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Meine komplizierte Beziehung mit der Deutschen Bahn.

Es gibt so viel, was ich an einer Bahnfahrt liebe: Das leise Ruckeln des ICE, während ich in die malerische vorbeiziehende Landschaft blicke. Die sanfte Ausfahrt aus dem Bahnhof in Richtung Heimat. Den frisch gebrühten Cappuccino, den ich in aller Seelenruhe an meinem Platz schlürfen kann. Meine Zeit in den Zügen könnte so schön sein – aber, wieso macht die Deutsche Bahn es mir so schwer? 

Denn die Realität im Fernverkehr sieht weit anders aus: Anstatt eines angenehmen Ruckelns, macht sich seit über 30 Minuten Stillstand im ICE breit – und zwar nicht inmitten einer malerischen Landschaft, sondern irgendwo zwischen Brachland und belanglosem Bahnhof. Frisch gebrühter Kaffee im Zug? Heute leider Fehlanzeige, denn das Bordbistro bleibt geschlossen. Eigentlich ist es sowieso besser, nichts zu trinken, weil fast alle Toiletten auf dieser Fahrt defekt sind. Und das Geld für die Verspätung kann man sich ja sowieso durch das schnelle Ausfüllen fünf verschiedener Formulare zurückholen. Horrorszenario? Nein, so etwas passiert täglich auf deutschen Schienen.

Betriebsstörung statt Bahnromantik

Eigentlich dürfen solche Situationen in den Zügen der Deutschen Bahn nicht verwundern, wenn man einfach nur die schnöden Zahlen betrachtet, die das ARD-Magazin "Kontraste" da zum Vorschein gebracht hat: 5800 fehlende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im "betriebskritischen Bereich", nur jeder fünfte ICE rollt ohne Mängel über deutsche Schienen. 

Und das – anscheinend viel zu ambitionierte – Ziel, bis 2018 ganze 82% der Züge fahrplanmäßig abzufertigen, soll nun doch erst sieben Jahre später – also 2025 – erreicht werden. 

Die andauernden Verspätungen und Ausfälle führen dazu, dass die Züge überfüllt sind – vor Kurzem wurde auch noch dieses Video auf Twitter veröffentlicht, das die Räumung eines Zuges wegen Überfüllung zeigt: 

Wieso läuft so verdammt viel schief bei der Bahn? Und wieso ändert sich seit Jahren nichts?

Die Konzepte, die den angeschlagenen Konzern sanieren sollen, kommen schleppender voran als ein verspäteter Intercity: Zuletzt wollte die Bahn mit gepimpter Currywurst und einem herzlichen "Moin Moin" ihr Image aufpolieren. 

Schön und gut, dass ich jetzt Tacostreusel auf meine überteuerte Wurst bekomme – an den Verspätungen und schlecht gewarteten Zügen ändert das aber leider nichts. 

Alles, was unternommen wird, scheint ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die Mängelliste bei der Bahn ist ein Fass ohne Boden: Verspätete Züge kommen eben auch verspätet zur Wartung; deshalb werden nur die wichtigsten Teile überprüft; schlecht gewartete Technik versagt; das führt zu mehr Verspätungen – und schon geht das Spiel wieder von vorne los. 

Der Konzern ist so ein großes Sorgenkind, dass die Grünen nun sogar die Zerschlagung des Unternehmens fordern. (SPIEGEL ONLINE) Drastische Probleme fordern nunmal drastische Lösungen – da hilft auch ein neues Bordmenü nichts.

Deutsche Bahn, ich glaube weiter an dich – weil ich es muss.

Trotzdem fahre – oder stehe – ich weiter mit der Bahn; es bleibt mir ja auch nichts anderes übrig. Die privaten Zugangebote, die es in Deutschland gibt, fahren nur einen unbedeutenden Bruchteil des Schienennetzes ab. Innerdeutsche Flüge schaden nicht nur erheblich der Umwelt, sondern auch meiner Geldbörse. Wenn ich mit dem Fernbus reise, ist mein halber Urlaub schlichtweg durch die Fahrzeit verbraucht. 

Ich bin auf die Bahn angewiesen, und mit mir Millionen andere Menschen auch. 

Wenn ich also mal wieder in einem unklimatisierten, brechend vollem Zugabteil vor mich hin sieche, kann ich es mir zumindest versuchen vorzustellen: Das entspannte Zurücklehnen im Sitz, die wunderschöne Aussicht aus dem Fenster, das schnelle Ankommen ohne Stress. 

Wenn das Leben doch nur einmal so wie in der Werbung wäre – ich würde es in der Bahn verbringen. 

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Fühlen

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