Bild: Lisa Ache
Als Bisexuelle muss ich mich ständig erklären. Haben wir diese Zeit nicht längst überwunden?

Wenn ich mich als bisexuell oute, reagiert fast nie jemand negativ. Das Anstrengende am Outing ist eher, dass ich ständig erklären muss, warum Sex mit Frauen genauso schön ist wie mit Männern. Denn Heterosexelle gehen oft davon aus, dass Frauen bei queerem Sex etwas fehlt. Etwas, das in ihrer Welt selbstverständlich dazugehört: etwas Hartes, ein Penis. 

Über die Autorin

Sie ist 23, studiert European und Global Studies – bevorzugt dort, wo es regnet. Sie schreibt seit 2015 über Politik und Persönliches und möchte für diesen Text lieber anonym bleiben.

Neulich wurde das mal wieder ganz deutlich. Ich unterhielt mich mit einer Freundin, wir hatten beide was getrunken. Wie viele reagierte sie auf mein Outing zunächst so: "Das hätte ich von dir gar nicht gedacht!" 

Doch dann kam schnell die Frage, was denn eigentlich beim Sex mit Frauen passiere und ob es denn wirklich dasselbe sei wie Sex mit Männern. Ob mir das reiche, so eine Frau. 

Bevor ich genervt die Augen verdrehen konnte, mischte sich eine andere Freundin ein, die das Gespräch mitbekommen hatte: "Ich stelle mir das so vor", rief sie – und klatschte ihre Handflächen aufeinander. 

Zwei Körper, die aneinander klatschen, flach wie Hände, flach wie Bretter? 

Für meine Freundinnen scheint die Abwesenheit eines Penis' zu bedeuten, dass die Hitze und Erregung, die die Berührung eines anderen Körpers auslöst, nicht zustande kommen kann.

Das zeigt nicht nur, dass es noch immer zu viele Leute gibt, die kein Vorstellungsvermögen von Sex zwischen zwei Frauen haben – es zeigt auch, dass viele Leute die Penetration als wichtigsten Punkt beim Sex betrachten. Den Moment, in dem ein Eindringen stattfindet.

Um das klarzustellen: Ich genieße Sex mit einem Mann und ich mag es, einen Penis in mir zu spüren. Was nicht heißt, dass Penetration der einzige Weg zum sexuellen Glück bedeuten muss. 

Sex mit einer Frau finde ich genauso schön, meistens sogar intensiver als Penetrationssex. Wenn meine Partnerin und ich eng umschlungen knutschen und sich ihr Bein zwischen meine Beine schiebt, wenn ihre feuchten Lippen meinen Hals liebkosen, macht mich das heiß

Die Autorin: "Es gibt zu viele Leute, die kein Vorstellungsvermögen von Sex zwischen Frauen haben"(Bild: Lisa Ache)

Ich brauche nicht zwingend einen Ständer, um Lust zu verspüren. Die Abwesenheit eines Schwanzes ist, wenn eine Frau und ich aufeinander liegen, oft sogar von Vorteil: Ihr Schenkel reibt direkt an meiner Klitoris. Die Frauen, mit denen ich geschlafen habe, haben es so meist schneller geschafft, mich zum Orgasmus zu bringen, als Männer. 

Selbstverständlich erwarte ich von meinen heterosexuellen Freunden nicht, dass sie eine genaue Vorstellung davon haben, wie queerer Sex funktioniert. Sie müssen es natürlich auch nicht ausprobieren, wenn sie nicht möchten.

Ich wünsche mir aber, dass sie weniger voreingenommen mit dem Thema umgehen. Wenn Sex zwischen zwei Frauen direkt als Aneinanderklatschen zweier Körper dargestellt wird, vergeht mir die Lust, mehr darüber zu erzählen, wie ich mit Frauen schlafe.

Ich wünsche mir aber, dass meine Freunde weniger voreingenommen mit dem Thema umgehen

Mit dieser Vorverurteilung und der Grundhaltung, dass Sex zwischen zwei Frauen zwangsläufig unvollständig ist, kann ich keine wertungsfreie Unterhaltung führen. Besser wäre es, wenn meine Gesprächspartner eine ehrliche und unvoreingenommene Neugier zeigen. Dann bin ich gern bereit, mehr ins Detail zu gehen.

Geschlecht hin oder her: Ich finde Sex immer schön, wenn jemand mich und meine intimsten Stellen liebkost. Männer, die mich hingebungsvoll lecken, und nicht nur einmal feucht schlabbern, um dann zum Penetrationssex überzugehen, machen es meist sehr gut. Frauen, die ausgiebig lecken und auf meine Hinweise eingehen, auch. 

Ob Sex gut ist oder nicht, hängt nicht von einem Penis ab, sondern von der Harmonie mit dem oder der anderen. Der Penis-Vagina-Augenblick ist nicht der einzig wichtige – das wäre schade um alle anderen Momente im Bett.


Future

Herrlich gemein: Typ erinnert andere auf Twitter an ihre guten Vorsätzen von vor 5 Jahren

Die Jahresendzeit ist immer auch eine Zeit des persönlichen Rückblicks. Was habe ich erreicht? Wie ist es mir ergangen? Wo lagen meine Erfolge? Und um es mit der Bewerbungsgespräch-Gruselfrage zu sagen: 

Bin ich heute da, wo ich mich vor fünf Jahren sehen wollte?

Auf Twitter kramt ein Nutzer genau diese Frage hervor, oder genauer: die Antworten anderer Twitter-Nutzer, die sie im Jahr 2012 gegeben haben. Nun erinnert er sie daran, was sie erreichen wollten. Es ist Trolling auf seiner schönsten Ebene.