"Hallo Süße, bist du schon wach?" Erst schaue ich verwirrt auf mein Handy, dann erinnere ich mich. Ich hatte mir am Tag vorher einen Freund im Internet bestellt. Jetzt denkt er gerade an mich.

In China ist die Sache mit der Liebe ziemlich kompliziert. Es gibt zu viele Männer und zu wenige Frauen und die Eltern machen ständig Druck, wann man endlich heiratet. Deshalb gibt es nun Apps wie Laizuwo (übersetzt: Komm' leih mich aus) oder Zuwoba (übersetzt: Los, leih' mich).

Die Idee ist einfach: Die Apps vermitteln Dates, die Nutzer müssen allerdings dafür zahlen. Das klingt ein bisschen nach Escort-Service, soll es aber nicht sein. Es gehe lediglich darum, Männern zu helfen, eine Freundin zu finden und andersherum. Alles ist freiwillig und der Kaufpreis hilft, dass sich der Mann auch ein wenig bemüht. Sagen zumindest die Anbieter.

Gründer der App Laizuwo ist Liu Juntao. Er hat das Unternehmen im vergangenen Jahr gestartet und für seine Idee bereits fünf Millionen Yuan, rund 675.000 Euro, eingesammelt. "In China gibt es über 200 Millionen alleinstehende Männer, die alle Frauen kennenlernen möchten“, sagt Liu. Aufgrund ihrer Arbeitszeiten sei ihnen das aber kaum möglich. "Die Plattform bietet ihnen deshalb Möglichkeiten, mit Frauen digital in Kontakt zu kommen und sie zu treffen", so der Gründer.

Die Plattform ist nach eigenen Angaben die größte in China. Jeden Tag melden sich neue Nutzer mit einem Profil an. Die meisten von ihnen sind Frauen. Sie nennen sich Prinzessin, Cola oder Eleven. Kleine Mandarine sucht jemanden, der mit ihr Zeit verbringt, wenn sie einsam ist. Moxi schreibt, er würde gerne Essen gehen und dann mal schauen, was noch passiert.

Die Nutzer sind meist zwischen 20 und 30 Jahre alt, auf ihren Fotos leicht bekleidet und schauen verträumt in die Kamera.

Ich habe bei Dalu den Guten-Morgen-Gute-Nacht-Dienst gebucht.

Den ersten Freund, den ich mir zur Probe leihe, heißt Dalu. Er ist laut seines Profils 26 Jahre alt und kommt aus Beijing. Auf seinem Profilfoto trägt er Sportklamotten und sieht dabei aus, als würde er gleich zu einem dreitägigen Radrennen starten. Da auf den übrigen Profilen die Jungs meist auf irgendwelchen Sofas rumhängen, rauchen oder gelangweilt unter einer Cappy hervorschauen, ist mir Dalu sofort sympathisch.

Zudem ist er ziemlich günstig. Er verlangt gerade einmal 10 Kuai pro Stunde. Das sind umgerechnet rund 1,60 Euro. Dafür bekommt man in China nicht einmal einen Kaffee. Aber die meisten männlichen Profile wollen nicht viel Geld. Die Frauen hingegen bestehen auf mindestens 200 Kuai pro Stunde, rund 27 Euro.

Nachdem ich das Geld überwiesen habe, fügt mich Dalu sofort auf WeChat hinzu, dem chinesischen WhatsApp. Man kann verschiedene Dienste mit der App buchen. Darunter: Spazieren gehen, einen Film schauen, Kochen oder einen sogenannten Guten-Morgen-Gute-Nacht-Dienst. Regeln und Erklärungen, was diese Dienste umfassen, gibt es nicht. Das muss man selbst miteinander ausmachen. Ich habe bei Dalu den Guten-Morgen-Gute-Nacht-Dienst gebucht. Er wird sich also jetzt jeden Morgen und jeden Abend bei mir melden. "Aber nie tagsüber“, stellt er gleich in seiner ersten Nachricht klar.

In Chinas Großstädten ist man nicht unbedingt prüde.

Mit Sex warten bis nach der Ehe ist eher eine romantische Vorstellung chinesischer Eltern. Es gibt Nachtclubs und Bars so verrucht wie in Berlin – und Tantan, das chinesische Tinder, ist wie sein Original auch nicht nur für nachdenkliche Gespräche über das Leben programmiert worden.

Aber nicht jeder hat das Geld für teure Dating-Apps: Viele junge Chinesen arbeiten viel, verdienen aber so wenig, dass sie damit gerade einmal die Miete für ihr Zimmer in kleinen Wohnungen abseits der hippen Kneipen und typischen Ausgeh-Viertel leisten können.

Die Ehe auf später verschieben, das geht aber auch nicht. Heiraten spielt in China immer noch eine große Rolle. Der Druck der Eltern ist groß. Wer Ende 20 noch nicht verheiratet ist, gerät unter Verdacht, unvermittelbar zu sein. Erschwert wird die Situation, weil in China 70 Millionen Frauen fehlen. Männer hatten traditionell in China schon immer eine angesehenere Position: Nur sie könnten den Stammbaum einer Familie fortführen, so der Glaube. Verstärkt wurde das noch einmal durch die Jahrzehnte lang geltende Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung, die erst vergangenes Jahr abgeschafft wurde. Da jede Familie nur ein Kind haben durfte, entschieden sich viele lieber für einen Jungen, was zu einer massenhaften Abtreibung von weiblichen Föten führte. Statistisch gesehen fehlt so in China heute für jeden vierten Mann eine Frau.

Während sich die Eltern in der analogen Welt behelfen, in dem sie beispielsweise in Shanghai vor einigen Jahren den traditionellen Heiratsmarkt wiederbelebten und dort nun auf großen Pappschildern jeden Samstag versuchen, ihre Kinder zu verkuppeln, arbeiten Techunternehmen an digitalen Lösungen. Neben Laizuwo mit Dates gegen Bezahlung gibt es auch viele normale Dating-Apps wie in Deutschland.

Ob über die Plattform auch Prostitution läuft, geht es um Sex gegen Geld?

Dalu zumindest erwähnt nichts in dieser Richtung. Keine Anspielungen, keine Frage, ob wir uns treffen wollen. Er schreibt mir einfach zweimal am Tag Nachrichten wie: "Du bist schon wieder auf und fleißig? Habe eine schönen Tag!“ Und neben Dalu schreibe ich auch noch mit jemand anderem. Bei ihm habe ich in der kommenden Woche einen Kinobesuch gebucht. Blöde Anspielungen, verquere Sprüche? Eigentlich nicht.

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Dalu beginnt nach ein paar Tagen auch mehr über mich zu fragen. Es ist zwar komisch, mit jemandem zu schreiben, den man dafür bezahlt. Andererseits reden wir, als hätten wir uns gerade erst auf einer Party kennengelernt. Wo ich arbeite, will er beispielsweise wissen, und was ich gerne in meiner Freizeit mache. Es scheint ihm auch nicht um Geld zu gehen. Er schreibt schon knapp eine Woche mit mir, obwohl ich nur 20 Kuai bezahlt habe, also für zwei Stunden. Das Thema kommt erst auf, als ich ihn direkt danach frage.

Um etwas dazu zu verdienen, darum habe er sich nicht angemeldet. Er arbeite aber in einem kleine IT-Unternehmen, wo er kaum neue Leute kennenlerne, sagt Dalu. Zudem ist er meist bis spät in die Nacht im Büro, für Dates bleibt da keine Zeit. "Über die Plattform fällt es mir leichter, mit Mädchen in Kontakt zu kommen“, sagt er. Ob er auch Leuten schreibe, wenn die Zeit vorbei ist? "Klar, wenn die Chemie stimmt.“

Am nächsten Morgen schaue ich wieder auf mein Handy. Nichts. Erst mittags blinkt mein Handy. "Ein stressiger Tag heute“, tippt er. Und dann: "Und wie geht’s Dir?“

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Barack Obama hat die perfekte Antwort auf einen bösen Tweet von Donald Trump

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