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"Du musst nicht leiden."
Mein Name ist Wil Wheaton, und ich bin chronisch depressiv.

So beginnt Wil Wheaton einen Blogeintrag. Wheaton ist seit seinem 13. Lebensjahr ein weltbekannter Schauspieler – doch noch länger kämpft er schon mit psychischen Problemen.

Seinen Ruhm will der 45-Jährige nutzen, um anderen Menschen mit psychischen Krankheiten zu helfen. Und tatsächlich sagt er in diesem Text viele richtige und wichtige Dinge.

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"Mein Leben ist nach objektiven Maßstäben sehr, sehr gut."

Wheaton hat eine wundervolle Frau und zwei Kinder, die ihn stolz machen. Er ist ein berühmter, weißer, heterosexueller Mann in den USA – leichter könnte er es also eigentlich gar nicht haben.

Doch darum geht es nicht. Denn auch, wenn von außen betrachtet alles in Ordnung ist, können Menschen in ihrem Inneren leiden.

Wheaton war schon immer ein ängstliches Kind, erzählt er. Mit 13 wurde er durch den Film "Stand by me" schlagartig berühmt – doch das machte seine Ängste nicht besser, sondern schlimmer. Ständig stand er unter Druck, begann, Menschen zu misstrauen. Aus Angst wurden Depressionen.

Lange Zeit fiel es ihm jedoch schwer, seine Traurigkeit zu verstehen. "Mir ging es die meiste Zeit miserabel – aber es machte keinen Sinn. Ich lebte doch meinen Kindheitstraum."

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"Ich wusste, dass etwas mit mir nicht stimmte, aber ich wusste nicht, was."

Ein Grund, dass Wheaton sich erst so spät Hilfe holte, war, dass er schlicht und einfach nicht wusste, was ihm fehlte. In seiner Familie wurde nicht über psychische Krankheiten gesprochen, und wenn doch, dann nur als etwas abstraktes, das anderen Menschen passiert.

Er wünscht sich deshalb, dass mehr über psychische Krankheiten gesprochen wird: In Form von Aufklärungsarbeit, aber auch von den Betroffenen selbst. "Wir müssen unsere Erfahrungen teilen," schreibt Wheaton, "damit jemand, der genauso leidet wie ich, sich nicht komisch oder kaputt fühlt, sich nicht schämt und keine Angst hat, in Behandlung zu gehen."

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"Es ist bloß eine Krankheit."

Ja, sagt Wheaton: Seine Depression gehört zu ihm, sie ist ein Teil von ihm. Aber trotzdem ist sie nicht mehr oder weniger seine Schuld als sein Heuschnupfen.

"Psychische Krankheit ist keine Schwäche", schreibt er. "Wie der Name schon sagt: es ist eine KRANKHEIT."

Eine Krankheit, die sich behandeln lässt. In Wheatons Fall halfen Antidepressiva. Schon mit einer kleinen Dosis fühlte er sich besser, hatte auf einmal das Gefühl, sein Leben zu leben anstatt einfach nur zu existieren.

Anderen Menschen mit Depressionen helfen andere Dinge. Wichtig sei einfach nur, sich Hilfe zu suchen, so Wheaton. Denn:

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"Du musst nicht leiden."

"Es ist nichts Nobles am Leiden. Und es ist nichts Schlimmes oder Schwaches daran, nach Hilfe zu fragen", sagt Wheaton.

Als Kind hat er sich sich niemals gefragt, ob es normal ist, sich so zu fühlen, wie er sich fühlte. Erst mit 34 Jahren sah er ein, dass es das nicht ist.

Bei Wheaton war es seine Frau, die ihn zu dieser Einsicht brachte: Eines Tages bekam er mitten am Flughafen von Los Angeles eine Panikattacke. Seine Frau riet ihm, sich professionelle Hilfe zu suchen, er folgte ihrem Rat.

Brauchst du Hilfe?

Hast du das Gefühl, nicht mehr mit deinem Leben klarzukommen? Fühlst du dich alleine, brauchst du Hilfe? Hier findest du – auch anonyme – Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch.

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"Du brauchst dich wirklich nicht zu schämen, wenn du dir professionelle Hilfe suchst – denn diese Person hat sich ja buchstäblich dafür entschieden, Leuten wie uns zu helfen."

Am Ende bleibt dies Wheatons wichtigste Botschaft: Es gibt Hilfe für psychisch Kranke, und es ist keine Schande, sie in Anspruch zu nehmen – denn genau dafür ist sie da.

Und damit noch mehr Menschen von ihr profitieren können, plädiert er dafür, Hilfsangebote auszuweiten – "Wenn Geld für Waffen da ist, ist auch Geld dafür da", so seine Ansage, ein Seitenhieb gegen die Politik der aktuellen Regierung.

Bis dahin helfe nur: reden, reden, reden – solange bis psychische Krankheiten in der Gesellschaft kein Tabu mehr sind.

Und er sich eines Tages hinstellen kann und sagen:

"Mein Name ist Will Wheaton, ich lebe mit chronischen Depressionen, und ich schäme mich nicht."

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