#Let's talk about us! Folge 2: Merve und Nil im Gespräch

In Folie gewickelte Fernbedienungen, die türkische Variante von Kölnisch Wasser und Sonnenblumenschalen einfach überall: Nil, 29, und Merve, 24, sind beide deutsch-türkisch aufgewachsen - und doch ganz unterschiedlich. Nil wuchs in Hamburg auf, einer Großstadt mit hohem Migrationsanteil. Merve kommt aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, in der Migranten und Migrantinnen wie sie eine Ausnahme waren.

Was bedeutet für die beiden Türkischsein? Was bedeutet Deutschsein? Kann man das überhaupt so klar voneinander abgrenzen? 

Die beiden Frauen treffen sich in Hamburg, um gemeinsam über diese Fragen nachzudenken.

Welche deutschen Eigenarten sie zum Schmunzeln bringen, welche Klischees sie nicht mehr hören können und was das Wort "Heimat" für sie bedeutet, siehst du oben im Video.

Videoreihe "Let's talk about us!"

Wer mit Migrationshintergrund in Deutschland aufgewachsen ist oder hier schon länger lebt, hat eine besondere Perspektive: auf Deutschland. Und auf das Herkunftsland. Wir wollen beide besser kennenlernen - und laden deshalb zwei Menschen mit dem gleichen Background zum Gespräch ein. Und dann wird gegessen, getrunken und natürlich geredet. Über Kindheitsträume, Vorbilder, fiese Vorurteile und wie sich das Leben jetzt gerade anfühlt. 


Gerechtigkeit

Wir müssen junge Politikerinnen und Politiker vor sich selbst schützen: Schluss mit dem Tanzverbot

Tanzverbot. Tanzverbot. Taaaaaanzverbot. Jedes Jahr dasselbe. Keine öffentlichen Tanzveranstaltungen am Karfreitag, und je nach Bundesland auch an weiteren Oster- und Feiertagen nicht. Feiern ohne Feiern, weil die Kirche das so will. Beziehungsweise die Bundesländer, die das Tanzen aus Rücksicht auf Christen untersagen.

Das Tanzverbot ist so etwas wie eine stille Genugtuung: Wer mit der Kirche wenig am Hut hat, aber das ursprünglich mal christliche Weihnachten trotzdem für eine Kauf- und Geschenkeorgie nutzt, bekommt ein paar Monate die Erinnerung: Du hast christliche Feiertage gebucht, da ist Tanverbot inklusive.

Weil aber längst nicht alle Bürgerinnen und Bürger Vorzeige-Christen sind und knapp die Hälfte keiner der beiden großen Kirchen angehört, kommt mit der jährlichen Erinnerung auch die Frage nach der Sinn- und Statthaftigkeit des Tanzverbots. Soll und darf der Staat den Clubbesitzern das Geschäft vermiesen und Ruhe verordnen?

Nein, das Tanzverbot muss weg. 

Aber gar nicht mal so sehr wegen der Distanz von Teilen der Bevölkerung zum Christentum oder wegen der Bevormundung eigentlich mündiger Bürgerinnen und Bürger. Wir müssen Schluss machen mit einem Trauerspiel, dass sich am Rande des Tanzverbots zuverlässig abspielt.

Denn kaum rückt Karfreitag näher, wagen sich Nachwuchspolitiker aus der Deckung selbst erteilter Denkverbote und fordern: Gebt den Tanz frei! So wie gerade die jugendliche SPD-Hoffnung Kevin Kühnert, der zwar selbst kaum noch zum Tanzen kommt, aber sagt: "Wer an dem Tag in die Disko gehen will, sollte das auch tun können." (RP-Online)

Sofort macht sich ein Gefühl der Ohnmacht breit, denn auch im Jahr davor hat jemand von der SPD die Abschaffung gefordert, und davor, und die FDP ist immer dagegen, junge Linke wollen dancen, die Piratenpartei ebenso. Junge Politikerinnen und Politiker fordern ein Ende des Tanzverbots, weil sie meinen, dass junge Menschen immer tanzen wollen.

Es passiert dann aber nichts, außer dass ein paar ältere Menschen aufschreiben, warum sie ein Tanzverbot sinnvoll finden: innehalten, Auszeit nehmen, Gewinn für die Gesellschaft. (Kirche und Leben) Die Argumente sind ausgetauscht, seit Jahren schon. Es geht trotzdem immer weiter.

Am höchsten christlichen Feiertag Gedenken wir mittlerweile all der jungen Politikerinnen und Politiker, die sich wagemutig gegen das Tanzverbot gestellt haben - und kläglich gescheitert sind. Dieses Ritual gilt es abzuschaffen.

Das Tanzverbot muss weg, damit sich diese jungen Polikerinnen und Politiker nicht mehr zum Obst machen müssen. 

Damit wir uns nicht länger für sie fremdschämen müssen. Damit Christen sich an dem Tag wieder auf das Besinnen können, was wirklich zählt: religiöse Einkehr. Am Ende gewinnt die Gesellschaft.