Matthias zeigt auf Instagram das Leben seiner Familie

Instagram ist nicht nur die Welt der schönen Bilder, der fein abgestimmten Mischung aus nackter Haut und veganem Frühstück. Sondern vor allem auch das Zuhause zahlloser Interessengruppen. Eine davon: Mama-Bloggerinnen.

Und weil es ein Klischee ist, dass nur Frauen gern über ihre Kinder reden und Erziehungstipps geben können, haben wir mit einem Mann aus der Community gesprochen.

Matthias ist Vater von zwei Jungen, vier Jahre und ein Jahr alt, die er gemeinsam mit seiner Frau großzieht. Auf Instagram ist er als Daddy Cool bekannt geworden: Auf seinem Profil teilt er nicht nur Fotos, die ein glückliches Familienleben zeigen – er schreibt dort auch über kleine Probleme des Alltages. 

Mit über 25.000 Followern hat er den erfolgreichsten Papa-Insta-Account Deutschlands.

Matthias, wie bekommt man weinende Kinder wieder glücklich? 

Ganz viel kuscheln. Körperkontakt ist das beste Heilmittel überhaupt. Wir sollten auf Kinder eingehen, Interesse und Verständnis zeigen. Denn nur weil Menschen klein sind, heißt das ja nicht, dass ihnen die Probleme nicht so groß vorkommen wie den Erwachsenen.  

Bei Verletzungen gilt: Nichts ist schlimmer als panische Eltern. Wenn es nicht gerade stark blutet, darf man auch mal verharmlosen und die Kleinen beruhigen – und pusten. Und was immer hilft: Eis! 

Ich schreibe, wie man Familienfeste überlebt
Matthias
Was genau macht ein Daddy-Blogger eigentlich?

Ich schreibe über lustige und nachdenkliche Erlebnisse aus unserem Alltag. Zum Beispiel, wie man Familienfeste überlebt, oder ich poste süße Sprüche der Kinder. Oft arbeite ich auch Dinge auf, die jenseits unseres familiären Tellerrandes geschehen, etwa das Verhalten anderer Eltern auf Spielplätzen. 

Neben Instagram schreibe ich als Gast auf Blogs. Oftmals über Mama-Themen aus der Sicht eines Papas. Etwa über die Geburt oder unseren Weg des Abstillens. Dann bin ich auch immer ausführlicher, als es mir auf Instagram erlaubt ist.

Wie bist du zum Bloggen gekommen? 

Ich war lange unregelmäßig auf Instagram unterwegs. Vor einem Jahr noch mit 300 Followern. Mit der Geburt meines zweiten Sohnes im Februar des vergangenen Jahres begann ich, ausführlicher zu schreiben. Was den Menschen offenbar gefiel. Die selbst gebauten Hashtags wie #undnachherschönzeckensuchen wurden zum Markenzeichen. 

Die Sicht eines Papas kam und kommt ganz gut an. Ich denke, weil es eine gerade erst wachsende und – im Vergleich zu den schier unzähligen Mamablogs – noch kleine Sparte ist. 

Das ist Daddy Cool auf Instagram:
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Und wie ist das so, allein unter Mamas?

Inzwischen bin ich ja nicht mehr ganz allein, es gibt auch andere Daddyblogs. Ich finde es schon toll, Teil davon zu sein. Weil ich eben auch oft merke, dass die Mamas ein großes Interesse daran haben, wie ich den Alltag als Mann wahrnehme.

Oft entsteht der Eindruck, Eltern-Blogger wollten eine heile Welt vorgaukeln. Stimmt das?

Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass man der Öffentlichkeit ungern seine weniger guten Seiten zeigt. Ich nehme mich davon nicht aus. Wenn die Stimmung daheim mal nicht so gut ist, dann habe ich kein gesteigertes Interesse, das im Netz zu präsentieren. 

Die Menschen wollen doch, bei all dem Mist, der um sie herum passiert, gern auch mal abtauchen. In meinen Beiträgen schildere ich trotzdem auch immer mal negative Ereignisse.

Gibt es Leute, die dich oder deine Sicht nicht mögen?

Öffentliche Hater hatte ich noch nicht. Zweimal bekam ich böse Nachrichten. Da merkte ich schnell, dass ich mit Argumenten nicht weiterkomme und habe dann einfach nicht mehr geantwortet. Da kehrte auch schnell wieder Ruhe ein. 

Viele finden es nicht okay, Kinder im Internet zu zeigen. Wie stehst du dazu?

Obwohl ich meine zeige, denke ich tatsächlich zwiegespalten darüber. Ich stelle die Kids so dar, wie sie jeder, der zufällig vorbei käme, sehen dürfte. Darüber hinaus, weiß niemand – bis auf wirkliche Freunde  –, wo wir konkret wohnen.

Doch, klar: Das Internet vergisst nie. Deswegen sollte man Kinderbilder aber nicht reflexartig verteufeln.

Die Menschen wollen doch, bei all dem Mist, der so oft um sie herum passiert, gern auch mal abtauchen
Matthias

In Zeitschriften oder im Fernsehen, vor allem in der Werbung, sehen wir ständig Kinder. Manche Eltern schicken ihre Kleinen in Castingshows. Darüber regen sich viel weniger Leute auf, es gibt nicht diesen Aufschrei wie bei den Eltern-Bloggern.

Dabei haben alle Kinder in den Medien Eltern, die sich irgendwann mal dazu entschieden haben, ihre Kinder anderen zu zeigen.

Und wenn deine Kinder irgendwann nicht mehr im Internet abgebildet sein wollen? 

Dann würde ich das respektieren und keine neuen Bilder machen und die bestehenden löschen, ganz klar. Darüber hinaus würde ich veranlassen, dass alle Bilder, die ich selbst nicht mehr entfernen kann, entfernt werden. Bei Google geht das unkompliziert, habe ich schon mal gemacht. Aber ich würde auch klagen, um Bilder aus dem Internet zu bekommen.

Wie verstehst du dich mit der Konkurrenz?

Ich lebe nicht in Konkurrenz mit anderen Bloggern. Möglicherweise liegt das daran, dass ich keine eigene Website habe. 

Dennoch geschehen ziemlich bösartige Dinge. Ich habe schon mitbekommen, dass andere Blogger über mich gelästert haben, da wird dann wie auf dem Schulhof schlecht geredet. Ich bin der Meinung: Es ist genug Instagram für alle da. 

Was regt dich an anderen Eltern auf?

Mich nerven grundsätzlich Eltern, die ihre Methoden und ihre Ansichten als Dogma sehen und genau so vertreten. Eltern, die keine andere Meinung zulassen.

Ich selbst bin zum Beispiel für eine Impfpflicht für besonders schlimme Krankheiten. Das mag eine starke Meinung sein. Doch ich würde nie jemanden öffentlich bloßstellen, der anderer Auffassung ist. 

Was macht deine Frau? Wie teilt ihr euch auf? 

Meine Frau ist in der freien Wirtschaft tätig. Und obwohl sie mittlerweile keine 40 Wochenstunden mehr arbeitet, bleibt für mich noch Arbeit übrig. Mir liegt sehr viel daran, ihr die Kinder abnehmen zu können. 

Denn dann hat die Mama die Chance, etwas für sich zu tun. Das ist dann meist nichts Luxuriöses, sondern einfach mal der entspannte Gang in die Badewanne. Ich denke, im Alltag sind wir ein eingespieltes Team. 

Ich würde klagen, um Bilder meiner Kinder aus dem Internet zu bekommen
Kommen Leute mit Fragen zur Kinderbetreuung oder Erziehung zu dir? 

Ja! Fragen zu den bevorzugten Windeln, den ersten Gehversuchen, dem Lieblingsbuch, oder dem Sex als Eltern.

Ich unterscheide dann schon, ob jemand dringend Hilfe braucht oder einfach neugierig ist. Dementsprechend antworte ich ausführlich oder kurz. Manchmal höre ich also einfach nur zu. Ich bin ja nicht Dr. Sommer und weiß nicht alles.

Wenn du den Kopf freibekommen muss vom Elterndasein, was hilft am besten?

Ich muss ehrlich gestehen, ich mache zu wenig, um auch mal abzuschalten. Es fällt mir schwer. Ich will mich dann mit meiner Frau um die Kids kümmern. Früher war ich Leistungssportler, musste aber krankheitsbedingt aufhören. Momentan mangelt es mir an Ersatz für das Hobby, was mich früher so ausgefüllt hat.

Aber ich will das ändern. Denn Eltern laufen meiner Meinung nach Gefahr, am Ende nur noch Eltern zu sein. Was keinesfalls abwertend klingen soll. Eltern sein ist eines der größten Dinge im Leben. Doch man sollte neben dem Elternteil auch Individuum bleiben.


Gerechtigkeit

Sachsen-kritisches Buch darf in Sachsen gelesen werden – aber nicht diskutiert

Im Juni findet im sächsischen Meißen das Literaturfest statt. Ein Buch, das dort gelesen wird, heißt "Unter Sachsen", es beschäftigt sich mit dem Thema Rechtsextremismus. Kaum wurde das bekannt, empörte sich ein CDU-Stadtrat aus Meißen: Solch ein "Dreck" dürfe hier nicht gelesen werden. Er und mehrere weitere Politiker wollten das kritische Buch verhindern.