Bild: Silvana Denker / Happy Size
Ihr Statement: Jeder soll sich lieben. Kommt das an?

Den Menschen klar zu machen, dass es verdammt nochmal wichtig ist, den eigenen Körper nicht ständig zu kritisieren, das ist Silvana Denkers Hauptjob geworden. Seitdem ihr Fotoprojekt "Bodylove" nicht nur in Deutschland gefeiert wird (bento), sondern auch in ganz Europa, ist mit Freizeit gerade gar nicht mehr viel, sagt Denker, 31 Jahre alt.

Seit Monaten verbringt sie ihre Zeit damit, in regelmäßigen Abständen acht halbnackte Frauen, manchmal auch Männer, zu fotografieren – in Fußgängerzonen. Sie begann 2015 in Siegen, es folgten Koblenz, Köln, Hamburg, Berlin.

Immer wieder kehrt Denker dabei um, was man sich unter einem gewöhnlichen Foto-Shooting vorstellt: Anstatt in einem geschlossenen Raum Bilder zu machen, stehen Denkers Fotomodelle draußen; es gibt keine Outfit-Wechsel, dafür posieren die Frauen – sehr schlank, weniger schlank, übergewichtig – in BH, Slip und schwarzen Schuhen.

Drumherum stehen Passanten, die sich die Aktion ansehen.

Silvana Denkers "Bodylove" in den Fußgängerzonen Europas – die Fotostrecke:
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Denker will zeigen: "Jeder Mensch ist toll, egal, ob er oder sie dünn ist oder mehr auf den Rippen hat." Eine Aussage, die in unserer Gesellschaft offenbar so besonders ist, dass sie die Fotografin gerade berühmt macht.

Fotografin Denker: "Egal, ob dünn oder mehr auf den Rippen"(Bild: Tasja Ochell)

Denn als sie kürzlich mit ein paar Frauen für "Bodylove" in der Berliner Fußgängerzone auftrat, schrieb ihr anschließend das US-Magazin "People" und bat um ein Interview.

Die "Cosmpolitan", die "Elle", "Women's Health" – sie alle berichteten über Denkers Ambitionen, vor allem zeigten sie die Bilder der halbnackten Frauen. Der Übergrößen-Versandhändler "Happy Size" bot Denker an, sie ab sofort zu sponsern.

"Bodylove" war auch schon in Hamburg:
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Daraufhin reiste Denker durch halb Europa. In Paris, London, Wien, Zürich, in Rom: Überall versammelte sie Frauen und auch ein paar Männer, die sie zuvor über Facebook und Instagram castete. Aus aller Welt bekam sie Anfragen, E-Mail und Anrufe, viele Frauen bedankten sich bei ihr, sagt Denker. Sie könne das alles gar nicht fassen.

Einmal sogar, erzählt sie, kam eine 45 Jahre alte Frau – auch sie hatte sich für "Bodylove" ausgezogen – nach der Aktion auf sie zu. "Sie sagte, sie habe sich noch nie so gut gefühlt, und dass sie ihren Körper vorher noch nie jemandem gezeigt hat", sagt Silvana Denker. "Da haben wir erst mal eine Runde geweint."

Doch, auch das sagt Denker: Neben all den positiven Rückmeldungen gibt es auch ein paar negative.

Den Vorwurf, Sexismus zu befeuern, habe sie sich bereits gefallen lassen müssen. Eine Bloggerin kritisierte, Denker mache aus Frauen Objekte und handele damit gegen den Feminismus.

Tatsächlich liegt der Eindruck nahe, dass leicht bekleidete Frauen in der Innenstadt weniger an die Selbstliebe der Menschen appellieren – sondern ganz einfach voyeuristische Bedürfnisse von Vorbeilaufenden befriedigen.

Schauen die Betrachter also vielleicht einfach nur auf die vielen nackten Hautpartien und die Unterwäsche – ein Bild, das sie vielleicht eher mit Schlafzimmer, ja, mit Sex assoziieren? Geht es ihnen um Denkers Botschaft? Und vor allem: Geht es Denker selbst noch um ihre Botschaft – oder um den großen Auftritt?

Zumindest, auch das ist ein Eindruck: Was Denker rüberbringen will, das ist in vielen Teilen der Gesellschaft offenbar noch nicht angekommen. Gerade deswegen ist es wichtig, dass Denker ein Zeichen setzt, eine Grenze markiert.

Während in den USA Frauen mit Kleidergröße 38 als "mollig" gelten, sprechen sich Instagram-Nutzerinnen weltweit unter diversen Hashtags immer wieder für ein differenzierteres Frauen- und Selbstbild aus. Und sie diskutieren über Schönheit, was sie ausmacht und was nicht.

Unter #a4waist konkurrieren sie um die dünnste weibliche Taille, mit #IAmFlawless kämpfen sie um die Anerkennung ihrer äußerlichen Makel, unter #PrettyGirlsUglyFaces posten sie Fotos, auf denen ihre Gesichter durch vermeintlich hässliche Grimassen unschöner wirken.

Silvana Denker sagt, mit Voyeurismus oder Sexismus habe ihre Kampagne rein gar nichts zu tun. "Ich bin mir ganz sicher, dass ich was bewege. Es muss ja nicht jeder alles toll finden, aber mit dem nötigen Respekt soll man sich in dieser Gesellschaft begegnen." Sie plane weitere Shootings in großen Städten.

Mittlerweile habe sie das Gefühl, dass manche Menschen auf der Straße oder im Supermarkt sie erkennen würden. Sogar in der Einöde, in ihrem Geburtsort Hövels, einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz, spräche man über sie. Und das in einem ganz lockeren Ton, sagt Denker: "Meine Mutter war neulich beim Arzt. Und da kam jemand und sagte: 'Ihre Tochter macht eine wirklich tolle Sache'".

Und jetzt du: Wie wohl fühlst du dich in deinem Körper?

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