Kontakt zu anderen Menschen soll derzeit vermieden werden. Einige treffen sich trotzdem in Bars und Clubs. Warum bringen sie sich - und vor allem andere in Gefahr?

Das Kitkat und der Tresor in Berlin Mitte sind geschlossen, das Sisyphos in Lichtenberg, die Klubs Kater Blau, Wilde Renate und Suicide in Friedrichshain auch. Sowie Watergate und Ritter Butzke in Kreuzberg.

Wegen des Coronavirus hat die deutsche Bundesregierung Bürgerinnen und Bürger dazu aufgefordert, räumliche Distanz zu anderen Menschen zu wahren. Das betrifft auch die Club-, Bar- und Gastroszene. Denn aktuell zählt jeder Tag: Je mehr Menschen bereits, zum Teil unerkannt, angesteckt sind, desto schwieriger wird es, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. (SPIEGEL)

Nicht nur in Berlin, sondern deutschlandweit schließen deswegen am Wochenende die Bars. Das dürfte sich auch in den kommenden Wochen nicht ändern. Manche öffnen ihre Türen gerade trotzdem noch – und auch die Gäste kommen.

Party trotz Corona

Wir haben junge Leute gefragt, warum sie trotz Coronavirus noch ausgehen. Ob so ein Verhalten nicht unverantwortlich ist – und sie kein schlechtes Gewissen haben.

Eric*, 27, München

(Bild: privat)

"Hier in München sind viele Kneipen schon geschlossen. Gestern wollten einige Bekannte und ich gemütlich etwas trinken gehen und sind in eine Bar um die Ecke gegangen, die noch offen war. Als ich reinkam, hat ein anderer Gast gehustet, da dachte ich mir schon: 'Ist das jetzt dein Ernst?' 

Normalerweise ist die Bar relativ voll, gestern war wenig los. Man hatte das Gefühl, alle achten darauf, sich nicht zu nahe zu kommen. Meine Freunde und ich saßen mit etwas Abstand nebeneinander. Zwischen den einzelnen Gruppen waren Tische frei. 

Zwischendurch habe ich unbewusst mit dem Salzstreuer gespielt, der auf dem Tisch stand. Als mir das aufgefallen ist, bin ich erst mal zur Toilette gegangen und habe mir die Hände gewaschen. Alle, mit denen ich unterwegs war, haben sich im Laufe des Abends mehrmals die Hände gewaschen. Klar, das macht man sonst auch. Aber gestern war es schon auffallend häufiger. 

Wir hatten überlegt, anschließend noch weiterzuziehen. Da sowieso fast alles geschlossen ist, haben wir aber entschieden, einfach nach Hause zu gehen. Man muss eine Infektion nicht erzwingen.  

Ich glaube, viele, die sich gesund fühlen, sehen das Ausgehen als eine Art Trotzreaktion. Heute wollte ich eigentlich mit einem Kumpel auf den Viktualienmarkt gehen. Das haben wir verschoben, wir treffen uns lieber privat.

Ich besuche auch meine Eltern und Großeltern bis auf Weiteres nicht mehr, um sie nicht zu gefährden. Als junger Mensch kann man ein Zwischenwirt sein, ohne selbst Symptome zu zeigen. Auch ins Fitnesstudio gehe ich erst mal nicht mehr, dort ist die Keimbelastung ohnehin ja schon hoch. Ich gehe lieber joggen, an Orten, wo nicht so viele Leute sind."

Selina, 24, Ludwigshafen

(Bild: privat)

"Ein paar Freundinnen und ich wollten gestern unbedingt feiern gehen. Die Bar, in der wir eigentlich etwas trinken wollten, hatte abends allerdings zu. Wir haben uns dann privat für einen Spieleabend getroffen und geschaut, wie sich die Lage in der Stadt entwickelt – und welche Bars und Clubs überhaupt öffnen.

Es gab zwei Clubs, die aufgemacht haben. Zu einem der beiden sind wir gegen 0.30 Uhr aufgebrochen. Unser Motto war "Last Night Out". Am Club angekommen, war eigentlich alles wie immer. Es gab keine besondere Einlasskontrolle. Der einzige Unterschied, den man drinnen gemerkt hat: Zu dieser Uhrzeit waren vergleichsweise wenig Leute da.

Es hat sich dann aber doch relativ schnell gefüllt. Nachdem wir eine halbe Stunde im Club waren, habe ich Leute gesehen, die sich gerade erst kennengelernt hatten, aber schon in der Ecke standen und rummachten. Abstand zu halten, stand nicht im Vordergrund. Alle fanden die Gesamsituation eher lustig, auch wenn mal jemand gehustet hat. Das war irgendwie total absurd, aber ich habe mich nicht unwohl gefühlt.

Im Alltag achte ich darauf, zurzeit nicht mit älteren Menschen in Kontakt zu kommen. Ich kaufe zum Beispiel für meine Großeltern ein, damit sie zu Hause bleiben können. Die Lebensmittel stelle ich ihnen vor die Tür. Wegen meines Studijobs in einem Restaurant kann ich den Kontakt zu anderen Menschen nicht hunderprozentig vermeiden. Wenn jemand aus meinem Umfeld infiziert ist und angeordnet wird, dass ich in Quarantäne muss, komme ich dem natürlich nach. Bis dahin umgebe ich mich weiter mit jungen Leuten."

Stefan, 27, Aichach

(Bild: privat)

"Bei uns in der Nähe sind die Clubs alle geschlossen. Ursprünglich war geplant, dass die Clubbetreiber am Eingang die Kontaktdaten der Gäste aufzunehmen, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können. Sie haben sich dann aber dagegen entschieden. Einige Bars sind jedoch noch geöffnet. In einer davon war ich gestern mit Freunden.

Klar, haben wir über das Virus gesprochen. Es ging um die Folgen für die Wirtschaft und auch darum, was unsere Großeltern, die in der Risikogruppe sind, jetzt machen sollen. Dabei war die Stimmung aber die ganze Zeit sehr gelöst. Die Bar war auch nicht so voll wie sonst, das war sehr angenehm. Es hat sich wie ein normaler Freitagabend angefühlt.

Eigentlich müsste ich für die Arbeit zurzeit im Ausland sein. Die Reise wurde gestrichen. Ich habe meinen Laptop dabei und bin darauf vorbereitet, im Notfall aus dem Homeoffice zu arbeiten. Morgen will ich in die Kirche gehen. Sie lassen nur 100 Leute rein, die alle mit einem Abstand von mindestens einem Meter sitzen müssen.

Ich finde es schwierig, zu wissen, wo ich im Privatleben gerade Grenzen ziehen soll. Wenn nach dem Wochenende die Arbeit wieder weitergeht, muss ich zwangsläufig mit der Bahn fahren. Dort ist die Ansteckungsgefahr hoch. Für mich kommt es jetzt darauf an, ein gesundes Maß an Einschränkung zu fordern – aber auch nicht jedem komplett die Freiheit zu nehmen, das zu tun, was er will."

* Eric heißt eigentlich anders. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.


Streaming

Sechs unterschätzte Filme, die du jetzt gucken kannst
Keine Konzerte, keine Partys – dafür viel Zeit für Filme und Serien.

Keine Konzerte, keine Partys, keine Kinobesuche. Wer sich an die Empfehlungen für den Schutz vor dem Coronavirus hält, darf nicht mal ins Fitnessstudio. Stattdessen werden viele Menschen die freie Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Nur blöd, wenn man die meisten neuen Serien und Filme schon geguckt hat. 

Wir haben uns in der Redaktion an unsere prägendsten Streamingerfahrungen der letzten Jahre erinnert und ein paar Filmtipps zusammengetragen:

Hier sind sechs unterschätzte Filme, die du dir jetzt anschauen kannst:

"Shoplifters" (2018)

Jan hat ein japanisches Familiendrama beeindruckt.