vom Reiz des Unbekannten und Verbotenen.
Tobias Ruland, Paar- und Sexualtherapeut

Die Zeit danach

An diesem Nachmittag lief ich völlig überdreht an Pauls Hand durch die Stadt, immer wieder begann ich zu kichern. "Du kannst kaum glauben, was passiert ist, hm?", fragte Paul grinsend. Wir fühlten uns beide ein bisschen high: Wir waren partners in crime.

"Ein gemeinsamer besonderer Moment ist immer etwas sehr Verbindendes für ein Paar", sagt Ruland. "Das kann in allen Bereichen sein, von Urlaub bis zur sexuellen Grenzüberschreitung. Man kann immer wieder sagen: 'Weißt du noch, damals…'"

In den folgenden Monaten sprachen wir ab und an über dieses Wochenende. Paul konnte die Erfahrung schwer in Worte fassen: "Ich war sexuell unglaublich erregt, und emotional fuhr ich Achterbahn. Ich habe keinen Plan, welche psychischen Vorgänge da abliefen, aber es war eine der besten Nächte meines Lebens."

Erst im Nachhinein gestand er mir: Er hatte es für möglich gehalten, dass diese Erfahrung uns emotional distanzieren könnte. Es enttäuschte mich, dass er mir das nicht vorher gesagt hatte. Denn dann hätte ich mich womöglich gar nicht auf das Risiko eingelassen. Jedoch: "Es hat absolut nichts an meinen Gefühlen geändert, auch nicht vorübergehend. Das hat mich fast erstaunt", stellte er einige Monate später fest.

Ruland sagt dazu:

"Erotik lebt auch vom Reiz des Unbekannten und Verbotenen. Und solange die Eifersucht nicht Überhand nimmt, kann ein solches Erlebnis sehr erregend sein, vor allem auch visuell: Man hat sozusagen einen Liveporno vor sich. Wovon man erregt wird und was einem zu viel wird, variiert aber auch und kann bei ein und derselben Person tagesformabhängig sein."

Manche Paare integrieren nach so einem Experiment dauerhaft eine dritte Person in ihr Liebesleben, entscheiden sich gar für eine offene Beziehung – wir aber wollten das nicht. Wobei wir es schon wenige Wochen nach Victor noch mal spontan mit einer Frau im Bett landeten.

Nach diesen beiden Erlebnissen wussten wir unsere Zweisamkeit wieder besonders zu schätzen. Und wir vertrauten einander noch mehr als vorher. Wir wussten, dass das Berühren einer anderen Person uns nichts wegnimmt. Dass wir das nur gemeinsam erleben möchten. Dass wir uns auch selbst genügen und gegenseitig auf uns achten.

Denn: Die Dreier waren ein Abenteuer, ein sexy Extra. Aber sicher nicht besser als unser perfekt eingestimmter Sex zu zweit.

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