Bild: S. Sabawoon / dpa

Angst. Die haben offenbar viele, wenn sie vollverschleierten Frauen begegnen. Also Frauen, die eine Burka oder einen Niqab tragen. Frauen, deren Gesicht man nicht sehen kann, höchstens noch die Augen. Viele fühlen sich zumindest unwohl.

Aber warum eigentlich?

Wir haben mit Sozialpsychologin Beate Küpper darüber gesprochen. Sie lehrt an der Hochschule Niederrhein und hat unter anderem zu Rechtsextremismus und Rechtspopulismus geforscht, zu Islamophobie und Vorurteilen.

"Schon Babys sind sehr gut darin, selbst feinste Emotionen im Gesicht zu erkennen“, sagt Küpper. "Darüber vertrauen oder misstrauen wir jemandem, so loten wir Beziehungen aus." Der Gesichtsausdruck ist also zentral für uns. Wir kommunizieren darüber und fühlen uns erst einmal unwohl, wenn wir einem Menschen nicht ins Gesicht schauen können.

Menschen wollen Kontrolle über ihre Umwelt haben. Auch über das Verhalten anderer.

Wenn jemand das Gesicht verhüllt hat, können wir daraus keine Emotionen ablesen - und empfinden das als Kontrollverlust.

Wissenschaftler sind sich einig: Die Mimik ist wichtig für die Kommunikation zwischen Menschen. Sie hilft uns, unser Gegenüber zu verorten. Trägt eine Frau eine Burka oder einen Niqab, geht das nicht und wir sind verunsichert.

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Warum fühlen wir uns so unwohl?

Laut Küpper müssen wir zwei Punkte auseinanderhalten. Zum einen ist da die Sache mit dem Gesichtsausdruck. "Aber wenn jemand zum Beispiel eine Spiegelsonnenbrille trägt, können wir ihm ja auch nicht in die Augen sehen", sagt sie. "Das ist dann auch ein Kontrollverlust. Aber davor hat keiner Angst."

Eigentlich hätten wir nicht vor verschleierten Frauen Angst, sondern vor dem, was wir mit ihnen verbinden, sagt Küpper. Nämlich: eine fremde Kultur, Terrorismus, Islamismus.

Andersrum: Mit Nonnen haben wir eine andere Assoziation – da stört es uns dann auch nicht weiter, dass diese auch häufig dunkle Gewänder tragen.

Warum reden wir überhaupt über das Thema?

Ausgelöst hat die Diskussion ein Vorstoß von der CDU: Die Partei will ein Burkaverbot prüfen. (SPIEGEL ONLINE). "Es ist eine reine Ablenkungsdebatte", sagt Küpper. Es gehe gar nicht um die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. "Wenn die so wichtig wäre, sollte viel mehr gefordert werden, dass es Förderprogramme für muslimische Mädchen gibt.“ Stattdessen werde mit dem Finger auf andere gezeigt.

In der Slideshow: Frauen erzählen, warum sie Kopftuch tragen
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Wie gehen wir damit nun um?

"Es ist immer erst einmal leichter von Angst zu sprechen“, sagt Küpper. "Aber man sollte einmal Luft holen und sich selbst fragen, worum es hier eigentlich geht. Habe ich tatsächlich Angst vor dieser verschleierten Frau?“

Womöglich wäre es gut, wenn wir die Welt immer mal wieder aus Kinderaugen sehen würden. In den USA hat im vergangenen Jahr ein kleiner Junge eine vollverschleierte Frau im Supermarkt gesehen und ihr zugeflüstert: "I love you Batman.“ (Huffington Post)


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