Riley aus Las Vegas macht mit Heidi rum. Auf piggibankgirls.com küssen sich die grünhaarigen Freundinnen, um sich ihre gemeinsame Weltreise zu finanzieren. Der Zuschauer zahlt elf Euro, wenn er die ganze Szene sehen will. Fotos im Höschen kosten acht, ein Video von Rileys Beinen in einer weißen Netzstrumpfhose zwölf Euro. 

Über Piggybankgirls gelange ich zu Erotus, dem Sex-Ebay, auf dem sich Prostituierte ersteigern lassen, und peppr.it, eine Art Erotik-Lieferando, über das man Männer und Frauen ordern kann wie Pizza. 

Mehr über ​Mira Orlova

Sie ist 26 und kommt aus St. Petersburg. Und sie hat Fragen: Wie beeinflusst das Internet unsere Dates? Sind wir durch Apps wirklich freier geworden – oder nur freizügiger? Haben wir alle bald Roboter-Sex? In ihrer Sexkolumne will sie die Einflüsse des Internets auf unser Liebesleben diskutieren. Weil es in ihren Geschichten um echte Erlebnisse mit anderen Menschen geht, heißt Mira eigentlich anders. Safety first!

Es gibt unzählige solcher Websites, auf denen man mit seinem Körper Geld machen kann. Kann ich das auch? Ich will es als Camgirl versuchen.

Lady Johanna hat mich auf die Idee gebracht. Sie ließ alles so leicht aussehen, als sie in ihrer Altbauküche auf dem Sofa saß, schwarzen Tee trank und mit dem Handy in der Hand ihren Lebensunterhalt verdiente. 

Sie war um die 40, als ich sie bei einer Recherche kennengelernt habe. Sie arbeitete als Domina und wartete die meiste Zeit des Tages darauf, dass jemand über peppr.it ein Spanking oder Fisting buchte. Johanna ist eine Online-Hure.

Ein Klick: 300 Euro. 

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In ihrem Arbeitszimmer hängen neben dem Futonbett an einer Leine Nippelklemmen aufgereiht wie Wäscheklammern. Johanna hat sich darauf spezialisiert, schräge Fantasien zu erfüllen, und feilt ständig an ihren Schauspielkünsten. Komplexe Szenarios für Kunden, die anders keine Lust empfinden. 

Das Niveau ist erschreckend niedrig

Ich lese mich tiefer in die Welt der Onlineprostitution ein; es scheint mir aufregend und einfach, im Netz Geld zu machen, ohne Bordelle, Zuhälter und Zwänge. 

Besonders interessant finde ich dabei die Camgirls. Das sind oft keine Professionellen, denke ich mir, sondern Studentinnen, die sich mit ein bisschen Nacktbügeln einen Costa Rica-Urlaub finanzieren. 

Ich suche also Anleitungen, wie man so ein Girl wird, und stoße auf camgirlwerden.biz – mit dem Hinweis, dass ich monatlich bis zu 10.000 Euro verdienen könne. Man brauche dazu eine schnelle Hochladegeschwindigkeit, einen neutralen Ort und ein gesundes Verhältnis zum Körper. 

Die Klischees regieren das Geschäft

Die Seite camjobs.net beschreibt, wie man mit dem Verkauf erotischer Geschichten, getragener Höschen und Sexnachrichten ein gutes Einkommen erzielt. Weiter ist zu lesen, welche Looks man ausprobieren könnte – Schulmädchen, Domina oder Luder.

Dazu Bilder von Frauen in Karnevals-Schuluniform, in Lackkleid, mit Netzstrümpfen, schwarzer Perücke, rotem Lippenstift. 

Obwohl in den vergangenen 20 Jahren Tausende neue Erotikwebsites online gegangen sind, regieren offenbar immer noch die gleichen Klischees das Geschäft, wie im Beate-Uhse-TV der Neunzigerjahre. 

Dabei ist das Niveau erschreckend niedrig. Auf der Amateurseite, wo ich schnell und einfach Camgirl werden könnte, prangen Titel wie "Kleine Drecksau pisst Megafontäne", "Schwanzkontrolle" oder "Vollgerotzt am Entsaften". 

Ich will wissen, welche Frauen sich dahinter verbergen und kaufe mir für nur einen Euro 500 Coins, mit denen ich Tamara aus Köln anschreiben kann.

Sie weist auf ihre neuen "XXXL-Plastiktitten" hin und schreibt: "Lässt du dich auf diese Wixxhilfe ein, dann kommst du ins Wunderland und ich zeige dir, wie Wichsen auf hohem Niveau geht! THAT'S WIXXEN WITH PERSONALITY."

Ich will wissen, welche Frauen sich dahinter verbergen

Ich tippe in den Chat, in dem mehrere Männer gleichzeitig Befehle geben können, dass sie ihre Brüste streicheln soll und sie tut es. Dann soll sie ihr Höschen ausziehen und auch das macht sie, wenn auch lustlos. Daraufhin ist das Guthaben weg. Ich soll mehr zahlen. 

Eine fremde Frau, die 600 Kilometer entfernt auf ihrer bunten Bettwäsche sitzt, zum Ausziehen aufzufordern, fühlt sich für mich ähnlich erotisch an, wie mit einer Callcenterangestellten über meinen Handyvertrag zu telefonieren.

Männer, die auf Camgirls stehen, müssen auf jeden Fall einen völlig anderen Geschmack besitzen. Ich stelle mir vor, wie ein geiler Elektriker aus Buxtehude mir befehlen würde, dasselbe zu tun, und muss mir eingestehen: Fantasie ist besser als Realität.

Statt verruchter Zwischenwelten fand ich auf dem Ausflug in die Welt der Camgirls Fotos von vollgepinkelten Jeans, die Frauen am Rande ihrer Existenz für ein paar Euro zum Runterladen anbieten. 

Es gibt zwar Seiten wie livejasmin.com, deren bis zur Unkenntlichkeit aufgehübschte Bilder immerhin eine gewisse Ästhetik suggerieren, aber auf den Amateurseiten ist der Grundtenor immer gleich: Swingerclub-Feeling mit ungepflegten Menschen, die zu Urin- und Inzestthemen, Plastikreizwäsche und Ekelsex auf dem Fliesentisch Orgasmen haben.

Mich kickt das nicht. Dafür vielleicht ein paar andere digitale Toys, die ich für die nächste Kolumne mal ausprobieren werde.


Tech

Kannst du so schnell laufen wie ein Schwein?

Viele Apps sagen euch, wie schnell ihr lauft. Habt ihr aber eine Ahnung, gegen welches Tier ihr bei einem Wettrennen gewinnen würdet? Die gemütliche Kakerlake vielleicht? Oder doch das Hausschwein? Eine neue Browser-App verrät es euch.