Ob in der H&M-Bikiniwerbung, bei "Game of Thrones" oder auf Instagram: Brüste sieht man überall. Und meist sind sie gleichförmig, als habe man einen Ball halbiert und an den Oberkörper der Frau geklebt.

Ein Bild, das nicht gerade der Realität entspricht: Die zwei Seiten eines Körpers sind nie ganz gleich - und Brüste auch nicht. Manchmal sind die Unterschiede zwischen links und rechts kaum wahrnehmbar, manchmal geht es aber auch um ganze Körbchengrößen. 

Das Problem: Für viele Frauen mit unterschiedlich großen Brüsten gibt es keine passende Unterwäsche.

Eine Marktlücke, glaubt Jasmin Neuefeind. Die 25-Jährige ist eigentlich IT-Beraterin – und will nebenher den BH revolutionieren:

Mit Bravaria hat sie das erste Start-up gegründet, das BHs für unterschiedliche Cupgrößen anbieten will. Der erste Liefertermin soll im Frühjahr 2019 sein.

Wir haben sie gefragt, wie sie auf die Idee kam – und was sie mit Bravaria über das Gründen einer Firma gelernt hat.

Screenshot von Bravaria

Wie bist du auf die Idee gekommen, BHs für ungleiche Brüste zu machen?

Als ich 14 Jahre alt war, hat meine Freundin mir das erste Mal erzählt, dass sie für ihre unterschiedlichen Körbchengrößen (A und C) keinen passenden BH findet. Sie musste sich dann immer selbst einen zusammennähen. Sie hat unter ihren ungleichen Brüsten gelitten, besonders psychisch, sie ging nicht ins Freibad und hatte auch nie einen Freund. Mit 18 ließ sie sich dann operieren. 

Eine andere Freundin stand nachdem sie abgenommen hatte vor dem gleichen Problem. Also habe ich selbst recherchiert und, als einzige Lösung, die Brust-OP gefunden. Die meisten Frauen haben aber keine symmetrische Oberweite – warum sollten wir etwas Natürliches verändern? Stattdessen müsste sich doch der BH an unsere Körper anpassen.

Warum glaubst du, ist dieses Bild von den "perfekten Brüsten" in den Köpfen verankert?

Ich habe noch nie eine Werbeanzeige mit ungleichen Brüsten gesehen! Uns wird schon als Mädchen suggeriert, dass Brüste perfekt-symmetrisch aussehen sollten. Ist dein Körper anderes, fällst du durchs Raster und entsprichst nicht dem akzeptierten Schönheitsideal. Das Thema ist ein Tabu, Frauen sprechen kaum über Brüste abseits der Norm. Somit haben wir auch keine Vorbilder. Wir müssen bei der Erziehung ansetzten und darüber nachdenken, was wir unseren Töchtern als normal vermitteln.

Was haben BH-Größen denn mit Erziehung zu tun?

Ungleiche Cups werden nicht als Standard gesehen. Ähnlich wie bei der Kleidergröße, Cellulite oder Dehnungsstreifen versucht uns ständig irgendjemand vorzuschreiben, wie wir sein müssen. Solche äußeren Ideale werden festgelegt und die meisten Frauen und Mädchen wollen dann krampfhaft dazugehören. Können wir diese Ansprüche nicht erfüllen, fühlen wir uns minderwertig – und schämen uns.

Screenshot von Bravaria

Du möchtest die Selbstwahrnehmung von Frauen verändern. Wie soll ein BH das schaffen?

Der Bravaria-BH ist natürlich kein Wundermittel. Aber ich stelle es mir so vor: Wenn jemand mit sechs anstatt fünf Fingern an einer Hand geboren wird, findet dieser erstmal keine Handschuhe. Viele würden sich vielleicht den Finger abschneiden, aber man könnte auch einfach einen neuen Handschuh erfinden. Denn viele Frauen sind trotz kleinen Unterschieden, zufrieden mit sich und ihrem Busen, finden aber nichts zum Anziehen. Ich möchte mit meinen BHs mehr Vielfalt bieten und so das weibliche Selbstbild stärken.

Und wie funktioniert das Ganze jetzt?

Frauen merken in der Regel, wenn ihre Brüste ungleich sind. Das sieht man oft daran, dass der Cup an einer Seite absteht. Eine Faustregel: Passt ein Finger in den BH, entspricht das etwa einer Cupgröße (1,5 cm). Zwei Finger stehen für zwei Größen und so weiter. Hat man die eigene Größe ermittelt, kann man in unserem Shop jeden Cup einzeln auswählen. Von außen sieht man es dem BH übrigens gar nicht an, weil innen verschiedene Polster oder Einlagen eingearbeitet sind.

Aber dann sehen ja doch alle Brüste wieder gleich aus?

Genau, da das Volumen ausgeglichen wird, erhalten die Brüste dann wieder ein symmetrisches Erscheinungsbild. Das lässt sich gar nicht verhindern, ist aber auch angenehm bequem für die Trägerin. 

Meist möchten Frauen einfach, dass die Brüste von außen gleich wirken. Etwa zu besonderen Anlässen oder am Strand.

Worauf muss man beim Kauf achten?

Dabei kommt es immer auf die individuellen Bedürfnisse an. Frauen, die an Brustkrebs leiden, haben meist Narben. Einlegepolster zum Pushen funktionieren hier nicht, weil diese zu sehr auf die Narben drücken würden. Deshalb haben wir eine innenliegende Tasche eingenäht, die von einer größeren Einlage komplett ausgefüllt wird. 

Und für große Oberweite: Ringsum den BH ist ein Silikonband eingenäht, damit das Gewicht der Brüste von den Rippen und nicht von den BH-Trägern getragen wird.

Bisher gibt es gerade mal einen schlichten, schwarzen BH, und auch der soll frühestens im Frühjahr 2019 geliefert werden – war das immer der Zeitplan?

Nein, aber wir haben noch eine letzte Testreihe mit Brustkrebspatientinnen gemacht. Bei dieser kam raus, dass unser BH für sie noch nicht ganz perfekt ist. Deshalb haben wir noch einen Optimierungsdurchlauf gestartet. 

Und sowas dauert. Ich hätte mit dem regulären Modell für Frauen mit unterschiedlichen Cups zwar schon auf den Markt gehen können, aber ich möchte auch Brustkrebspatientinnen eine Alternative bieten.

Was hast du durch Bravaria übers Gründen gelernt?

Dass es keine allgemein gültigen Tipps fürs Gründen gibt. Jedes Start-up ist anders und muss für sich betrachtet werden. Daher habe ich gelernt, nicht so sehr auf Leute zu hören, die mit Anfang 20 schon ihren dritten Online-Reifehandel in den Sand gesetzt haben und mir erzählen, was bei meinem Business anscheinend besonders wichtig sei. Ich höre heute vielmehr auf meinen Bauch. Meine Idee, meine Vorgehensweise, mein Tempo – und das ist okay.

Wie hast du dich und Bravaria finanziert?

Zur Hälfte mit einem Kredit, zur anderen Hälfte aus eigenen Ersparnissen. Unter anderem habe ich mein Auto verkauft und etwas Geld von meiner Familie geliehen. Außerdem arbeite ich immer noch Vollzeit als IT-Beraterin, um Bravaria selbst finanzieren zu können.

Hast du manchmal gedacht "Ich schmeiß das hin"?

Natürlich! Ich glaube das tut jeder. Anfangs war ich deprimiert, weil alles so lange dauert. Und man vergleicht sich oft mit anderen Start-ups, bei denen läuft es scheinbar so reibungslos. Aber man darf nie den Grund hinter der Geschäftsidee aus den Augen verlieren. Bei mir sind das meine Kundinnen, sie schreiben mir lange Mails und sind dankbar zu erkennen, dass sie mit ihrer Brustasymmetrie nicht allein sind. Klar habe ich hin und wieder an mir als Gründerin gezweifelt, aber niemals an der Idee.

Noch mehr Körperbewusstsein: 

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Sport

Nach Medienschelte: Zeitung druckt FC Bayern in der Tabelle wieder auf Platz 1
Danke, taz!

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß meinten es ernst, doch viele konnten über das Gesagte nur lachen. Am Freitag griffen die beiden Bayern-Bosse – der eine Vorstandsvorsitzende, der andere Präsident – in einer Konferenz die anwesenden Medien, Journalisten und Fußball-Experten an. 

Der Tenor: Kritik ist okay, aber zu viel Kritik ist doof. Am besten, ihr guckt nur noch alle FC-Bayern-TV.

Eine der witzigsten Reaktionen darauf kam jetzt von der Tageszeitung "taz".

Was war passiert?

Beim FC Bayern läuft es gerade nicht wie gewohnt erfolgreich. Vor den Spielen am Wochenende steht der Verein mit 13 Punkten auf Tabellenplatz 7, er hat 4 Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund. Auch bei den Spielen der Nationalmannschaft gegen die Niederlande und Frankreich machten die Bayern-Spieler keine gute Figur. (Anmerkung der Redaktion: Möglicherweise geht diese Einschätzung dem Verein schon zu weit, wir schreiben es aber trotzdem.)

Auf einer Pressekonferenz nörgelten die Bayern-Bosse über die Berichterstattung – widersprachen sich dabei aber stellenweise selbst. Einige Highlights:

Rumenigge zur Kritik an den Spielern: "Ich möchte vielleicht in diesem Zusammenhang mal daran erinnern, an Artikel 1 des Grundgesetzes. Da heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar."

"Mit dem heutigen Tag werden wir unsere Spieler, unseren Trainer und auch den Klub schützen."

"Wir werden uns mit diesem Tag diese herabwürdigende, hämische, faktische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen."

Für ehemalige Spieler gilt der Schutz aber nicht. Hoeneß nämlich sagte über Juan Bernat: 

"Als wir in Sevilla gespielt haben, war er ALLEINE dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden waren. Und an DEM Tag ist entschieden worden, dass wir ihn abgeben. Weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hat. Das Wohl und Wehe des FC Bayern München hängt nicht von Juan Bernat ab."

Und was ist mit Hoeneß' Kritik an Mesut Özil, er spiele "Dreck". Wie vereinbar ist das mit dem Grundgesetz?

"Ich hätte nicht 'Dreck' sagen dürfen, sondern 'Mist'."

(Noch mehr solcher Momente)

Wie reagierte nun die "taz"?

"Wir haben verstanden, lieber @FCBayern", twitterte taz-Autor Andreas Rüttenauer. Und setzte die Bayern an Tabellenplatz 1 – trotz Rückstands: