Die fiesen Kommentare müssen aufhören!

Ein Mensch ist wahrscheinlich tot. Das sollte eigentlich etwas sein, das uns alle traurig macht, denn dass jemand stirbt, das ist etwas, das vielleicht nicht für uns persönlich schwer ist – aber mindestens für einen anderen Menschen.

Aber irgendwas scheint anders zu sein, wenn dieser Mensch jemand ist, den einige lächerlich finden oder peinlich, den manche nervig finden oder anstößig. Irgendwas ist anders, wenn es jemand wie Daniel Kaiser-Küblböck ist. 

Aber von vorne. Vorne, da, wo Twitter, Facebook und Instagram sind. Wo Menschen sind, die viel Aufmerksamkeit dafür bekommen, gemeine Dinge zu sagen. Das ist natürlich auch ein Hobby, eine Art Internet-Obsession: Das Gehirn belohnt für Likes und das Gefühl, etwas gesagt zu haben, bei dem ganz viele andere digitale Highfives verteilen, weil man ja so ein geiler Typ ist.

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Manche Menschen versuchen deshalb, besonders schlau zu sein. Und wieder andere versuchen, einfach nur gemein zu sein, möglichst krass, möglichst noch ein bisschen mehr abgefuckt als alles eh schon ist. 

Und genau diese Menschen schreiben gerne zu jedem Trending Hashtag, zu jeder Tragödie, zu jedem Thema (man versteht das Prinzip: zu einfach allem) möglichst zynische Dinge auf, weil es ja langweilig wäre, zu fühlen wie die Normis, weil es ja banal wäre und weil sowieso alle anderen dumm sind.

Genau das passiert ständig, und das ist natürlich auch wirklich gar nicht überraschend, wenn es um ein so leichtes Opfer wie Daniel Kaiser-Küblböck geht. Denn worüber lässt es sich leichter witzeln, als über einen, den man sowieso schon als Witzfigur bezeichnet hat, Hashtag lol.

Wo der Siff ist, ist der Klatsch nicht weit. So taucht schnell ein "letztes Bild" und ein "noch letzteres Bild" von Kaiser-Küblböck auf – eines davon zeigt ihn "in Frauenkleidern". Hier beginnt eine sehr unschöne und gleichzeitig eine Geschichte, die ein bisschen Mut macht. 

Suizid - Hilfe in scheinbar ausweglosen Lebenslagen

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Rede mit anderen Menschen darüber. Per Chat, Telefon, E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Hier findest du - auch anonyme - Hilfsangebote in scheinbar ausweglosen Lebenslagen.

Ich habe lange überlegt, welche von beiden ich erzählen will. Es ist die zweite. Denn natürlich waren da all die Witze, die Häme, die Dummheit. Natürlich waren da 80 Millionen Hobbypsychologinnen und -psychologen, die alle sehr genau wussten, was passiert sein musste. Manie, Depression, Transsexualität, Irrsinn, Langeweile, Drama, irgendwas mit einem Wal, mit dem er angeblich davon schwamm. 

Aber: Da waren auch und vor allem noch viel mehr andere. Andere, die all die Tweets, Kommentare und Bilder gemeldet haben. Andere, die es gewagt haben, nicht ironisch und distanziert zu sein, sondern mitfühlend und traurig. Ganz uncool, angreifbar, ehrlich

Denn unter all der Hysterie und hinter all der Abgefucktheit findet man es: das Internet, wie es sein kann, wenn es für einen Moment nicht so beschissen ekelhaft ist. 

Mittlerweile finden sich kaum noch Tweets von Menschen, die so degenriert sind, dass ihnen ein Fav wichtiger als ein Gefühl ist. Dafür kann man unter jedem Posting von Bild und Boulevard, von IGTV und YouTube finden: Menschen, die anprangern, dass Promiflash und andere den Verschwundenen in Frauenkleidern zeigen – mit Sublines, die suggerieren, dass hier halt einer durchgedreht ist, weil er ja nicht mal einfach ein Geschlecht sein kann, weil er ja "randaliert" habe (auch, wenn bisher niemand sagt, wie eigentlich), weil er ja eh gestört sei.

Da sind plötzlich viel mehr Menschen, die daran erinnern: Hier ist wahrscheinlich ein Leben weg.

Einfach weg, offenbar verschwunden im Meer vor Neufundland. Und es ist sowas von egal, ob man die Arbeit dieses Menschens gut fand (ob man das, was dieser Mensch getan hat, überhaupt so bezeichnen würde), oder peinlich, ob man Fan ist oder Fremdschämer, ob man verstehen kann, was dieser absolut Fremde fühlte oder wollte.

Es ist auch egal, ob jemand an all die anderen Toten erinnert, an all das andere Leid auf dem Meer. Weil keine Tragödie eine andere relativiert, weil kein Leben mehr wert ist als ein anderes, weil wir nicht zu bestimmen haben, wer es "wert" ist zu leben und wer nicht.

Wer sich darüber erhebt, wer sich lustig macht, wer relativiert, banalisiert und exkludiert, hat abgelegt, was uns unterscheidet vom bloßen Kämpfen ums Leben, vom schlichten Drei-Punkte-Plans eines Stammhirns: überleben, fressen, ficken. Ein Mensch ist wahrscheinlich tot. Das sollte etwas sein, das uns alle traurig macht.


Haha

"Ich möchte Victor die Haare kämmen": Das sind die witzigsten Tweets zum Start von "Love Island"

"Nun, wie mag die Insel heißen, ringsherum ist schöner Strand?"

Nein, es ist leider nicht Lummerland, sondern Love Island. Und schon nach der ersten Folge ist klar: Die Show wird den Abenteuern von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer in Sachen Spaß, Spannung und Dramatik in nichts nachstehen! Hier sind die besten Tweets zum Staffelstart: