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Wenn scheinbar nichts mehr geht...

Es heißt, der erste Satz sei der schwierigste. Aber wenn der erste Satz erstmal steht, flutscht der Text danach wie von selbst. Doch was, wenn der erste Satz nicht kommen will? Und wenn auch danach gar nichts läuft?

Gerade in kreativen Berufen oder Studiengängen ist es oft schwer, denn hier muss man auf Knopfdruck kreativ sein: Der Chef erwartet Ideen. Woher die kommen sollen? Dein Problem.

Keine Ideen zu haben, wenn man sie braucht, bedeutet Stress. Und Stress ist das größte Gift für Kreativität, also hat man noch weniger Ideen. Ein Teufelskreis. 

Also was tun?

Wir haben mit zwei Experten gesprochen. 

Sie erklären uns, woher ein solches Tief kommt, was man dagegen tun und wie man dafür sorgen kann, dass es nicht wiederkommt.

Was ist die Ursache von so einem Kreativitätstief? Warum gerade ich?

Wichtig ist, sich vor Augen zu führen, dass solche Tiefs vollkommen normal sind. Jeden können die mal treffen, das betonen unsere beiden Experten. "Das Auftauchen eines Kreativtiefs ist nicht besorgniserregend. Niemand kann ständig kreativ sein", sagt Brigitte Reysen. 

Typische Ursachen von Kreativitätstiefs sind:

  • Äußere Ursachen: Abgabetermin, Druck
  • Die Aufgabe selbst: zu schwierig, nicht machbar
  • Innere Ursachen: Unsicherheit, Angst

Typisch Betroffene sind: Perfektionisten. "Weil denen das Spielerische abgeht", erklärt Dr. Mehlhorn. "Wer zum Perfektionismus neigt, traut sich nicht, unerprobte Dinge zu sagen oder zu denken, geschweige denn zu tun."

"Menschen, mit unklaren oder auch zu hohen Ansprüchen an sich selbst und/oder an das Arbeitsergebnis sind eher in Gefahr, mit einer Blockade konfrontiert zu werden, als Menschen, die ein realistisches Bild davon haben, was sie können und wollen. Denen gelingt es eher, sich gegen die oben genannten Druckmechanismen durchzusetzen, bzw. sich davon zu befreien." – Brigitte Reysen

Was kann ich tun, wenn ich mitten in einer Blockade stecke?

Das kommt darauf an, ob es sich nur um ein kurzfristiges "Tagestief" handelt, oder um ein Dauertief, das schon mehrere Tage oder Wochen anhält.

Hilfe bei einem kurzfristigen Tief:

Das kurzfristige Tief geht in der Regel von selbst vorbei. Wenn man aber liefern muss, empfiehlt Frau Reysen:

  • Als ersten Schritt: Nicht ärgern. Akzeptieren, dass solche Tiefs dazugehören (siehe oben).
  • Druck abbauen, sich eine Pause gönnen, abwarten.
    Konkret empfiehlt Dr. Mehlhorn hier, raus in die Natur zu gehen oder zum Sport. Oder andere Dinge machen, wie Ablage, putzen, kochen. "Die wenigsten Ideen kommen am Arbeitsplatz."
  • Bearbeitungsebenen wechseln:
    – den Ort, die Umgebung wechseln (keine Wiederholung von Rahmenbedingungen, die mit dem vorherigen Scheitern verbunden sind) 
    – die Methode wechseln, wenn es mit dem Schreiben nicht weitergeht, in ein Diktiergerät sprechen, mit anderen Menschen reden, Ideen austauschen, Meinungen einholen 
    – 'einfach' Produzieren: eine beliebte Technik des kreativen Schreibens: assoziatives Schreiben, also Aufschreiben von Text, rein assoziativ, ohne Berücksichtigung von Qualität oder Rechtschreibung. Korrigieren kann man hinterher immer noch. Aber erst mal ist etwas da. (Morning Pages nach Julia Cameron)
    – Ziel dieser Methode ist, sich selbst nicht mehr als jemand, der blockiert ist, zu erleben sondern als jemand, der fähig ist, zu schreiben, zu denken, zu handeln. 

Hilfe bei einem Dauertief:

Wenn man merkt, dass die kurzfristigen Maßnahmen nicht helfen, ist es an der Zeit, seine Situation zu überdenken:

"Bei einem Dauertief würde ich mich fragen, warum es vorher offenbar besser war: Liegt es am Stress oder törnt mich die Aufgabe ab oder brenne ich nach wie vor?" fragt Dr. Mehlhorn. 

Wer verlangt hier eigentlich was von wem? Mache ich mir selbst so viel Druck? Ist die Aufgabe überhaupt machbar, sollte ich vielleicht nochmal mit meinem Chef/meiner Chefin oder Dozenten/Dozentin reden?

Gibt es Wege, Kreativitätstiefs und Blockaden zu vermeiden?

Auf jeden Fall.

Dr. Mehlhorn empfiehlt, seine Kreativität im Alltag zu trainieren: "Möglichst jeden Tag neue Dinge ausprobieren beziehungsweise Ideen anbringen, damit man in der Übung bleibt. Kreatives Denken ist bekanntlich trainierbar, so wie Sport, Tanzen, Fremdsprachen." Sich mit den richtigen Menschen zu umgeben, kann laut Mehlhorn auch helfen: Lieber die Nähe zu lustigen, kreativen Menschen suchen und Perfektionisten und Bedenken-Träger meiden.

Im Berufs- und Studentenleben empfiehlt Brigitte Reysen, bereits im Vorfeld, wenn der Auftrag entsteht, auf eine realistische Planung zu achten, am besten auch schon konkrete Schritte zur Zielführung zu planen.  

Geregelte Zeiten, an denen man sich dem Projekt widmet, können auch helfen. Zum einen, weil man mit regelmäßigen Zeiten sich auch innerlich auf das Thema einlässt, denn man weiß ja, dass jetzt die Zeit dafür ist. Aber auch, weil man dadurch ebenfalls geregelte Zeiten hat, an denen man sich nicht diesem Projekt widmet. Wenn man zum Beispiel sagt, "ich widme mich diesem Projekt jeden Tag von 10 bis 13 Uhr", dann nimmt das Druck in der restlichen Zeit und macht die Gedanken insgesamt freier. Wenn einem dann in der projektfreien Zeit Ideen überkommen, diese gerne schnell notieren, aber erst zur Projektzeit umsetzen.

Und zuletzt: Für Abwechslung sorgen. Reysen: "Unser Gehirn ist schnell gelangweilt, wenn es ständig dasselbe tun muss. Auf Methodenwechsel, auch manchmal Ortswechsel, reagiert es eher mit Neugier und bleibt länger wach!"


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