Weg mit dem Draht-Korsett aus Uromas Zeiten!

In dieser Sache sind sich wohl viele Frauen einig: Der schönste Moment mit einem BH ist der, in dem man ihn auszieht.

Denn viele Modelle sind alles andere als bequem. Sie drücken, schneiden ein, quetschen ab. Besonders fies: schlecht verarbeitete Metallbügel, die die Brust stützen sollen, im schlimmsten Fall aber durch den Stoff in die Haut pieken.

Glücklicherweise sind Frauen solchen Attacken nicht wehrlos ausgeliefert. Denn es gibt BHs, die ohne störende Elemente auskommen. Sie sind bügellos und bestehen nur aus Stoff, deswegen heißen sie auch "Soft-Bra". Das ist keine neue Erfindung – aber eine, die man gerade erstaunlich oft sieht

Die Soft-Bras füllen die Unterwäsche-Abteilungen der großen Modehäuser und fluten Instagram, wo es kaum einen Influencer gibt, der sich noch nicht mit ihnen hat ablichten lassen. Sie feiern ihre weiche, leichte Unterwäsche – weil sie hübsch aussieht, aber vor allem auch, weil sie sich mit den bügellosen BHs offenbar freier fühlen. 

Doch warum werden die Teile gerade jetzt populär?

Besuch der Webseite von "Love Stories", das momentan weltweit wohl angesagteste Label für befreiende Unterwäsche. Es verzichtet in allen Kollektionen auf Bügel. 

Auf der Seite machen Frauen in weichen BHs leichte Sportübungen am Strand oder ordnen die zarte Wäsche auf dekorativen Kleiderbügeln an. Die Bilder strahlen Unbeschwertheit aus. Ein Gefühl, mit dem sich Geld verdienen lässt – in einer Zeit, in der der Bedarf nach Echtheit vielleicht größer ist als je zuvor.

Denn auf Instagram gibt es ja nach wie vor auch immer noch die, die mit ihrer nahezu perfekt inszenierten heilen Welt Druck ausüben – und von denen gilt es, sich abzugrenzen: Die Brüste nicht mehr aufpumpen, sie stattdessen in zarten Stoff hüllen. Den Körper endlich so sein lassen, wie er ist.

Auch andere Modeunternehmen transportieren den Freiheitsgedanken in ihren Werbekampagnen. Der Wäschehersteller Sloggi bewirbt beispielsweise gerade ein neues Modell mit dem Slogan "Unfasten yourself", "binde dich los". Im Werbespot sieht man Frauen, die an ihren einengenden Bügel-BHs verzweifeln – und dann mit dem neuen, bequem Modell befreit durch den Raum tanzen.

Doch wer diesen Trend belächelt oder als die nächste Masche von Modeherstellern abtut, der hat noch nicht verstanden, wie viel der Hype um den bügellosen BH über unsere Gesellschaft aussagt. 

Lange war genau festgelegt, wie eine Frau zu sein und was sie zu tun hatte: Sie musste Kinder kriegen, den Haushalt schmeißen, das tun, was ihr Mann von ihr verlangte. Dazu passte auch die Wäschemode: Auf Abbildungen historischer Unterwäsche erinnern BHs an tragbare Gefängnisse, komplizierte Konstruktionen aus Stäben, Schnallen und Metall, die aussehen, als ob zum Öffnen einen Werkzeugkoffer nötig ist. 

Büstenhalter von 1899(Bild: Gemeinfrei)

Die Modelle wurden zwar mit der Zeit unkomplizierter – aber ihren Zweck sollten sie weiterhin erfüllen: die Brüste rundlich und gleichförmig machen, schön weit oben am Körper. Und gleichzeitig sicherstellen, dass sie sich nicht zu viel bewegen oder die Brustwarzen sich durch die Kleidung abzeichnen. Brüste sollten Weiblichkeit ausdrücken, aber bloß nicht obszön oder aufdringlich.

Das änderte sich im Laufe der Zeit, BHs aus Stoff wurden entwickelt, der Push-Up-BH kam auf den Markt: ein Modell, das ebenfalls erfunden wurde, damit die Frau in ein Muster passt.

Mit dem Push-Up war es zwar erlaubt und gewollt, dass Frauen sich aufreizender anziehen.

Aber gleichzeitig sollte er wieder die Erwartungen von Männern befriedigen. Auch Push-Ups formen den Busen, sie liegen eng an und drücken ihn nach oben. Bequem ist das nicht.

Mit dem Soft-BH hingegen kehrt Natürlichkeit im Dekolleté ein. Er hat keine Polster, er schreibt nichts vor – und ja, wenn es sehr kalt ist, kann es auch schon mal vorkommen, dass man unter dem T-Shirt einen Nippel sieht. Aber so sieht ein weiblicher Körper nun mal aus.

Dass diese BHs gerade die alten verdrängen, ist eine Errungenschaft. 

Eine, die gemeinsam mit vielen weiteren kleinen Veränderungen kommt. Seit Jahren wird die "Body Positivity"-Bewegung immer lauter, die uns daran erinnern will, dass alle Menschen schön sind. Galt es früher als gesetzt, dass sich Frauen schminken und rasieren, entscheiden sich manche jetzt dazu, das Gesicht unberührt und die Körperbehaarung stehen zu lassen.

Die Bewegung erinnert an die 68er, als Frauen ihre BHs öffentlich verbrannten, um sich mehr Rechte zu erkämpfen. Vieles hat sich seither verändert – manches bleibt noch immer zu fordern, eine gleiche Bezahlung für Männer und Frauen in selber Position, zum Beispiel.

Doch einiges wird auch endlich gut: Auf Instagram gehört es neben vielen heilen Welten mittlerweile mindestens genauso dazu, auch unbearbeitete Bilder zu zeigen. Das Leben und den Körper so abzubilden, wie er tatsächlich aussieht. 

Stück für Stück machen wir uns von einschneidenden Bändern und piekenden Stangen frei – und gleichzeitig von den Erwartungen, wie wir als Frauen zu sein oder auszusehen haben.


Gerechtigkeit

Militär statt Mauer: Trump schickt Nationalgarde an die Grenze zu Mexiko
Er warnt vor "Gesetzlosigkeit".

US-Präsident Donald Trump hat die Verlegung der Nationalgarde an die südliche Grenze der USA zu Mexiko angeordnet. Der Grund: Die Situation habe einen kritischen Punkt erreicht. So heißt es in einem von ihm unterzeichneten Dekret. 

Die Nationalgarde besteht aus Reservekräften des Militärs. Sie setzt sich aus den beiden Teilstreitkräften der Armee und der Luftwaffe zusammen. Jeder Bundesstaat hat eigene Einheiten. Sie werden etwa bei Waldbränden, Wirbelstürmen, Überflutungen oder bei Ausschreitungen eingesetzt.