Jeden Sommer kommt es wieder, so zuverlässig wie Mücken oder Sonnenbrand. Schon im Frühjahr sieht man es auf Titelseiten von Frauenmagazinen und hört es in besorgten Gespräche unter Freundinnen. Umso häufiger, je höher die Temperaturen steigen. Dieses eine Wort: "Bikinifigur." Ein Wort, das mancher Frau den Tag vermiesen kann.

Denn hinter der "Bikinifigur" verstecken sich eine ganze Menge Erwartungen. Die Erwartung eines Sommers, den man gerne in der Sonne verbringen will, am Strand, im Freibad. Die Erwartung, dort entsprechend gekleidet sein zu müssen – im Bikini, im Badeanzug. Auf jeden Fall mit wenig Stoff. Die Erwartung, dass ein Körper, der mit wenig Stoff bedeckt ist, auf eine bestimmte Weise auszusehen hat. Und damit verbunden die Erwartung, dass ein Körper, der nicht so aussieht, rechtzeitig getrimmt werden muss. Damit aus der Figur eine Bikinifigur wird. 

Zeitgleich mit der Bademodenkollektion bei H&M und dem ersten "Women’s Health"-Cover zur Bikini-Diät kehrt deshalb spätestens im April bei vielen Frauen das schlechte Gewissen ein: "Eigentlich müsste ich ja mal wieder…eigentlich hätte ich ja schon längst." 

Die ungenutzte Fitnessstudio-Mitgliedschaft, die eingestaubten Laufschuhe in der Zimmerecke – alles Erinnerungen daran, dass das Projekt "Bikinifigur" in den vergangenen Monaten vernachlässigt worden sein könnte. 

Und so wird die Vorfreude auf den Sommer getrübt durch die Angst, bei Sommeraktivitäten nicht gut genug auszusehen.

Besonders nervig kann das Wort für Frauen sein, die genau wissen, dass sie diese Saison keinen "Women’s-Health"-tauglichen Körper mehr bekommen – selbst wenn sie sofort anfangen zu trainieren.

Genau diesen Frauen wird nun mit einem Instagram-Trend Mut gemacht. Ins Leben gerufen von Bloggerinnen, die sich für ein positives Körpergefühl einsetzen, sammeln sich gerade unter dem Hashtag "My Body is a Bikini Body" tausende Fotos von Frauen, die kein Idealgewicht haben – sich in ihrem Strand-Outfit aber trotzdem wohlfühlen.

Die Botschaft der Aktion: Ein Bikini-Körper ist ein Körper, der einen Bikini trägt. So einfach ist das.

Manche der Frauen teilen dabei nur ein Bild von sich und ihrem Bikini. Andere versehen ihre Posts mit längeren Texten, in denen sie ihre eigenen Erfahrungen mit Unsicherheiten teilen – und anderen Frauen Mut zusprechen, die zur Sommerzeit mit sich und ihrer Figur hadern.

Plus Size-Bloggerin Sarah beispielsweise schreibt, wie lange es dauerte, bis sie sich so in der Öffentlichkeit zeigen konnte.

Ich bin so kurvig wie noch nie in meinem Leben – und das ist VÖLLIG IN ORDNUNG. (…) Ich bin mehr als mein Äußeres. Ich bin schlau, ich habe einen Jura-Abschluss, ich bin eine talentierte Visagistin und Tänzerin. Also, hier bin ich, mit Dellen, Cellulitis, Narben. Denn all das ist ein Teil von mir und ich bin stolz darauf!

Journalistin Sam aus Brisbane wünscht sich, dass auch andere Frauen den Sommer so genießen können wie sie:

Ich will, dass ihr euch wohlfühlt, wenn ihr einen Badeanzug zum Schwimmen mit euren Kindern tragt, dass ihr euch gut fühlt, wenn ihr in den Urlaub fahrt und Schnorcheln geht, dass ihr nicht den Strand verpasst, weil ihr euch Sorgen macht, was die Leute denken.

Und Autorin Jess fotografiert ihre Bikinifigur gleich gemeinsam mit ihrer großen Liebe: Pizza.

Du bist IMMER bereit für einen Bikini. Zu jedem Zeitpunkt deines Lebens und mit jeder Größe. Bikinis werden nicht nur für die mit flachen Bäuchen und straffen Brüsten gemacht. Sie werden für ALLE Körper gemacht.

Auch diese Frauen zeigten ihre Bikinifigur:

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Unter den Beiträgen sammeln sich zahlreiche Kommentare – fast alle davon sind positiv. Viele Nutzerinnen fühlen sich von den Fotos inspiriert, selbst mal wieder den Bikini auszupacken. Andere sind noch nicht so weit – berichten von eigenen Erfahrungen, von ihrer Angst, sich im Schwimmbad oder am Strand zu zeigen.

Das zeigt mal wieder: Schönheitsideale wie die "Bikinifigur" helfen im Zweifel niemandem. Sondern führen dazu, dass diejenigen, die ihnen nicht genügen, sich verstecken. Nicht schwimmen gehen, keinen Ausflug an den Strand machen. 

Dabei ist ein Bikini – entgegen dem, was Bikini-Diäten und Bikini-Workouts vermitteln wollen – nichts, was man sich verdienen muss. 

Ein Bikini ist einfach etwas, das man anzieht, wenn der Sommer kommt.


Today

Die Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist gestorben

Die Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 nach kurzer Krankheit gestorben. Im Laufe ihrer Karriere hat Nöstlinger über 150 Bücher geschrieben. Nöstlinger war so erfolgreich, dass die Bücher in 30 Sprachen übersetzt wurden. 

Sie zeichneten sich durch realistische Milieuschilderung und Sozialkritik aus, von einem antiautoritären Erziehungsstil geprägt. Wichtig war Nöstlinger immer der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. 

Die Österreicherin wird in einem Atemzug mit Astrid Lindgren genannt, mit der sie befreundet war. Beide haben in ihren Büchern eines gemeinsam: Sie nehmen Kinder ernst und haben viel Humor. Bei Nöstlinger kam eine wienerische Note dazu.

Schon in den Siebzigerjahren wurden die ersten Geschichten der gebürtigen Österreicherin verfilmt. Zum Beispiel "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" oder "Die Ilse ist weg". "Konrad aus der Konservenbüchse" kam 1982 als Film. 

Das Kinderbuch "Maikäfer, flieg!" über das Leben im nach dem Zweiten Weltkrieg zerbombten Wien wurde 2016 verfilmt. "Es ist Krieg. Es ist schon lange Krieg. Ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, dass einmal kein Krieg war", heißt es darin. 

Ende Juni hatte Nöstlinger bekanntgegeben, dass sie keine Kinderbücher mehr schreiben wolle. Dem österreichischen Magazin News sagte sie: 

"Meine eigene Kindheit ist schon eine historische und die meiner eigenen Kinder auch schon bald. Es ist alles sehr, sehr anders geworden, und ich verstehe es nicht mehr. Das heißt nicht, dass ich ein abfälliges Urteil über heutige Kinder hätte."