Was Kommentatoren im Internet angeht, gibt es drei Sorten: die Leute, die niemals etwas kommentieren würden, die Leute, die nur Positives, Motivierendes schreiben. Und die Leute, die grundsätzlich was zu meckern haben.

Kenzie Brenna, 26, bekam genau das vor Kurzem zu spüren, als sie ein Bild auf Instagram stellte, auf dem die Orangenhaut ihrer Oberschenkel zu sehen ist – mehrere langgezogene Falten und einige Dellen zeichnen die Haut, der Fachbegriff dafür: Cellulite.

Mit dem Foto wolle sie zeigen, dass sie die Stellen ihres Körpers, die sie lange gehasst habe, nun endlich möge:
Was dann passierte, ärgerte Kenzie sehr.

Neben vielen lieben Kommentaren erreichten sie auch einige sehr unfreundliche – zum Beispiel: "Widerlich, schrecklich, Cellulite ist nicht gesund, du stiftest Kinder und Frauen hier dazu an, sich ungesund zu ernähren."

Prompt formulierte Kenzie, was sie hasserfüllten Kommentatoren wie diesen zu sagen hat: "Ich mache fünfmal pro Woche Sport. Ich gehe zum Yoga, ich esse viel Gemüse und trinke jeden Tag unendlich viel Wasser. Also erzählt mir nicht, was ich zu tun habe. Meine Cellulite ist gekommen, um zu bleiben – und ich finde das komplett okay."

Fortan werde sie jeden Samstag ein komplett unretuschiertes Bild von ihrem Körper zeigen, schrieb sie – und erfand den Hashtag #cellulitesaturday. Tausende folgten Kenzie daraufhin, viele Frauen posteten ebenfalls ihr Körper-Foto unter dem Hashtag, um sich mit Kenzie zu solidarisieren.

Sie stehen zu Kenzie – und ihrem Körper. Das sind die Frauen, die nun auch ihre Cellulite auf Instagram zeigen:
1/12

Kenzie reagiert, wie viele vor ihr, die im Internet gemobbt wurden, weil sie sich für ein besseres Körperbewusstsein einsetzten. Erst kürzlich rechtfertigte sich Brynne Huffmann öffentlich dafür, als übergewichtige Frau kurze Hosen zu tragen.

Die Isländerin Arna Ýr Jónsdóttir schmiss einen Schönheitswettbewerb, nachdem Veranstalter ihr sagten, sie sei zu fett für die Teilnahme – und schrieb auf Facebook empört über ihre Gedanken dazu. Jojo Oldham entwarf ein Kleid, auf dem Kommentare abgedruckt sind, die sie sich im Internet schon über sich anhören musste – um zu zeigen, dass sie den Hass schultern kann.

Was all diese Frauen gemeinsam haben: Sie sind nicht einverstanden mit einer Gesellschaft, die ihnen das Gefühl gibt, nicht sie selbst sein zu können.

Sie kämpfen online gegen eine Kommunikationskultur, in der manche meinen, Hass bleibe ohne Konsequenzen. Indem sie ihren Körper trotz mieser Kommentare einfach weiter fotografieren und posten, stellen sie klar: Egal, was du sagst, ich geh hier nicht weg.

Klingt stark – doch so manches Mal verschwimmt die Grenze:

Hinter welchen Aktionen steckt das ehrliche Bedürfnis, gegen Hetze einzutreten – welche Aktion soll nur ein bisschen Aufmerksamkeit bringen?

Beantworten können das nur die Frauen selbst. Unter einem ihrer Fotos wendet sich Kenzie direkt an ihre Follower: "Gestern habe ich mal wieder viel Hass abbekommen. Ich werde mich nicht herablassen und mit dem gleichen primitiven Verhalten kontern", schreibt sie. "Ich werde positiv bleiben, weil es auch für meine Psyche wichtig ist, stark zu bleiben."


Und du? Welcher Selfie-Typ bist du?

Fühlen

Zum Immerwiederlesen: Diese Liebesgeschichten haben uns berührt
Käthe: "Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells