Bild: Hatice Kahraman
Sie ist Deutsche, er Kameruner. Sie erzählen uns, wie gleichberechtigt ihre Beziehung ist

Drei Paare. Fünf unterschiedliche Kulturen. Und eine Menge Vorurteile. Wir haben junge Paare in multikulturellen Beziehungen gefragt, welchen Herausforderungen sie gegenüberstanden und welche Rollenbilder sie inspiriert haben.

Im dritten Teil unserer Serie erzählen uns Anna und Nick, wie gleichberechtigt ihre Beziehung ist.

Sie studieren an derselben Hochschule und lernen sich durch Freunde kennen. Anna, 23, und Nick, 23, sind seit einem Jahr ein Paar. Sie kommt aus Deutschland, er ist vor drei Jahren aus Kamerun nach Deutschland gekommen. Vorurteile gegenüber ihrer Beziehung kennen sie nur zu gut. Dabei spielt die Hautfarbe für die beiden keine Rolle.

Im ersten Teil der Serie haben wir mit der Deutsch-Türkin Büsra und dem Pakistaner Ehsaan über Liebe gesprochen. Sie hatten sich in Bremen in der Uni kennengelernt.

Im zweiten Teil der Serie haben wir mit Rabia und Muhammed über ihre Beziehung gesprochen und wie ihre Familien auf die Liebe reagiert haben. Ihre Familie stammt aus Polen, seine aus der Türkei.

Anna und Nick, habt ihr schon Rassismus erlebt?

Sie: Ich höre oft: "Sag mal, stehst du auf Schwarze?"

Er: Einmal waren wir in einem Supermarkt und eine Frau hat uns richtig komisch angeguckt. Aber ich bin so etwas gewohnt. Klar, einige finden das komisch, wenn wir zusammen rumlaufen.

Und Vorurteile?

Sie: Viele Menschen denken immer noch, dass wir etwas Besonderes sind, so exotisch. Oder dass wir dadurch besonders guten Sex haben. Ich habe auch sehr oft das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen muss. Nach dem Motto: Ja, ich studiere, ich habe einen Job. Und: Nein, er ist nicht wegen eines Visums mit mir zusammen. Diese Vorurteile sind immer noch sehr stark.

Er: Einige Afrikaner kommen zum Arbeiten nach Deutschland. Wenn sie kein Bleiberecht haben, dann versuchen viele natürlich mit einer deutschen Frau zusammen zu kommen.

Sie: Diese Beziehungen haben einen gewissen Ruf, zum Teil möge das auch stimmen – Aber deswegen muss es ja bei uns nicht so sein.

Er ist nicht abhängig von mir, ich nicht von ihm. Ich kenne andere deutsche Frauen, die mit Afrikanern zusammen sind und das herausstellen. Mich nervt das. Ich wäre mit Nick auch zusammen, wenn er Asiate oder sonst was wäre.

Fotostrecke – So kann Liebe aussehen:
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Wie haben eure Eltern reagiert?

Sie: Meine Eltern waren nicht besonderes verwundert. Inzwischen lieben sie ihn total.

Er: Meine Mutter war kurz vor Weihnachten hier und sie fand Anna ganz nett, obwohl die beiden sich nicht unterhalten konnten, weil meine Mutter nur Französisch spricht.

Sie: Immer, wenn sie etwas zu mir gesagt hat, habe ich die ganze Zeit "Ja" gesagt und gelächelt.

Er: Und ich habe übersetzt.

Sie: Auf Familienfeiern reden sie nur Französisch und ich verstehe nur einzelne Wörter. Das ist ein bisschen blöd, aber ich kann ja an meinem Französisch arbeiten.

(Bild: Anna)
Welche Rolle spielt die Kultur des Partners in der Beziehung?

Sie: Eigentlich keine. Er ist manchmal deutscher als ich. Vor allem wenn es um Ordnung und Disziplin geht.

Er: Ich interessiere mich noch sehr dafür, was in Kamerun passiert. Ein paar meiner Freunden leben auch noch dort

Sie: Wir teilen unsere Kultur miteinander. Zum Beispiel das Essen und die Musik. Er hat mir französische Musik gezeigt und seitdem mag ich sie, weil sie so schwungvoll ist. Wir haben auch festgestellt, dass wir als kleines Kind die gleichen Serien, wie "Tom und Jerry", geguckt haben. Obwohl wir woanders aufgewachsen sind.

„Ich habe von meiner Mutter ein sehr selbstbewusstes und starkes Frauenbild mitbekommen“
Kocht ihr gemeinsam, wenn ihr zusammen seid?

Er: Unter der Woche bin ich oft bei ihr. Sie kocht dann meist, aus zeitlichen Gründen.

Sie: Wenn er Zeit hat, dann kocht er auch. Und den Haushalt teilen wir uns, wenn wir zusammen in meiner Wohnung sind.

Er: Ich räume zum Beispiel besser auf und kann schneller putzen. Sie kann besser kochen.

(Bild: Anna)
Welches Männer- und Frauenbild haben eure Eltern euch vorgelebt?

Er: Da wir zu Hause sehr viele waren, musste der Haushalt gemeinsam gemacht werden, wobei meine Mutter vor allem gekocht hat. Mein Vater hat aber geholfen, weil meine Mutter auch gearbeitet hat.

Sie: Mein Vater hat früher Vollzeit gearbeitet, meine Mutter halbtags. Deswegen hat sie den Haushalt gemacht. Als mein Vater arbeitslos wurde, hat er das meiste übernommen. Ich habe von meiner Mutter ein sehr selbstbewusstes und starkes Frauenbild mitbekommen.

Zum Beispiel habe ich früh gelernt, dass ich meine Meinung sagen soll. Ich hatte mal einen Freund, der mich in ein sehr traditionelles Frauenbild stecken wollte. “Weil du die Frau bist”, so hat er zum Beispiel argumentiert. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass mich das unglücklich macht. Bei Nick ist das nicht so. Für ihn ist klar, dass ich nach dem Studium arbeiten werde.

Er: Für mich ist das normal, dass Frauen arbeiten. Meine Mutter hat ja auch gearbeitet.

Sie: Ich möchte jemanden an meiner Seite haben, der genauso stark ist wie ich. Ich will Respekt vor meinem Partner haben. Da ist zum Beispiel wichtig, dass wir beide unseren Beruf haben, unser Einkommen. Dass wir nicht voneinander abhängig sind.

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Absurde Abstimmung: Forschungsschiff soll "Boaty McBoatface" heißen
Es hätte auch "It's bloody cold here" werden können.

Da will man einmal nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden und schon kommt nur Klamauk heraus. Der britische Umweltforschungsrat Nerc (Natural Environment Research Council) hat online über den Namen für einen neuen Eisbrecher abstimmen lassen.

Doch die Namensgebung nahm absurde Züge an: Unter den Vorschlägen für das königliche Forschungsschiff waren "RRS Motörboat" oder "RRS Usain Boat". Jetzt steht der Sieger fest: "RRS Boaty McBoatface" (Königliches Forschungsschiff Bötchen McBootsgesicht). (The Guardian)