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Wir müssen reden.

Der Kreislauf des modernen Lebens: To-Do-Liste aufschreiben, durchstreichen, zerknüllen, schlafen gehen, next one. 

Zumindest bei mir sieht das so aus. Ich bin nämlich nicht besonders organisiert, ich habe große Probleme damit, mich an mehr als drei Dinge gleichzeitig zu erinnern, ich prokrastiniere sehr gerne und bin manchmal ganz schön chaotisch. Wahrscheinlich ist das Führen von Listen deshalb zu einer Art Sucht geworden:

 

Jeden Tag zehn bis fünfzehn Punkte, und erst wenn alles Strich um Strich abgearbeitet war, fühlte ich mich ruhig. Ich war schließlich produktiv und hatte mein Leben sowas von im Griff. 

Aber vor ein paar Tagen habe ich mein Notizbuch aufgeschlagen und alles, was ich gespürt habe, war eine unendliche Müdigkeit. Müdigkeit beim Gedanken daran, wieder zwanzig Dinge abzuarbeiten, wieder wie eine Angestellte meines eigenen Lebens meine Aufgaben zu erledigen, damit der Boss, der ich ja auch bin, zufrieden schlafen gehen kann.

 

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Ich will eine andere Liste. 

Da war plötzlich dieses Gefühl: Heute nicht. Und morgen auch nicht. Kein weiterer Tag nur Listen mit Aufgaben, die mich glücklich machen sollen, weil sie ja belegen, was für eine leistungsfähige, hochfunktionale Superperson ich bin.

Ich will eine andere Liste. Eine mit Dingen, von denen ich glaube, dass sie wirklich einen guten Tag ausmachen. Dass sie glücklich machen. Nicht perfekt, nicht dünn, nicht After-Joga-Glowy-Glow, sondern einfach: alles ein bisschen schöner. Eine To-Do Liste für einen Tag bis ein Jahr Urlaub von der To-Do Liste. Los geht´s:_

  • Geh in den Supermarkt und kauf nur ein, worauf du wirklich Bock hast. Nicht das, was gesund ist, nicht das, was du essen solltest. Nur das, was du wirklich essen willst.
  • Du machst heute mal keinen Sport, sondern du triffst dich mit deinen besten Freunden…
  • …ihr besauft euch hemmungslos….
  • …und lacht über politisch unkorrekte Witze und schwört euch, euch niemals gegenseitig damit zu erpressen.
  • Lies das, was dich amüsiert. Was dich interessiert. Was dich anmacht.
  • Iss die Schokolade statt des Apfels.
  • Lösch Facebook, Instagram und Twitter von deinem Smartphone.
  • Lass einfach alles hinter dir liegen.
  • Räum nicht die Spülmaschine aus.
  • Scheiß drauf, was die Kollegen und Kolleginnen denken könnten und geh einfach mal pünktlich nach Hause.
  • Hab wilden Sex oder langweiligen, Hauptsache, du tust nicht so, als würdest du gerade einen Porno nachspielen, nur, damit es für die andere/n Person/en geil ist.
  •  Masturbiere so oft du willst.
  • Sing auf dem Fahrrad laut mit, egal, ob jemand guckt.
  • Steig nicht auf die Waage.
  • Guck die ganze Nacht Simpsons.
  • Wenn du jemanden triffst, der irgendwie nett aussieht, lass die Person, die du auf Insta spielst, weg – und rede mit ihr oder ihm so, als hättest du niemals Angst davor zu zeigen, wer du wirklich bist.
  • Ja, mit all deinen Ängsten, Gedanken, Erinnerungen und schlechten Witzen.
  • Tu einfach so, als wäre die andere Person genauso ein Mensch wie du: mit Spliss und heimlich furzen und in der Dusche singen und sich ganz oft total einsam fühlen und immer erst hinterher die schlagfertige Antwort wissen und genau so viel Schiss vorm Bloßgestellt werden wie du.
  • Mach dein Telefon aus. Oh, warte, lies noch das: 

Niemals wird sich irgendwas gut anfühlen, das du "eben machen musst". Nichts wird sich jemals wie deins anfühlen, wie etwas, das wirklich zu dir gehört, wenn es bloß dafür ist, die eklige Panik kaputtzutrainieren, kaputtzupitchen, kaputtzulügen.

Egal, wie sehr man glaubt, dass der Schlaf einfach nicht komme, wenn man nicht die scheiß Spülmaschine ausgeräumt, den Link geslackt, die WhatsApp Voicemessage beantwortet hat; nichts jemals ist wichtiger als das:

Niemand kann dich je so lieben wie du dich. Niemand kann dich je so hassen. Niemand wird jemals mehr Zeit mit dir verbringen als du mit dir. Niemand gibt dir je die Zeit zurück, die einfach und wirklich weg ist (geschworen). Du bist das größte Geschenk, das du je bekommen wirst und die schwerste Bürde. Nichts wird sich je so gut und so unerträglich anfühlen wie du zu sein. Am Ende wartet kein Preis auf dich für besonderen Fleiß und keine Hölle für viel Schlaf. Da ist von Anfang an nur du und am Ende stehst du da auch. Vom ersten Schritt bis zum allerletzten ist das dein Staffellauf. 

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Sei nicht so dumm zu glauben, dass irgendwas andres zählt als dein Atem, dein Herzschlag, ein Fuß vor den anderen, alles deine Entscheidung, kein richtiger Weg und kein falscher. Denn da stehst ja sowieso zum Schluss wieder nur du – aber ob du kriechst oder fühlst, ob du laut schreist oder lachst, ob du kaum was spürst oder alles die ganze Zeit – das sind alles die tausendmillionen Entscheidungen, deine To-Dos, aus denen du und wirklich einfach alles, was du willst, entsteht.


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