Flucht nach vorn!

Brittany Gibbons hat schon einige Aktionen durchgezogen: Das Model gab im Badeanzug ein TV-Interview auf dem Times Square. Kurz darauf strippte sie auf der Bühne. Auf ihrem Blog und in ihren Büchern gibt sie außerdem Selbstliebe-Tipps für Frauen, die dem Size-Zero-Ideal nicht entsprechen.

Nach der Geburt ihres dritten Kindes aber konnte Brittany Gibbons ihren eigenen Körper plötzlich nicht mehr ertragen. Beim Blick in den Spiegel habe sie sich eines Tages verzweifelt gefragt: "Wer hat meine Mom hier reingelassen?“

Die Folge: Brittany zeigte sich nicht mehr nackt. Nicht vor sich selbst, nicht ihrem Mann. Vom Bad ins Schlafzimmer huschte sie verschämt, fast panisch, wenn er nicht im Raum war. Sex gab es nur noch selten, und dann zweifach abgesichert: im Dunkeln und unter der Decke.

Jetzt hat die Bloggerin mit mehreren Texten Einblick in ein extremes und extrem persönliches Experiment gegeben, das sie ihren Körper in dieser Phase wieder wirklich akzeptieren und lieben ließ:

Sie hatte ein Jahr lang jeden Tag Sex mit ihrem Mann.

Ein E-Mail-Austausch mit ihrem Mann Andy gab 2012 den Ausschlag. Auf die Frage, welche fünf Dinge er an ihrem Körper liebe, antwortete er in Stakkato-Form: "Hintern, Haare, Gesicht, Lippen, Brüste."

Auf ihren sarkastischen Kommentar ("Mach langsam, Casanova. Sei bloß nicht zu genau") schrieb er: "Um ehrlich zu sein, ich habe dich seit Jahren nicht komplett nackt gesehen."

Der Blogeintrag von Brittany(Bild: Brittany Gibbons )

Anstatt sich weiter zu verstecken, trat Brittany die Flucht nach vorn an: An jedem der kommenden 365 Tage sollte es mindestens einmal Sex geben. Ihr Mann stimmte zu. Ihre Entscheidung sei auch von Verlustängsten geprägt gewesen: "Ich hatte Angst, dass er das Interesse verliert."

Auf Instagram sammelt Brittany Schnappschüsse aus ihrem Leben, von ihrer Familie und von ihrer Arbeit als Model:
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Der Fokus aber änderte sich mit dem Experiment bald. "Ich wollte Sex auch genießen", schreibt Brittany. "Und der Schlüssel zu diesem Genuss war für mich, dass ich selbstsicher war und mich schön fand – und das war meine Reise, nicht seine.“

Was auf dieser Reise half? Banalitäten, wie zum Beispiel schöne Unterwäsche.

Anstatt wie vorher Schwangerschaftshöschen und 99-Cent-Schlüpfer zu tragen, kleidete sie sich neu mit sexy Pantys ein. Auch wenn die tagsüber unter ihren Jeans versteckt waren: "Sie gaben mir das Gefühl, umwerfend zu sein."

Wesentlich wichtiger aber war die Entwicklung, die in Brittanys Kopf stattfand. Die tägliche Konfrontation mit ihrem nackten Selbst habe sie langsam dazu gebracht, sich wieder mit ihrem Körper zu versöhnen. Nach drei Monaten kümmerten sie die Geräusche nicht mehr, die ihr Körper beim Sex machte.

Nach sechs Monaten legte sie das Bustier ab, in das sie ihren Oberkörper immer gezwängt hatte. Dass ihre Brüste dann weniger geformt aussahen? Brittany kümmerte es endlich nicht mehr – sie war zu sehr darauf konzentriert, den Sex zu genießen.

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Mit diesem wachsenden Selbstbewusstsein trat eine andere, wichtige Veränderung ein: Brittany formulierte klar und deutlich, was sie wollte, was sie mochte, was sie sich vom Sex mit ihrem Mann erhoffte. Ihr eigenes Unwohlsein und die selbstzerfleischenden Fragen zu ihrem Aussehen – langsam wurde sie zu ihrem eigenen Anwalt im Bett.

Das Experiment ist vorbei, Brittany und ihr Mann haben nicht mehr täglich Sex. Für Brittany aber war das Jahr voller Erkenntnisse, die auch jetzt noch nachwirken.

Die wichtigste davon ist vermutlich: "Es ging nie darum, dass irgendjemand mich will. Es ging darum, dass ich mich selbst will. Und ich musste nur ein komplettes Jahr flachgelegt werden, um das rauszufinden."

Noch mehr zu Brittany findest du auf CurvyGirlGuide.com und auf ihrem Blog "Brittany Herself".


Today

Damit nix wegkommt: Supermärkte sollen Lebensmittel spenden müssen

Wenn man nicht ganz aufisst oder wieder einmal abgelaufenen Joghurt aus dem Kühlschrank wegschmeißen muss, hat man noch seine Oma im Ohr: "Und anderswo müssen Kinder hungern."

Auch in Deutschland haben viele nicht regelmäßig zu essen, gleichzeitig bleibt in Supermärkten viel Essen übrig. Wieso werden die Geschäfte nicht dazu verpflichtet, abgelaufene aber noch gute Ware zu spenden? 87 Prozent der Deutschen würden so ein Gesetz für die gesamte Europäische Union befürworten. Das ergab eine Umfrage von infratest dimap im Auftrag der Organisation abgeordnetenwatch.de. (SPIEGEL ONLINE)