"Ich glaube, viele andere Frauen trauen sich das nicht."

Egal, wie gleichberechtigt viele Paare ihre Beziehungen leben: Beim Heiratsantrag werden auch Paare überraschend altmodisch, die sich Rechte und Pflichten teilen. 

Viele wünschen sich irgendwas mit Sonnenuntergang, Feuerwerk, Paris – und einem Mann, der auf die Knie sinkt. 

Warum eigentlich? Und wie fühlte es sich an, wenn die Frau den Antrag macht?

Wir haben mit drei Paaren darüber gesprochen. 

Jochen Drewke und Judith Drewke

"Ich bin ich eine selbstbewusste Frau."
Judith

Judith

"Als Mädchen hatte ich natürlich auch die romantische Vorstellung im Kopf, dass der Mann mich fragt. Es wird Frauen vorgemacht – von Medien, aus Filmen und von anderen Freundinnen – dass der einzige romantische Heiratsantrag der vom Mann ist. Das setzt ihn natürlich unter Druck. Jochen wurde nach Urlauben mit mir von seiner Familie belächelt, nach dem Motto: 'Jetzt hast du ja schon wieder eine Gelegenheit verpasst, sie zu fragen.' Ich glaube, vielen Männern wäre es deswegen recht, wenn die Frau den Antrag machen würde. Aber auch wir Frauen können unglücklich werden, wenn wir immer nur warten. Das wollte ich nicht und dachte: 'Du kannst doch genauso fragen!‘"

Meine Familie hingegen war teilweise sehr skeptisch
Jochen

Jochen

"An unserem 14. Jahrestag, am 15. Juni 2017, hat Judith mir den Antrag gemacht. Wir waren mit unserer Tochter im Zoo, im Restaurant essen und danach am Rhein spazieren. Dort haben wir uns auf eine Bank gesetzt. Judith hat mir einen Brief vorgelesen und mich gefragt, ob ich sie heiraten will. Ich fand es cool, dass sie sich das getraut hat. Ich glaube, viele andere Frauen trauen sich das nicht."

Judith

"Ich bin eine selbstbewusste Frau. Und ich wusste, dass ich glücklich mit ihm bin. Deswegen dachte ich: Das ist doch falsche Eitelkeit, dass ich ewig darauf warte, dass er mich fragt. Im Nachhinein bin ich stolz darauf, dass ich das Zepter in die Hand genommen habe. Wir haben eine sehr gleichberechtigte Beziehung. Bei uns gibt es keine Männer- oder Frauenrollen. Trotzdem hatte ich Angst, dass er enttäuscht sein könnte, dass ich ihm die Gelegenheit genommen habe, mir einen Antrag zu machen", sagt sie.

Jochen

"Ich hatte zwar auch schon einen Antrag geplant, aber war auch ganz froh, dass Judith mir die Planung abgenommen hat. Meine Familie hingegen war teilweise sehr skeptisch. Meine Schwester meinte, es gehe gar nicht, dass die Frau den Heiratsantrag macht.“

"Auch ein paar Freundinnen haben danach zu mir gesagt, sie hätten das nie gemacht“, sagt Judith noch. "Die haben vielleicht eine eher prinzessinnenhafte Vorstellung einer Hochzeit."

Oliver Schumann und Berit Schumann

Oliver ist da eher der Romantiker bei uns
Berit

Berit

"Wir haben schon lange vor dem Antrag gemeinsam beschlossen zu heiraten. Schon bevor ich Oliver den Antrag gemacht habe, hatten wir die Hochzeit angemeldet und den Termin beim Standesamt gebucht. Das war zwar nicht sehr romantisch, aber das war mir auch nicht so wichtig. Ich brauchte nicht unbedingt einen Antrag und das ganze Drumherum. Oliver ist da eher der Romantiker bei uns."

Oliver

"Ich wollte eben gefragt werden. So richtig. Mit Kerzen und allem, was dazu gehört. Zur Hochzeit gehört schließlich ein Hochzeitsantrag. Deswegen haben wir auch abgemacht, dass Berit mir noch vor der Hochzeit einen Antrag machen wird. Auch, wenn ja schon lange feststand, dass wir heiraten werden. Mir kam nie der Gedanke, dass ich als Mann verpflichtet bin, die Frau zu fragen."

Berit

"Ich glaube, viele Paare hängen noch alten Rollenbildern an. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Konzept der Ehe eher traditionell ist. Das war bei mir und Oliver eher nicht so. Im August habe ich ihn dann gefragt. Als er mit unserem Hund draußen war, habe ich überall Kerzen aufgestellt und Kissen und Decken auf dem Boden verteilt – wie in einer Antrags-Szene aus „Friends“, Olivers Lieblingsserie. Als er wieder nach Hause kam, haben wir uns auf den Boden gesetzt und ich habe ihn gefragt, ob er mein Mann werden will. Nicht mal zwei Wochen später haben wir in einem kleinen Dorf an der Nordsee geheiratet. Ohne Gäste, nur mit unserem Hund. Und Oliver hat meinen Nachnamen angenommen.“

Michael Lehmann und Josefine Kujanek: 

Für mich hatte das auch etwas mit Unabhängigkeit zu tun
Josefine

Josefine

"Michael hätte mir wahrscheinlich einen Antrag auf der Couch gemacht. Ich wollte es aber spektakulär. Einen Antrag, von dem wir noch lange sprechen werden. Deswegen habe ich ihn gefragt: am 30. Dezember 2016 auf einem Punk-Konzert in Berlin. Zwar hatte ich schon länger darüber nachgedacht, einen Antrag zu machen, aber irgendwie kam nie der richtige Zeitpunkt. Mitten im Konzert dachte ich dann, dass hier eigentlich der perfekte Ort ist. 

Ich habe mich mit Freunden durch die Menge nach vorne an die Bühne gedrängelt. Irgendwann hat uns Toifel, der Sänger, bemerkt und meine Freunde haben ihm gesagt, dass ich meinem Freund einen Antrag machen wolle. Toifel hat mich auf die Bühne geholt und mir das Mikro in die Hand gedrückt. Das war schon krass, ich hatte mir ja nicht mal einen Text überlegt. Ein Lichtkegel wurde auf mich geworfen und der ganze Saal hat mich angestarrt. Irgendwie kam dann auch Michael nach vorn auf die Bühne, ließ sich vor mir auf die Knie fallen und nahm meine Hand – obwohl ja ich den Antrag machte. Wahrscheinlich dachte er, dass müssen Männer so machen.“

Michael

"Ich war einfach total aufgeregt. Als ich Josefine auf der Bühne sah, ahnte ich schon, was jetzt kommt. Ich hätte mich das nie getraut, denn ich bin eigentlich eher der ruhigere Typ von uns beiden. Deswegen hatten wir uns auch schon vorher darauf geeinigt, dass Josefine den Antrag macht. Ich finde, in einer Beziehung sollten beide gleichberechtigt sein. Mit diesen Männerklischees, dass der Mann den Antrag machen muss, kann ich nicht viel anfangen."

Josefine

"Für mich hatte das auch etwas mit Unabhängigkeit zu tun. Wenn ich als Frau jetzt heiraten will, warum sollte ich dann nicht auch den Antrag machen? Unsere Eltern und Großeltern mussten noch heiraten, um überhaupt eine Lebensgrundlage zu haben. Wir können heute selbst entscheiden, ob wir heiraten wollen. Die Frau genauso wie der Mann. Ich glaube, es dauert noch, bis solche Rollenklischees aufgebrochen werden.“


Gerechtigkeit

Saudi-Arabien gibt zu: Der Journalist Khashoggi ist im Istanbuler Konsulat umgebracht worden
Drei Fragen und Antworten zum Tod des Journalisten

Saudi-Arabien hat nun offiziell zugegeben, dass der regimekritische Journalist Jamal Khashoggi am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet wurde. Die arabische Nachrichtenagentur spa spricht von einem "tödlichen Streit" zwischen Khashoggi und mehreren Menschen innerhalb des Konsulats. 

Die Rede ist von "einem Faustkampf, der zu seinem Tod führte". 18 Menschen seien bereits verhaftet worden, unter anderem der Chef des Geheimdienstes und der Propaganda-Chef Saudi-Arabiens. Beide sind enge Vertraute des Kronprinzen Mohammed bin Salman. (SPIEGEL ONLINE)

Was ist zuvor passiert?

18 Tage lang hatte das Regime in Riad behauptet, keine Kenntnis über das Verschwinden von Jamal Khashoggi zu haben. Der Journalist habe das Konsulat des Königreichs in Istanbul am 2. Oktober lebend verlassen, hieß es bis zuletzt.  

Gleichzeitig wurde unter Berufung auf türkische Geheimdienstquellen und Fotos berichtet, dass Khashoggi in der diplomatischen Einrichtung gefoltert, von einem 15-köpfigen Spezialkommando getötet und zerstückelt worden sei. Die türkische Polizei ermittelte und durchsuchte das Konsulat und den Wohnsitz des zu dem Zeitpunkt bereits aus dem Land geflohenen Konsuls. Die Leiche des Journalisten, der unter anderem für die "Washington Post" schrieb, wurde bisher nicht gefunden. (Mehr dazu bei bento)

Khashoggi hatte im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen wollen.